Swisscom wirft gleich mehrere «Nebelgranaten»

Swisscom-Logo auf einem Gebäude
Swisscom lenkt geschickt von Problemen ab. (Bild: PD)

Der Swisscom-Konzern verliert Umsatz und muss eine mit Schulden finanzierte Milliardenübernahme stemmen. Da sorgt der Staatsbetrieb für Ablenkung.

Wie hat Swisscom in jüngster Zeit das Leben der Menschen in der Schweiz verbessert?

Dies ist nämlich die eigentliche Daseinsberechtigung des Schweizer Telekom-Konzerns.

Milliardenschulden angehäuft

Wer dieser Frage nachgeht, dem wird jedoch rasch schummerig.

Die Kunden erhielten exorbitante Preiserhöhungen und zahlreiche Stellen wurden im Inland abgebaut.

Auch die Schulden aller Schweizer erhöhten sich um Milliarden, weil das Swisscom-Management um CEO Christoph Aeschlimann unbedingt eine Megaübernahme in Italien tätigen wollte.

Sinkende Umsätze

«Die operative und finanzielle Entwicklung der Swisscom-Gruppe liegt im Rahmen unserer Erwartungen», teilte der Konzernchef am heutigen Donnerstag zur Publikation der Semesterresultate mit.

Wären die Ergebnisse gut, hätte die Kommunikationsabteilung sicher ein besseres Zitat gefunden.

Tatsächlich läuft es auch nicht rosig. Swisscom verlor im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr einen Umsatz von 3 Prozent beziehungsweise 225 Millionen Franken – dies innerhalb von nur sechs Monaten.

Dividende aus Rücklagen

Der Konzerngewinn stieg zwar um rund 7 Prozent beziehungsweise 43 Millionen Franken auf 670 Millionen Franken.

Doch Swisscom fuhr dabei die Investitionen um gut 10 Prozent beziehungsweise 131 Millionen Franken nach unten.

Das Eigenkapital sank um fast eine Milliarde, weil hohe Dividenden teils aus den Rücklagen gezahlt wurden.

Mehr italienische Stellen

In Italien, wo Swisscom von Vodafone die Italien-Tochter für Milliarden kaufte, läuft es eher mässig.

Der Umsatz sank um 5,6 Prozent auf noch 3,2 Milliarden Franken. In Euro betrug der Rückgang auch 3,3 Prozent – es geht also auch sonst abwärts.

Swisscom-CEO Christoph Aeschlimann
Swisscom-CEO Aeschlimann will die Knochenarbeit anderen überlassen. (Bild: PD)

In der Schweiz baute Swisscom deutlich Arbeitsplätze ab. Die Zahl der Vollzeitstellen sank im ersten Halbjahr um 5 Prozent auf 12.500.

Doch in Italien, wo es eigentlich zu Synergien zwischen dem einstigen Milliardengrab Fastweb und Vodafone Italia kommen sollte, stieg laut dem Semesterbericht die Zahl der Vollzeitstellen um rund 1 Prozent auf 7200.

Neuer Standort in Portugal

Was macht man in so einer Situation? Nun, das Beste ist wohl, man wirft die eine oder andere «Nebelgranate», damit der Öffentlichkeit die Probleme nicht so auffallen.

Genau dies passierte zur Publikation der Semesterresultate. Swisscom will nach Riga und Rotterdam in Lissabon noch einen neuen Standort aufbauen.

Es sei vorgesehen, 2027 mit etwa 40 Mitarbeitern zu starten und mittelfristig auf rund 200 Angestellte zu wachsen, erklärte der Staatsbetrieb.

Wieso es am anderen Ende Europas noch einen Mini-Standort braucht, erschloss sich allerdings nicht. Doch Medien und Gewerkschaften hyperventilierten sofort.

Gruppen-CEO macht Denkarbeiten

Die zweite Sache, die für Ablenkung sorgte, war eine Änderung der Führungsstruktur.

Swisscom-CEO Aeschlimann will nicht mehr die Schweizer Einheit führen, sondern eine neue Zwischenebene einziehen, und berief einen Schweiz-CEO, wie es ihn früher bereits einmal gab.

Group-CEO Aeschlimann werde sich noch stärker auf Strategie, Transformation, Innovation, die Beziehungen zu wichtigen Anspruchsgruppen sowie die langfristige Weiterentwicklung der Swisscom-Gruppe konzentrieren, hiess es.

Eventuell wird er dabei von Lissabon über Rotterdam bis Riga quer durch Europa auch nach dem Rechten schauen.

Neue Zwischenebene

Normalerweise machen Unternehmen solche Schritte, wenn sich Manager aus der Schusslinie bringen wollen.

Falls etwas in der Schweiz nicht gut läuft, setzt man eben dann den Schweiz-CEO ab.

Falls wieder etwas in Italien schiefgeht, muss der Italien-Swisscom-Chef eben seinen Hut nehmen, obwohl Aeschlimann die schuldenfinanzierte Milliardenübernahme eigentlich wollte. Die Integrationsarbeit müssen jetzt andere Leisten.

Wofür ist die Swisscom da? Eigentlich, um das Leben der Menschen in diesem Land besser zu machen.

Das Werfen von «Nebelgranaten» gehört da aber sicher nicht dazu.

06.08.2026/kut.

Swisscom wirft gleich mehrere «Nebelgranaten»

One thought on “Swisscom wirft gleich mehrere «Nebelgranaten»

  • August 6, 2026 at 7:47 p.m.
    Permalink

    Swisscom lebt nur noch von ahnungslosen Senioren, Bundesverwaltung und einigen Konzernen. Das Angebot ist massiv zu teuer und der Service höchstens noch durchschnittlich.

    Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert