Parmelin auf glattem Parkett in Basel

SVP-Bundesrat sprach auf dem Industrietag von Swissmem in Basel
SVP-Bundesrat Guy Parmelin auf dem 19. Industrietag in Basel. (Bild: muula.ch)

Bundespräsident Guy Parmelin wagte sich zum Swissmem-Industrietag nach Basel. Dabei hatte der SVP-Bundesrat und Wirtschaftsminister viel Glück.

Der Präsident des Industrieverbandes Swissmem, Martin Hirzel, hatte bei tropischen Temperaturen in Basel am Dienstag extra eine Krawatte angelegt und sprach auf Französisch.

Doch die Geste galt nur am Rande den rund 1300 anwesenden Führungskräften aus Industrie, Politik und Wissenschaft auf dem 19. Swissmem-Industrietag.

Abbau von Handelsbarrieren

Hirzel wollte damit allein Bundespräsident Guy Parmelin gefallen, und er hatte allen Grund dazu.

Während sich der Swissmem-Präsident in Basel nämlich viel Mühe gab, die Notwendigkeit von Freihandelsabkommen, den Abbau von Handelsbarrieren und die Schnelligkeit sowie die Innovationskraft eines Landes zu beschwören, verkörperte der SVP-Bundesrat quasi genau das Gegenteil.

Grossmächten ausgeliefert?

Bekanntermassen will der Schweizer Wirtschaftsminister die Import-Schranken bei Weinimporten hochfahren, um mit «Switzerland First» den einheimischen Weinbauern zu helfen.

Auch beim Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten spielten die Landwirte nicht mit und kippten den Deal unlängst im Nationalrat.

Swissmem-Präsident Martin Hirzel in Basel
Swissmem-Präsident Hirzel beschwor die «Bilateralen III». (Bild: muula.ch)

Die Schweiz könne Grossmächten keine Regeln diktieren, umschrieb Hirzel sein Hauptargument in der Ansprache.

Um der Dramatik mehr Ausdruck zu verleihen, zeigte er Branchenkennzahlen zu Auftragseingängen, Umsätzen und Exporten stark im Minus.

Doch diese bezogen das schlechte Corona-Jahr 2022 mit ein.

Im ersten Quartal 2026 lag der Auftragseingang in der Schweizer Industrie wohlgemerkt mit über 10 Prozent im Plus.

Deal mit Trump zur Ablenkung

Der «Elefant im Raum», war dann auch nicht, wie es Parmelin sagte, ein Abkommen mit den USA.

Das wichtigste Thema des Industrietages hatte Swissmem-Präsident zuvor mit «die Bilateralen III ins Ziel bringen» genannt, welche Parmelins Partei, die SVP, aber grundsätzlich ablehnt.

Doch niemand traute sich, dies anzusprechen.

Kritische Mineralien sichern

Stattdessen unterzeichneten die Schweiz und Indonesien auf der Bühne im Congress Center Basel ein «Memorandum of Understanding», das der Schweiz den Zugang zu kritischen Mineralien und Metallen erleichtern soll.

Im Gegenzug sicherte die Schweiz dem Botschafter Indonesiens in der Schweiz, Ngurah Swajaya, zu, Investitionen in Indonesien zu fördern.

Doch der indonesische Minister, der das Abkommen eigentlich unterzeichnen sollte, hatte Besseres zu tun und war gar nicht erst angereist.

Schweiz und Indonesien unterzeichnen ein Abkommen
Die Schweiz und Indonesien unterzeichnen ein Abkommen. (Bild: muula.ch)

Das asiatische Land will nicht mehr nur Exporteur von Rohstoffen sein, wie es Botschafter Swajaya gegenüber muula.ch formulierte.

Indonesien versuche, eine verarbeitende Industrie für die Rohwaren aufzubauen, und dabei solle die Schweiz eben mit Geld, Know-how und Ausrüstungsinvestitionen helfen.

Schweiz erhöht Protektionismus

Parmelin stand bei alldem aber nur abseits und genoss später ein Bad in der Menge.

Ohnehin wollte kaum jemand die Widersprüche mit der Abschottung der Schweiz bei gleichzeitigem Stöhnen über US-Strafzölle vor den KMU-Chefs thematisieren.

Selbst schwindende Hoffnungen auf weitere Freihandelsabkommen wegen Parmelins SVP ignorierten quasi alle und sprachen nur hinter vorgehaltener Hand beim Apéro davon.

Voller Einsatz für Offenheit?

Für Parmelin war es somit in Basel quasi ein Heimspiel und der Wirtschaftsminister versprach mit einem Lächeln, sich mit vollem Einsatz für Offenheit der Schweiz einzusetzen.

«Das aussenpolitische Engagement muss mit den innenpolitischen Rahmenbedingungen einhergehen», schränkte der Westschweizer Parmelin ein.

Klar, etwas Diplomatie brauchte es auf dem glatten Parkett in Basel wohl schon.

Doch die Aussage dürfte dem Swissmem-Präsidenten Hirzel, trotz Krawatte und schönstem Schulfranzösisch, kaum gefallen haben.

23.06.2026/kut.

Parmelin auf glattem Parkett in Basel

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