
Im linken Basel ist die Fahne von den USA an der Mittleren Brücke heimlich verschwunden. Es entsteht ein negatives Bild von der Stadt am Rheinknie.
Veranstalter haben in Basel die Möglichkeit, mit einer Beflaggung an zentralen Standorten auf ihre Veranstaltungen hinzuweisen und die Teilnehmer in Basel willkommen zu heissen.
So steht es in der Beflaggungsordnung des Kantons Basel-Stadt und für internationale Grossveranstaltungen, wie der Art Basel oder der Swiss Indoors, findet sogar eine Vollbeflaggung statt.
Ein leerer Fahnenmast
Das Standortmarketing der Rheinmetropole hat nun allerdings einen Kratzer erhalten.
Zum internationalen Militär- und Blasmusikfestival Basel Tattoo ist die US-Flagge von der Mittleren Brücke verschwunden, wie Recherchen von muula.ch ergaben.
Das zweitgrösste Festival dieser Art nach dem Royal Edinburgh Military Tattoo erscheint damit US-feindlich.
Alle anderen Fahnen, inklusive der Schweizer Flagge, prangen ja weiterhin über dem Rhein. Lediglich der Fahnenmast für die US-Fahne ist seit ein paar Tagen leer.
Gleichgültigkeit offizieller Stellen
Was da genau passiert ist und was dieser Umstand in die Welt für Signale sendet, gerade weil US-Präsident Donald Trump die Basler Pharmariesen Roche, Novartis, Sandoz & Co. in die Mangel nimmt, wollte muula.ch von offiziellen Stellen wissen.

Doch weder die Kantonsregierung noch das Präsidial- oder das Justiz- und Sicherheitsdepartement reagierten zunächst auf die Medienanfragen.
Selbst das Stadtmarketing und das Musikfestival Basel Tattoo bezogen zu den Vorkommnissen keine Stellung.
Diese Gleichgültigkeit suggeriert der Öffentlichkeit: So unwillkommen ist im linken Basel das Verschwinden der US-Flagge offenbar nicht.
Qualitätsprozesse fehlen
Erst langsam, wie alte Basler Fasnacht, reagierte das Präsidialdepartement am Montag nach dem Mittag.
Die Behörde führte aus, sie könne sich das Verschwinden der US-Fahne nicht erklären, und so etwas sei in der Vergangenheit auch noch nie vorgekommen.
Hätte man den Vorfall bemerkt, wäre noch gleichentags eine neue US-Flagge aufgehängt worden, so das Präsidialamt des Kantons Basel-Stadt.
Prozesse für den Diebstahl gibt es also offensichtlich keine.
Freiheits- oder Geldstrafen
Im Schweizer Strafrecht ist das Beschädigen oder Herabwürdigen von Fahnen allerdings klar geregelt.
Während das Beschimpfen oder Zerstören der eigenen Landesfahne nicht explizit strafbar ist, greift bei ausländischen Flaggen sehr wohl das Strafrecht.
Es drohen Freiheits- oder Geldstrafen, solange es sich um amtlich installierte Fahnen, wie jene im Kanton Basel-Stadt, handelt.
Amerikaner nahmen teil
Eigentlich hätte für das Verschwinden der US-Flagge noch die Möglichkeit bestanden, dass die Teilnehmer aus den USA nicht angereist sind und deshalb die Fahne entfernt wurde.
Doch die Organisatoren hatten am Sonntag selbst erklärt, dass die Jubiläumshow zum 20-jährigen Bestehen am Samstagabend mit einer stimmungsvollen Dernière zu Ende gegangen sei.

Das Publikum habe während des Festivals spektakuläre Auftritte des Blue Devils International Corps aus den USA, die legendären Red Hot Chilli Pipers, die eindrucksvollen Massed Pipes & Drums, über 130 Tänzerinnen der Canadiana Celtic Highland Dancers aus Kanada sowie der Kilgore College Rangerettes aus den USA erlebt.
Somit ist klar: Die Amis waren da.
US-Touristen willkommen
Das Entfernen der US-Flagge in Basel bleibt somit ein Mysterium, welches komische Signale in die Welt sendet.
Die spendierfreudigen Touristengruppen aus Amerika, welche tagtäglich durch die Basler Altstadt ziehen, nimmt die Stadt am Rheinknie ja auch gerne.
Und die Amerikaner bestaunen dann eine der ältesten Brücken der Welt aus dem 13. Jahrhundert, ohne zu wissen, dass da mal eine US-Flagge hing.
27.07.2026/kut./Meldung mit Stellungnahme ergänzt



