
In der Schweiz werden Angebote des Staates erneut deutlich teurer. Selbst der staatliche Preisüberwacher fordert andere Abhilfe.
Steigt der Preis von einem Gut, geht normalerweise die Nachfrage zurück.
Das ist ein Mechanismus, den sich die Schweizerische Post nun offensichtlich zunutze macht.
Zweistellige Prozentsätze
Ab 2027 koste ein A-Post-Brief 1,40 Franken und ein B-Post-Brief 1,10 Franken, teilten die Post sowie der staatliche Preisüberwacher Stefan Meierhans am heutigen Donnerstag mit.
Aktuell betragen die Porti wohlgemerkt 1,20 Franken und 1,00 Franken. Die Aufschläge liegen also bei fast 20 beziehungsweise 10 Prozent.
Auch A-Post-Plus-Briefe und Einschreiben kosten künftig 20 Rappen mehr.
Sparen kompensiert Rückgang nicht
Die Staatspost hat ein Problem: Die Einnahmen gehen aufgrund sinkender Briefmengen zurück, aber die Kosten für die flächendeckende Infrastruktur bleiben gleich.
Eigentlich würde die Schweizerische Post den Leistungsauftrag am liebsten loswerden. Dafür bricht sie sogar regelmässig das Recht, wie muula.ch unlängst berichtete.
Allein im Jahr 2025 seien die Erträge um 85 Millionen Franken zurückgegangen, jammerte der Staatsbetrieb.
Trotz konsequenter Effizienz- und Sparmassnahmen könne die Post diese Entwicklung nicht vollständig kompensieren, hiess es weiter.
Fraglicher Nutzen des Angebots
Doch mit Preiserhöhungen von 20 Prozent verschärft sich das Postproblem sogar.
Noch weniger Menschen werden Briefe und Postkarten senden, weil jetzt nicht nur der Trend von E-Mails, SMS und WhatsApp-Nachrichten greift, sondern die exorbitanten Preise langsam eine wichtigere Rolle bei der Nachfrage spielen dürften.
Am Ende entledigt sich die Post auf diese Weise ihres lästigen Leistungsauftrages.
Kniff mit der Mehrwertsteuer
Die Post nimmt dem Bund mit einem Kniff sogar noch Geld weg.
Für nationale Briefe gelte neu ein Standardgewicht von 1 bis 50 Gramm, statt bisher von 1 bis 100 Gramm.
Durch die neue Gewichtskategorie könne die Post auf die Entrichtung der Mehrwertsteuer verzichten, die im Monopolbereich bis 50 Gramm gesetzlich auch nicht gefordert ist.
Damit steigt aber die Marge für den Logistikanbieter um aktuell 8,1 Prozent. Wird der Normalsatz erhöht, gibt es nochmals mehr für die Post.
Für Unternehmenskunden heisst es allerdings, weniger Vorsteuer geltend machen zu können.
Eingespieltes Ritual
Der Preisüberwacher jubelte, dass von den angemeldeten Preismassnahmen der Post von 102,7 Millionen Franken nach Verhandlungen «nur» 60,7 Millionen Franken übrig geblieben seien.
Doch die Staatsbetriebe haben längst adaptiert, dass man sich «ungefähr in der Mitte» trifft und das System eines Preisüberwachers, da wo der Wettbewerb in der Schweiz nicht spielt, nur noch bedingt funktioniert.
Politik gefordert
Meierhans gab es dann auch selbst zu.
Der Gesetzgeber sei gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, welche die Finanzierung der Grundversorgung nachhaltig ermöglichten, hiess es.
Mit anderen Worten: Der Leistungsauftrag der Post gehöre abgespeckt.
Staat langt stärker zu
Schweizer spüren vermehrt, dass der Staat sie zusätzlich zu Steuerabgaben auch bei seinen Dienstleistungen stärker zur Kasse bittet. muula.ch berichtete von Preiserhöhungen der staatlichen Swisscom.
Und am Mittwoch hatte es auch umfangreiche Preiserhöhungen im öffentlichen Verkehr um die Schweizerischen Bundesbahnen SBB gegeben.
Auch da lobte sich der Preisüberwacher, die Preiserhöhungen statt auf 3,9 «bloss auf 3,6 Prozent heruntergehandelt zu haben.
Die aktuelle Teuerung liegt in der Schweiz wohlgemerkt bei rund null Prozent. Doch die gilt offenbar nicht für den Schweizer Staat.
06.08.2026/kut.



