Selbstversorgung der Schweiz bleibt Mythos

Ein Feld mit Pflanzen
Die Schweiz betreibt viel zu wenig eigene Landwirtschaft. (Symbolbild: A. Keifaf / unsplash)

Manche Schweizer glauben, ihr Land könne autark sein. Doch nur schon bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln ginge ohne Ausland rasch nichts mehr.

In der Schweiz halten sich viele Mythen hartnäckig.

Eine dieser Legenden ist, dass die Schweiz ohne das Ausland eigenständig überleben könnte.

Vor allem Pflanzen fehlen

Doch dies ist überhaupt nicht der Fall und dabei braucht nicht einmal die Stromlücke im Winter herangezogen zu werden.

Es geht um die profane Versorgung mit Lebensmitteln, welche die Schweiz nicht einmal selbst für ihre Einwohner sicherstellen könnte.

Um dies zu sehen, reicht ein Blick in die Landwirtschaftsdaten, welche das Bundesamt für Statistik BFS unlängst aufbereitet hat.

Demnach liegt der Selbstversorgungsgrad bei Lebensmitteln des Landes gerade noch bei 50 Prozent. Vor ein paar Jahren waren es noch über 60 Prozent gewesen.

Bei pflanzlicher Nahrung sank die Eigenversorgung von über 40 Prozent auf nur noch 31,3 Prozent, wie das BFS weiter schrieb.

Verbrauch pro Kopf sinkt

Doch dabei spielt nicht einmal das Bevölkerungswachstum eine grosse Rolle.

Gewiss, mit mehr Menschen in der Schweiz kann die limitierte Landwirtschaftsproduktion im Inland pro Kopf nur sinken.

Doch auch der Export bleibt konstant und beim Import geht es ebenfalls nicht nach oben. Insofern muss der Inlandverbrauch pro Kopf sinken, und genau dies zeigen auch die Daten.

Die Schweizer Landwirte produzieren zudem immer weniger, besonders seit der Coronavirus-Pandemie.

Die Herstellung von Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben oder etwa Kuhmilch, alles geht seit Jahren zurück, wie die Daten vom BFS eindrücklich zeigten.

Gute Schweizer Milch wird auch immer rarer. Vor einigen Jahren lag die Produktion noch bei 4 Millionen Tonnen pro Jahr.

Nun sind es deutlich weniger, was die Schweizer Bauern an Milch herstellen.

Bei Eiern zeigen sich jetzt schon ständig Versorgungskrisen, wie muula.ch berichtete.

Gerade einmal bei tierischer Nahrung kann die Schweiz halbwegs ihren eigenen Bedarf decken.

Doch dies liegt wohl auch eher daran, dass immer mehr Menschen auf den Verzehr von Fleisch verzichten und die Produktion von Geflügel anzog.

Eine Selbstversorgung der Schweiz ist also quasi unmöglich und falls ein solches Ansinnen vorgetragen wird, sollte dies dem Land zu denken geben.

Hohe Abhängigkeit

Klar, Bauern muss jeder Staat gutbehandeln, denn sie können nicht einfach an einen anderen Ort gehen und neu anfangen.

Doch sollte die Schweiz etwa einen Streit mit der EU riskieren, dürften bei einer Brüsseler Blockade hierzulande rasch die Nahrungsmittel knapp werden.

Mit ein paar Kennzahlen lässt sich praktisch jede Legende über die Schweiz einfach enttarnen, selbst wenn die Propagandamaschine im Land auf Hochtouren läuft und das Gegenteil behauptet.

07.07.2026/kut.

Selbstversorgung der Schweiz bleibt Mythos

One thought on “Selbstversorgung der Schweiz bleibt Mythos

  • Juli 9, 2026 at 3:54 p.m.
    Permalink

    Zitat: „Mit ein paar Kennzahlen lässt sich praktisch jede Legende über die Schweiz einfach enttarnen, selbst wenn die Propagandamaschine im Land auf Hochtouren läuft und das Gegenteil behauptet.“

    Einfach erscheint es Ihnen nur, weil Sie es sich besonders einfach gemacht haben.

    Allein aus Statistiken zur aktuellen wirtschaftlichen Realität, lässt sich doch nicht die These widerlegen, dass die Schweiz zur Selbstversorgung fähig wäre.

    Zunächst müsste man doch einmal das Szenario beschreiben, wann eine hundertprozentige Selbstversorgung überhaupt in Frage kommt. Dies ist ja eigentlich nur dann notwendig, wenn der Handel mit anderen Ländern nicht funktioniert.

    Da liegt es dann doch schon einmal nahe, aus der aktuellen Statistik den Export-Anteil zu streichen. Denn in solch einem Szenario würde weder importiert noch exportiert. Somit steht die Inlandsproduktion vollständig dem Inland zur Verfügung – entgegen den Zahlen, die aktuelle Statistiken aufzeigen.

    Hinzu kommt die wichtige Fussnote in der Tabelle „Nahrungsmittelbilanz“: der effektive Verzehr liegt aufgrund von nicht-verkauften und verdorbenen Nahrungsmitteln tiefer.

    Das heisst der tatsächliche Bedarf in der Schweiz ist geringer als der in der Tabelle gezeigte „Verbrauch“. Eine Selbstversorgung im engeren Sinne muss nur den Bedarf decken, nicht die horrende Lebensmittelverschwendung des Einzelhandels und der Gastronomie. Es ist kaum vorstellbar, dass in einem Szenario, wo es auf die Selbstversorgung der Schweiz ankäme, weiter Lebensmittel in der Menge verschwendet werden würden, wie es in der heutigen Überflussgesellschaft der Fall ist. Hier würde sich unter anderem ein Blick in den Zwischenbericht 2025 der ZHAW lohnen, wonach sich die Lebensmittelverluste pro Person und Jahr auf 310 kg belaufen.

    Wenn der Artikel ein wirkliches Interesse an der Auseinandersetzung mit der Materie gehabt hätte, dann hätte er auch folgende Fragen beantwortet:

    – warum geht die Inlandsproduktion von Kartoffeln, Milch etc. zurück? Weil die Landwirtschaft nicht mehr so viel produzieren kann oder vielleicht wegen der Konkurrenz durch billige (EU-)Importe?
    – welches Potential für eine (erneute) Steigerung der Inlandsproduktion liegt in der Schweizer Landwirtschaft?
    – wie abhängig ist die Schweiz von den importierten Futtermitteln?

    Um einen ähnlich überheblichen Abschlusssatz zu formulieren, wie der Artikel selbst:

    Mit ein paar bunten Tabellen und ohne wirkliche Auseinandersetzung mit der Materie, überzeugt diese Pro-EU-Propaganda nicht. Hauptsache billige Importe und weiter Lebensmittel verschwenden können, dank EU-Freizügigkeiten? Was kümmert progressive EU-Fans die heimische Landwirtschaft und ob ihr Land sie im Falle eines Falles (es gab ja nicht bereits genug Warnschüsse durch die letzten Krisen) tatsächlich ernähren könnte. Aus Brüssel kommen ja dann sicher 3D-Drucker zur Hilfe mit denen man sich dann einmal am Tag eine CO2-neutrale, vegane Bratwurst selbst machen kann.

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