Schweizer Krypto-Firmen beugen sich Regeln der EU

Ein Bitcoin auf einer Speicherplatte
Kryptowährungen kommen immer mehr an die kurze Leine. (Bild: M. Fortsch / unsplash)

In der EU traten 2023 neue Regeln zur Emission, zum Handel und zur Verwahrung von Krypto-Assets in Kraft. Schweizer Firmen finden daran Gefallen.

Viele Investoren setzen auf die Schweiz, weil sie nicht der EU-Regulierung unterliegt.

Das gilt auch in der Welt von Kryptowährungen um Bitcoin, Ethereum, Ripple & Co.

Strenge Auflagen für Anbieter

Doch in der Krypto-Welt freunden sich Schweizer Anbieter immer mehr auf die Brüsseler Regeln.

Bitcoin-Suisse-CEO und Co-Founder Andrej Majcen lobte unlängst sogar MiCAR, also das EU-einheitliche Regelwerk «Markets in Crypto-Assets Regulation».

Es klingt alles super, wie Verbraucherschutz, geregelte Zulassung von Anbietern, strenge Auflagen für Stablecoin-Token und Missbrauchsprävention um Insiderhandel und Marktmanipulation.

Finma fährt strengeren Kurs

Doch in Wahrheit ist es die totale Kontrolle über die sonst so freiheitsliebende und dynamische Krypto-Branche.

Bisher machte die Schweiz da nicht mit – allerdings geht die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma ebenfalls immer mehr in Richtung, die Daumenschrauben in Richtung Brüssel anzuziehen.

Grosser Markt lockt

Auch Schweizer Anbieter machen da voll mit, um sich den Marktzugang zur EU zu sichern.

Sobald EU-Kundschaft betroffen ist, tangiert sie die Brüssler Regulierung.

Die Amina Bank, ehemals Seba Bank, sicherte sich Ende 2025 über eine europäische Tochtergesellschaft eine MiCAR-Lizenz und kann im europäischen Raum operieren.

Die Schweizer Kryptofirma Swissborg nervt seit Wochen ihre Kunden, sich aufgrund der MiCAR-Lizenz neu zu identifizieren.

US-Anbieter in Europa reagieren

Die Schweizer Bitcoin-App Relai jubelte unlängst, von der französischen Finanzmarktaufsicht AMF eine MICAR-Lizenz erhalten zu haben.

Der US-Anbieter Coinbase macht auf seine Nutzer in Europa starken Druck, etwa Steuerangaben zu hinterlegen und «bei dieser Gelegenheit» gleich noch ein paar weitere Fragen zu beantworten, die in Richtung MiCAR gehen.

Alle sehen den grossen Markt als Chance und beugen sich.

Regulierter Service-Provider

Und am heutigen Dienstag gab der Zuger Krypto-Asset-Manager Bitcoin Suisse bekannt, über seine liechtensteinische Niederlassung ebenfalls eine MiCAR-Lizenz erhalten zu haben.

Die bekannte Krypto-Firma operierte eigentlich schon seit vielen Jahren im EU-Raum.

Doch nun gab es eine Lizenz als Crypto-Asset Service Provider (CASP) unter Brüsseler Richtlinien, wie es weiter hiess.

Bermuda und Abu Dhabi

Damit will Bitcoin Suisse vermögende Privatpersonen, Unternehmen und institutionelle Investoren für sich gewinnen. Die Kernleistungen sind dabei, Trading, Custody und Staking.

Der Zuger Vermögensverwalter stellt dabei einen personalisierten Service zur Seite, der in der Blockchain-Welt selten ist.

Ursprünglich war die Firma 2013 von Bitcoin-Fans gegründet worden und operiert mittlerweile neben der Schweiz und Liechtenstein noch auf den Bermudainseln und den Vereinigten Arabischen Emiraten in Abu Dhabi.

Schweiz mit Anreiz zum Umdenken

Deutsche Kunden wollten unlängst ihre Bitcoins bei Schweizer Geldhäusern verwahren lassen, wie muula.ch von mehreren Banken erfuhr.

Doch die deutsche Finanzmarktaufsicht Bafin unter dem einstigen Finma-Direktor Mark Branson stellte sich dagegen, weil der Regulator damit seinen Zugriff auf die Vermögenswerte verloren hätte.

Schweizer Krypto-Firmen beugen sich immer mehr der EU-Regulierung und die Schweiz hätte eigentlich einen Anreiz, sich dem ganzen Kontrollieren entgegenzustemmen. Statt Einheitsbrei, wäre es da wohl an der Zeit, in Bern, Zürich, Lausanne, Zug, Luzern, Basel, St. Gallen & Co. umzudenken.

Viele Investoren setzen ja gerade auf die Schweiz, weil sie nicht der EU-Regulierung unterliegt.

23.06.2026/kut.

Schweizer Krypto-Firmen beugen sich Regeln der EU

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert