
Der einstige Staatssekretär Yves Rossier schied aus dem diplomatischen Dienst der Schweiz aus. Nun tritt er wieder vielerorts in Erscheinung.
Schweizer Spitzenbeamte fassen erstaunlich rasch Fuss in der Privatwirtschaft.
Sei es die einstige Staatssekretärin im Staatssekretariat für Wirtschaft Seco, Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, die etwa beim Nahrungsmittelriesen Nestlé und beim Berner Versicherer Mobiliar im Verwaltungsrat sitzt.
Finma stark betroffen
Sei es die einstige Schweizer Justizministerin, Ruth Metzler, die nach ihrem Rücktritt beim Basler Pharmakonzern Novartis zahlreiche Aufgaben übernahm und beim Versicherer Axa sowie dem Technologiekonzern Bühler in die Aufsichtsgremien einzog.
Beim Genfer Bankhaus Reyl, warf Metzler nach Problemen im Risikomanagement unlängst das Handtuch.
Der Ex-Chef der Schweizerischen Nationalbank SNB, Thomas Jordan, heuerte nach seinem Ausscheiden bei der Zentralbank beim Versicherungskonzern Zurich Insurance Group und auch beim Nahrungsmittelhersteller Nestlé an.
Von den Spitzenbeamten der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht, Finma, die in der Finanzindustrie untergekommen sind, könnte man ganze Bücher schreiben.
Besonders auffällig ist derzeit, wie viele Finma-Mitarbeiter, die für den Untergang der Credit Suisse hauptverantwortlich sind, das Weite in der Privatwirtschaft suchen.
Von Cassis abserviert
Doch nun stösst eine Personalie in der Öffentlichkeit auf, um die es einige Jahre ruhig gewesen war.
Die Rede ist von Yves Rossier, dem ehemaligen Direktor des Bundesamtes für Sozialversicherungen und einstigen Spitzendiplomaten der Schweiz sowie Ex-Botschafter der Eidgenossenschaft in Russland.

Er war im Streit mit Aussenminister Ignazio Cassis wegen der EU-Rahmenverträge aus dem diplomatischen Dienst ausgetreten.
Cassis hatte ihm dann keinen Botschafterposten in London oder Brüssel, sondern nur die Leitung einer unbedeutenden Botschaft im Baltikum angeboten, und der 1960 Geborene reichte daraufhin seine Kündigung ein.
Russland-Connection im Visier
Rossier war nun bei einer Gesamterneuerung des Verwaltungsrats der Zürcher Immobiliengesellschaft Züblin als einziger Kandidat wieder angetreten, wie das Unternehmen am Mittwoch bekanntgab.
Doch diese Woche rückten noch weitere Mandate des einstigen Top-Diplomaten des Landes ins Rampenlicht, denn Rossier sitzt auch beim Genfer Bankhaus Cramer im Verwaltungsrat.
Dort soll die Finma laut dem Portal «Inside Paradeplatz» ein Enforcementverfahren durchführen, bei dem es um Russen-Gelder gehe. Klar hat ein Ex-Botschafter immer gute Kontakte und kann als Türöffner für Geschäfte fungieren.
Eigene Beratungsfirma im Tessin
Doch selbst beim einstigen SVP-Nationalrat Peter Spuhler und seinem Zughersteller Stadler Rail tritt Rossier in Erscheinung.
Dort agiert der einstige Botschafter der Schweiz in Russland im Superivsory Board bei LLP Stader Kazakhstan.
Auch bei der Wirtschaftskanzlei Prime Partners sitzt der studierte Jurist im Verwaltungsrat.
Rossier ist auch bei der Lugano Commodity Trading Association LCTA engagiert.
Nach Rossiers Ausscheiden im Diplomatischen Dienst gründete er im Tessin laut dem Handelsregister gleich zusammen mit Paolo Marco Tamagni Lazzari von Bellinzona die Beratungsfirma Tazio Consulting.
Sprungbrett EDA
Die Drehtür zwischen öffentlicher Verwaltung und Privatwirtschaft funktioniert in der Schweiz.
Auch Ex-Chefdiplomat und Kettenraucher Rossier fiel nach seiner Kündigung im Aussendepartement EDA weich.
05.06.2026/kut.





