
Die Stimmung unter KMU im Kanton Zürich trübt sich ein. Neben Regulierung und Digitalisierung bereitet aber ein lösbares Problem vielerorts Sorgen.
Jeden Tag geistern Schauermärchen über die Schweizer Wirtschaft durch die Welt.
Sie reichen von Untergangsstimmung bis hin zu globalen Herausforderungen im aktuellen geopolitischen Umfeld.
Hausgemachte Probleme
Doch wer sich die Sorgen der KMU genauer ansieht, dem muss nicht schauern.
Die Probleme, welche den Firmen beispielsweise im wirtschaftsstärksten Kanton des Landes grosse Kopfzerbrechen bescheren, sind alle hausgemacht beziehungsweise lösbar.

Aktuell beurteilen 60 Prozent der Betriebe ihre Lage als positiv, teilte die Zürcher Kantonalbank ZKB am Dienstag zu ihrer neuesten Umfrage unter mehr als 1000 Zürcher KMU mit.
Im Jahr 2025 seien es allerdings noch 64 Prozent gewesen, hiess es zu der Studie, welche bereits das 6. Mal durchgeführt wird.
Jammern über Absatzprobleme
Auch der Blick nach vorne falle diesmal gedämpfter aus: Der Anteil der KMU, die eine positive Geschäftsentwicklung erwarteten, sei im Vorjahresvergleich von 70 auf 64 Prozent gesunken, erklärte die ZKB.
Nur noch 10 Prozent mehr KMU planten einen Personalauf- statt einen Personalabbau.

Ein Grund für die verschlechterte Gesamtlage sind Absatzschwierigkeiten. Seit 2023 habe sich der Anteil der KMU, die eine «ungenügende Marktnachfrage» als grosse Herausforderung einstufen, verdoppelt, erklärte die Zürcher Staatsbank zur Situation.
Mittlerweile kämpfe etwa ein Drittel der Betriebe mit einer schwachen Nachfrage.
Gute Rahmenbedingungen nötig
In diesem Kontext rücke bei knapp der Hälfte der Zürcher KMU ein neues Thema in den Fokus: die Kundenakquise.
Dieses Thema gehört nach Regulierung und Digitalisierung zum Platz 3 der Top-Herausforderungen. Für gute Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie muss eben die Zürcher Politik sorgen.
Zwischen 2023 und 2026 sei der Anteil der KMU, welche die Personalgewinnung als eine «Challenge» betrachten, von 63 auf 42 Prozent gesunken. Fachkräfte hat es mittlerweile offenbar genug.
Damit zeigt sich allerdings, dass sich KMU selbst aus der Trauerstimmung befreien können. Die Digitalisierung sowie die Kundensuche liegen ja in ihren Händen.
Saudi als Markt erobert
Ein Ostschweizer KMU machte es unlängst vor und ging in Saudiarabien an die Börse Tadawul, wie muula.ch berichtete.
Wer sich nur auf Europa oder die USA als Märkte verlässt oder bloss vor der eigenen Haustür nach Kundschaft orientiert, ist da praktisch selber schuld.
Berührungsängste müssen die Zürcher eventuell ablegen und schon können sie, wie die Mini-Firma Grünenfelder aus der Ostschweiz, die Herzen der Saudi gewinnen.
Boom bei Architektur und Sozialem
In der Zürcher KMU-Landschaft läuft es aber auch nicht überall schlecht.
Getrübt ist zwar die Stimmung in der Industrie und im Handel. Laut der ZKB beurteilten nur 30 Prozent der Betriebe in der Industrie sowie 47 Prozent der Handelsfirmen ihre Geschäftslage als gut.

Doch im Bau und in der Architektur lag der Wert bei 70 Prozent. Auch im Bereich sozialer Dienstleistungen beurteilten mit 57 Prozent über die Hälfte der Befragten die Lage als gut.
Es geht also und braucht keine Schauermärchen, sondern Mut.
09.06.2026/kut.





