
Die Qualität vieler Schweizer Medien lässt zu wünschen übrig. Dies spüren die EMS-Chemie um SVP-Nationalrätin Martullo-Blocher und viele andere.
Es kommt nicht alle Tage vor, dass sich Firmen nicht anders zu helfen wissen.
Die Ems-Chemie-Gruppe verschickte diese Woche an hunderte Medienschaffende ein Dementi zu falscher Berichterstattung des Staatssenders SRG und «Watson.ch».
Fake News über Fake News
Im Zusammenhang mit der anstehenden Abstimmung «Keine 10-Millionen-Schweiz» am 14. Juni 2026 verbreitete «RTS» falsche Aussagen, hiess es.
Das zur CH-Media-Gruppe gehörende Online-Portal «Watson.ch» hat den Quatsch auch noch unreflektiert aufgenommen.
EMS-Chemie schalte Stelleninserate auf ausländischen Stellenportalen, hiess es in den Falschmeldungen. Das Ostschweizer Unternehmen habe zudem die Suche nach einem Fachspezialisten nicht gemäss Stellenmeldepflicht gemeldet, verbreiteten die betroffenen Medienhäuser.
Die EMS-Chemie beschäftige in der Schweiz 2800 Mitarbeiter, wovon 35 Prozent Ausländer seien, hiess es sogar.
Automatische Übernahme
In Tat und Wahrheit, so teilte die von SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher geführte Unternehmen mit, schreibe EMS-Chemie keine Stellen aktiv auf ausländischen Vermittlungsportalen aus.
Falls EMS-Chemie-Inserate auf solchen Portalen erschienen, geschehe dies ohne Wissen und Einwilligung von EMS.
Ausländische Stellenplattformen übernähmen Stellenanzeigen von Schweizer Unternehmen zunehmend selbst und automatisiert.
Seit Jahren 1000 Schweizer Mitarbeiter
Beim angesprochenen Fachspezialisten handele es sich ausserdem um eine Rekrutierung in der Berufsgruppe «Führungskraft in der Produktion und bei spezialisierten Dienstleistungen», weshalb er gar nicht unter die Stellenmeldepflicht falle.
Die EMS-Chemie beschäftige in der Schweiz obendrein nach wie vor rund 1000 Mitarbeiter mit einem Ausländeranteil im Durchschnitt, wie er in der Schweiz vorherrsche.
Mit anderen Worten: Die Beiträge von RTS und «Watson.ch» waren komplett falsch. Doch die Medienhäuser passten ihre Berichterstattungen selbst nach dem Dementi nur zögerlich an.
Quatsch über Economiesuisse
Doch von Falschmeldungen gibt es in der Schweiz mittlerweile jede Menge.
Diese Woche schrieben beispielsweise «Finanz und Wirtschaft», «cash.ch», «bluenews.ch» von der Staatsfirma Swisscom oder auch wieder «Watson.ch», dass der Dachverband der Schweizer Wirtschaft, Economiesuisse, mit gedämpftem Wirtschaftswachstum in der Schweiz rechne.
Doch die Experten um Wirtschaftsprofessor Rudolf Minsch hatten ihre Prognose in Tat und Wahrheit gar nicht geändert.
Economiesuisse geht seit November 2025 von einem BIP-Wachstum für 2026 von 1,0 Prozent aus, wie muula.ch korrekt berichtete.

Die eigentliche Falschmeldungen verbreitete die Nachrichtenagentur AWP, die mittlerweile kaum noch über fundierte Wirtschaftskompetenz verfügt, und damit andere Medien in den Schlamassel hineinzieht.
Aufbauschen als Skandal
Doch selbst noble Blätter, wie die «Neue Zürcher Zeitung», verbreiten mittlerweile so allerlei ökonomischen Blödsinn.
So berichtete die «Alte Tante» von der Zürcher Falkenstrasse unlängst skandalträchtig auf der Frontseite, dass der Nahrungsmittelriese Nestlé rund 16.000 Stellen abbaue. Doch insgesamt hat der Konzern fast 300.000 Mitarbeiter.
Die Aufregung um das Sparprogramm wäre also allenfalls eine Kurzmeldung wert gewesen, weil der Stellenabbau nicht über die natürliche Fluktuation der Firma hinausging.
Offenbar ist das den «NZZ»-Wirtschaftsredakteuren gar nicht aufgefallen.
Leser bleiben im Dunkeln
Die Kompetenz von Schweizer Medien in Bezug auf Wirtschaft lässt mittlerweile vielerorts zu wünschen übrig, wie die Meldungen diese Woche über die EMS-Chemie oder Economiesuisse verdeutlichen.
Das Schlimmste ist dabei aber, dass Leser noch glauben, die Falschaussagen stimmen.
Denn viele Institutionen haben es aufgegeben, all diese Fake News jeden Tag zu korrigieren.
07.06.2026/kut.





