
Das in Schieflage geratene Spital Wetzikon konnte zwischen drei Optionen wählen. Eine Lösung zeichnet sich nun ab und steht doch in den Sternen.
Seit Monaten führt das Spital Wetzikon in der Nachlassstundung zahlreiche Gespräche mit Gläubigern, dem Gläubigerausschuss und potenziellen Investoren.
Am heutigen Mittwoch kam die Überraschung und die Verantwortlichen präsentierten drei Alternativen, von denen sie eine favorisieren.
Grosses Interesse an Immobilien
Die Analyse habe ergeben, dass mit dem Angebot der Thurmed AG zur strategischen Beteiligung am Spital eine wirtschaftlich tragfähige Sanierung mit der höchsten Nachlassdividende für die Gläubiger resultiere, teilte die Trägergesellschaft GZO am Mittwochabend mit.
Zur Auswahl standen drei Optionen: ein Kaufangebot von Kawa Capital Management, Inc. mit Unterstützung von Swiss Medical Network (SMN) zum Erwerb der Immobilien und des Spitalbetriebs sowie das Angebot der Thurmed AG an die Aktionärsgemeinden für eine strategische Beteiligung an der GZO AG Spital Wetzikon.
Hinzu kam eine Offerte von Infracore für eine Sale-and-Lease-back-Transaktion für die Immobilien.
Synergieeffekte im Fokus
Für das Angebot von Kawa/SMN bestehe keine realistische Aussicht zur Umsetzung und die Prüfung des Angebots durch den Finanzberater PwC habe gezeigt, dass das Angebot von Infracore kein finanziell tragbares Szenario ermögliche, welches gleichzeitig auch zu einer erhöhten Dividende führe, hiess es weiter.
Bei Letzterem bräuchte es auch weitere Finanzmittel, deren Beschaffung aber quasi in den Sternen steht.
Somit verblieb nur die Option «Thurmed». Mit einem grösseren Spitalverbund sollen zum einen die Spitalversorgung im Zürcher Oberland wohnortnah und dauerhaft gesichert und zum anderen Synergieeffekte erschlossen werden.
Aktionärsgemeinden gefragt
Ende August 2026 sprachen sich demnach auch alle Aktionärsgemeinden einstimmig für die Annahme dieses Angebots aus, wie sie ebenfalls mitteilten.
Die staatliche Thurmed AG erhält das Recht, bis spätestens 31. Dezember 2027 für 28 Millionen Franken und unter Wandlung eines Wandeldarlehens in Höhe von 7 Millionen Franken eine Beteiligung von 51 Prozent an der GZO AG zu erwerben.
Die restlichen 49 Prozent würden bei den elf Aktionärsgemeinden im Zürcher Oberland bleiben.
Streit im Kanton Thurgau
Wird die Beteiligungsoption ausgeübt, werde sich Thurmed zudem über Darlehen an der Finanzierung des Neubauprojekts beteiligen.
Der Thurgauer Regierungsrat muss den definitiven Entscheid zur Mehrheitsbeteiligung nach Abschluss einer eingehenden Sorgfaltsprüfung im November 2026 fällen. Politisch ist das Unterfangen höchst umstritten.
Der Kanton Thurgau soll in den Augen mancher Betrachter nicht für die Zürcher Oberländer die Gesundheitsdienstleistungen erbringen müssen, welche der Kanton Zürich als unnötig eingestuft hat.
Zusätzlicher Kredit
Ungeachtet einer künftigen strategischen Beteiligung schaffen die Beteiligten schon mal Fakten und Thurmed gewährt dem Spital Wetzikon ein vorerst zinsloses Wandeldarlehen in der Höhe von 7 Millionen Franken für eine Laufzeit von 15 Jahren.
Die Mittel können zur Erhöhung des Dividendenversprechens an die Gläubiger verwendet werden.
Voraussetzung für die Auszahlung des Darlehens sei die Annahme des Nachlassvertrages durch die Gläubiger und dessen Bestätigung durch das Gericht. Eine Beteiligung brauche es dafür nicht.
Solche Transaktionen sind in der Betriebswirtschaft als Kredit zur Zahlung von Dividenden bekannt.
Gläubiger erhalten rund die Hälfte
Mit dem Geld ergibt sich gemäss Nachlassvertrag für die Gläubiger von 39,3 Prozent bis 47,5 Prozent ihrer Forderungen, die sie zurückerhielten.
Die genaue Höhe hänge davon ab, wie sich das Spital Wetzikon in den kommenden Jahren wirtschaftlich entwickele und welche Rückstellungen für den Bauherren Steiner benötigt würden.
Gemäss dem Konzept könnte der Schluck aus dem Nachlass sogar noch etwas grösser werden. Doch sicher ist das nicht.
Lichterlöschen in Wetzikon
Die Aussicht auf ein Ende der Hängepartie sei besser als Konkurs, gaben sich die Verantwortlichen überzeugt.
Der definitive Nachlassvertrag werde den Gläubigern mit der Einladung zur Gläubigerversammlung in den kommenden Wochen zugestellt.
Die Nachlassstundung der GZO AG Spital Wetzikon ist bis zum 19. Dezember 2026 letztmals bewilligt.
Kommt keine Lösung zustande, gehen endgültig die Lichter im Spital Wetzikon aus.
02.09.2026/kut.



