
Die Billigkasse Assura hat einen Gewinneinbruch von 20 Prozent erlitten. Zum Verlust des Geschäftsmodells kommt ein Skandal, der Köpfe kostet.
Die Krankenkasse Assura war einst als die Billigkasse der Schweiz bekannt.
Kranke und Ältere machten um sie einen grossen Bogen, denn im Falle eines Falles mussten Versicherte um jeden Franken kämpfen.
Risikoausgleich wirkt
Chronisch Kranke ekelte der Krankenversicherer mit schlechtem Service heraus – in der Grundversicherung ist das auch kein Problem, weil Betroffene sich jedes Jahr einen neuen Anbieter suchen können.
Doch dann änderte die Schweiz den Risikoausgleich und die Jagd nach sogenannten guten Risiken, also Jungen und Gesunden, die wenig Aufwand verursachen, lohnte sich nicht mehr.
Damit ging Assura das Geschäftsmodell flöten – mit ihm gingen Hunderttausende Kunden, wie muula.ch berichtete. Die Prämien zogen stark an.
Explosion der Prämien
So stiegen bei Assura die verdienten Prämien in der obligatorischen Grundversicherung im vergangenen Jahr um fast 13 Prozent auf 3,5 Milliarden Franken, wie der Krankenversicherer aus Pully VD am Genfersee unter der Leitung von CEO Ruedi Bodenmann vor dem Wochenende bekanntgab.

Der Aufwand für den Risikoausgleich, also den Umlagetopf der Grundversicherung, erhöhte sich um gut 10 Prozent auf 531 Millionen Franken.
Doch die Zeiten, als Assura wegen der vielen guten Risiken über 1,1 Milliarden Franken einzahlen musste, sind definitiv vorbei.
Einst über eine Million Grundversicherte
Der Personalbestand erhöhte sich innerhalb nur eines Jahres um über 10 Prozent auf mittlerweile 1621 Vollzeitstellen.
Das barsche Abweisen von Leistungsansprüchen der mittlerweile rund 722.000 Grundversicherten geht also nicht mehr, daher braucht Assura deutlich mehr Personal und auch die Zahl der Niederlassungen stieg auf 26.
Anfang 2019 zählte Assura laut dem Geschäftsbericht 2019 noch über eine Million Grundversicherte, hatte rund 1200 Vollzeitstellen und nur 16 Niederlassungen.
Es geht also klar in Richtung mehr Service.
Finanzderivate sorgen für Verlust
Doch der Gewinnrückgang 2025 um rund 20 Prozent auf noch 58 Millionen Franken lässt besonders aufhorchen, weil das Kapitalanlageergebnis eigentlich um fast 500 Prozent auf über 20 Millionen Franken gestiegen ist.
Dabei wirkte sich aber der Umstand aus, dass Assura im Jahr 2024 rund 30 Millionen Franken an Rückstellungen für die Kapitalanlagerisiken bilden musste.

Damals hatten derivative Finanzinstrumente gigantische unrealisierte Verluste von 55 Millionen Franken produziert.
Laut Geschäftsbericht ging es um Devisentermingeschäfte mit Dollar und diese hatten sich 2025 im zweistelligen Millionenbereich realisiert.
Austausch von Führungskräften
Dies hatte dazu geführt, dass es überraschend per 28. April 2025 mit Charles Staubli einen neuen Finanzchef gab, weil sich der langjährige CFO Patrick Grandfils «einer neuen beruflichen Herausforderung» widmen wollte.

Nun gab es im Verwaltungsrat der Assura vor wenigen Tagen auch grosses Stühlerücken.
Der einstige Swiss-Life-Manager Bruno Pfister verabschiedete sich nach nur 2 Jahren als Verwaltungsratspräsident (VRP) überraschend.
Er übergab den Vorsitz im Aufsichtsgremium an Christophe Guillemot, wie es aus Pully hiess.
31.05.2026/kut.





