
Der Weltfussballverband Fifa will seine Spiele ausbauen. Die Sportorganisation löst Geldprobleme stets mit Geld, und dies dürfte weiter funktionieren.
Wieder einmal hat sich die Fussball-Welt über ihren Weltfussballverband Fifa echauffiert.
Die in Zürich domizilierte Sportorganisation präsentierte unter der Leitung von Präsident Gianni Infantino einen Plan, um Teile der Fussball-Weltmeisterschaft für externe Investoren zu öffnen.
Presse als Spielverderber
Noch bevor die Details an die Öffentlichkeit kamen, wurden einzelne Informationen in den Medien bereits zerrupft.
Besonders heftig fiel die Gegenreaktion des europäischen Fussballverbandes Uefa aus, welche mit einem Boykott der Weltmeisterschaft drohte, sollten die Pläne umgesetzt werden.
Am heutigen Freitag trat Fifa-Präsident Infantino dann vor die Weltöffentlichkeit und präsentierte die genauen Pläne.
«Fake News» in Medien würden den Vorschlag sonst zunichte machen, hiess es kritisch.
Aus 32 mach 48 mach 64
Nachdem der Fifa-Präsident mit der gerade zu Ende gegangenen Fussball-WM in Kanada, Mexiko und den USA einen grandiosen Finanzerfolg erzielt hat, will die Fifa das Modell nun weiter optimieren.
Diesmal spielten schon 48 statt normalerweise 32 Teams; was zu einer Verdopplung der Einnahmen auf 15 Milliarden Dollar geführt hat. Künftig sollen sogar 64 Mannschaften an dem Turnier teilnehmen.
20-Prozent-Anteil bringt 4 Milliarden
Die Organisation und Durchführung genau dieser Spiele würde in eine Firma ausgelagert, die Fifa Forward Enterprise (FFE), wie Infantino in einer Videobotschaft erklärte.
Die US-Bank J.P. Morgan erstellte eine Unternehmensbewertung dazu und kam auf rund 20 Milliarden Dollar als Wert.

Der Fifa schwebt nun vor, 20 Prozent davon an langfristig interessierte Investoren zu verkaufen, was rund 4 Milliarden Dollar in die Verbandskasse spülen würde.
Geldregen aus Zürich
Infantino betonte, die Fifa würde 80 Prozent an der FFE besitzen und damit auch die Oberhand über die Fussballwettkämpfe bei sich behalten.
Die Governance und die Fifa-Regeln seien von dieser Änderung ohnehin nicht betroffen, hiess es.

Das Geld würde ohnehin vollständig der Förderung des Fussballs in der Welt zugutekommen.
Wie die Fifa bisher immer Probleme löste, zeigte sich auch diesmal. Infantino stellte jedem der 211 Mitgliedsverbände 20 statt bisher 8 Millionen Dollar pro Jahr in Aussicht.
Damit fällt gerade vielen armen Sportnationen wahrscheinlich der Entscheid leicht, der Auslagerung der Fifa-Spiele zuzustimmen.
Fäden weiter in Händen halten
Die 20-Prozent-Beteiligung an der Durchführung und Vermarktung der Fussball-Weltmeisterschaften ist eigentlich «totes Kapital» für die Fifa – insofern lohnt sich der Verkauf an Externe sehr wohl.
Mit 80 Prozent behalten Infantino & Co. die Fäden weiterhin in der Hand. Eventuell will sich der Walliser sogar selbst auf den CEO-Posten der FFE setzen.
Die Weitervermarktung mit Fremdkapital, also Leverage, ist nur folgerichtig, wenn man die Fussballförderung weiter auf die Spitze treibt.
Die Aufregung ist aber alles andere als überraschend, weil die Pläne quasi bisher geheim waren und nun die ganze Welt schockieren.
Doch das Geld dürfte sich sowohl bei der Fifa als auch bei den Mitgliederorganisationen durchsetzen.
31.07.2026/kut.



