Online-Magazin «Republik» steht vor dem Abgrund

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Das Portal «Republik» ist vom Totalabsturz bedroht. (Symbolbild: S. Keller / pixabay)

Das Portal «Republik» hat Details über seine katastrophale Situation enthüllt. Die Verbliebenen versuchen, das Ruder noch herumzureissen.

Das linke Online-Medium «Republik» ist mit Steuerhinterziehung in eine Existenzkrise geraten, wie das Wirtschaftsnews-Portal muula.ch unlängst berichtet hatte.

Doch nun ist neben Ebbe in den Kassen noch ein gewaltiges Problem hervorgetreten.

Keine Führung seit Frühjahr

Die Rede ist vom Organisationsmangel, einer Situation, wenn Verantwortliche überraschend das Handtuch werfen und laut Gesetz nicht mehr genügend Führung für eine Gesellschaft vorhanden ist.

Es betrifft laut Angaben von «Republik» vom heutigen Montag die Aktiengesellschaft, wo eine Unterbesetzung des strategischen Gremiums eingetreten ist.

Und es betrifft auch die Project R Genossenschaft, weil Roger de Weck im Frühling seinen Rücktritt erklärte, aber ein Genossenschaftsvorstand mindestens aus drei Personen bestehen muss.

All dies ist bei dem Portal nicht mehr gegeben und daher droht nun das Aus.

Handeln unter Zeitdruck

Das Magazin muss noch vor Ende Juli (!) die Gremien besetzen und für den Verwaltungsrat der Aktiengesellschaft braucht es daher eine ausserordentliche Generalversammlung und für die Projekt R Genossenschaft eine ausserordentliche Urabstimmung.

Für die strategische Führung brauche «Republik» mindestens drei Personen: eine für die Publizistik, eine für das Unternehmertum und eine für die Finanzen, hiess es weiter.

Fürchterliche Kommunikation

Wie fast immer bei linken Projekten gibt es viele Gremien und bei «Republik» stellte man intern ein breit abgestütztes Gremium zusammen, dass geeignete Personen für diese Aufgaben finden sollte.

Allerdings ist dabei offensichtlich nicht viel herausgekommen, weil die gefundenen Persönlichkeiten alles andere als geeignet für eine strauchelnde Medienfirma scheinen.

So tritt etwa der pensionierte Ex-Chef der Eidgenössischen Finanzkontrolle EFK, Michel Huissoud, an.

Er ist Jurist und hatte sich früher mal auf Steuerrecht spezialisiert. Von Medien dürfte er wenig Ahnung haben, denn die EFK ist auch unter seiner Leitung vielerorts für ihre katastrophale Kommunikation bekannt gewesen.

Von BAG bis Syndicom

Zudem stellen sich Karin Landolt, die Inhaberin einer Kommunikationsagentur, Roger Staub, der pensionierte Leiter der Sektion Aids vom Bundesamt für Gesundheit BAG, und Nina Scheu, die ebenfalls pensionierte Kommunikationsverantwortliche der Mediengewerkschaft Syndicom, zur Wahl.

Es bleibt allerdings völlig schleierhaft, wie sie das operative Chaos mit Steuerhinterziehung bei Mehrwert- und Schenkungssteuer, Massenentlassungen bei den rund 50 Journalisten und das strategische Chaos mit einer völlig unüberschaubaren Struktur aus Genossenschaft und Aktiengesellschaft in einem schrumpfenden Medienmarkt bewältigen wollen.

Persönliche Haftung notwendig

Der Ex-Chef der Eidgenössischen Finanzkontrolle Huissoud und auch die pensionierte Medienverantwortliche der Gewerkschaft mussten sich wahrscheinlich bisher noch nie damit beschäftigen, Geld für ihre Tätigkeiten heranzuschaffen.

Dass sie persönlich für solche Gesellschaften mit ihrem Privatvermögen haften, wissen sie hoffentlich. Als Verwaltungsräte einer Aktiengesellschaft sind sie nämlich für das Wohl der Firma persönlich verantwortlich.

Die Aktienmehrheit haben aber 12 Geldgeber zusammen mit 13 Gründungsmitgliedern, und somit haben sie zumindest in der AG auch formal das Sagen.

Falsche Pläne

Die Bewerbungsdossiers der Kandidaten lesen sich jedenfalls wie Witzporträts, die kaum zum Ernst der Lage passen.

«Zuhören, mitdenken, aufbauen», sagte etwa Gewerkschafterin Scheu zu ihren Plänen für den Verwaltungsrat und den Vorstand.

BAG-Aids-Kampagnenleiter Staub sieht seine Pläne in ruhigeren Fahrwassern und einer Konsolidierung.

Völlig daneben scheint die Kommunikationsagentur-Inhaberin Landolt zu sein, denn sie plant, «Gesprächskultur, Transparenz, Vertrauensbildung und Organisationsentwicklungs-Unterstützung bei Bedarf».

Selbst Huissoud schwebt vor, die «Republik» zu stärken. Wie, bleibt aber sein Geheimnis.

Leser der Bewerbungsangaben können den Eindruck gewinnen, das mehrheitlich aus Pensionären bestehende Gremium habe den Ernst der Lage überhaupt nicht verstanden.

Es bräuchte nämlich Sanierungskompetenzen und Turnaround-Erfahrungen.

Ende ist nah

Wer dann auch nur einen einzigen Blick auf die «vereinfachte Darstellung» des Organigramms wirft, weiss, dass bei «Republik» mittlerweile Hopfen und Malz verloren sind und Chaos herrscht.

Linke Projekte, so heisst es, gehen ohnehin meist nur so lange gut, wie Geld ausgegeben werden kann.

Vereinfachte Darstellung von «Republik»
Vereinfachte Darstellung von «Republik» (Quelle: «Republik»)

Bei dem Online-Magazin scheint das Ende der Fahnenstange erreicht. Aus dem innersten Kreis hört man auch, dass das Republik-Projekt mittlerweile nur noch eine Quasselbude sei.

«Republik»-Verantwortliche müssen aus den Finanzmitteln zudem fast eine Million Franken an Steuern an den Kanton Zürich sowie den Bund zahlen, was die Geldgeber des Medienprojektes sicher so nicht gewollt haben.

Output sehr gering

Und was rund 50 Angestellte jeden Tag produzieren, ist so minim, dass sich Beobachter wundern, warum die Kunden, also die Genossen, da nicht schon längst auf die Barrikaden gegangen sind.

Das Geschwafel der Journalisten ist aber genauso episch breit, wie die komplizierten Erklärungen der Verantwortlichen, die nun versuchen, das Projekt noch irgendwie zu retten.

Per 31. Juli ist Schluss, falls die ganzen Wahlen neuer Verantwortlicher nicht gelingen.

Diese wären dann aber auch bloss bis zum Oktober gewählt, weil dann die nächste ordentliche Plenarsitzung stattfindet. Das alles hat mittlerweile wohl nichts mehr mit Journalismus, sondern nur noch mit Administration zu tun.

Das Geld, wohlgemerkt nicht aus der eigenen Tasche, wird reihenweise versenkt – eben, bis wohl nichts mehr da ist.

10.07.2023/kut.

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