Todesgeläut für Calida wird lauter

Calida-Filiale in Basel mit Schlussverkauf
«Final Sale» bekommt bei Calida eine doppelte Bedeutung. (Bild: muula.ch)

Der traditionsreiche Hersteller von Unterwäsche Calida rutscht deutlich tiefer in die Krise. An der Börse suchen Investoren umgehend das Weite.

Schlechter hätte es für den Hersteller von Unterwäsche und Lingerie Calida wohl kaum kommen können.

Die Analysten- und Medienkonferenz am Freitag ging gehörig schief.

Aus Minigewinn wird Verlust

Ständig fiel das System aus und Fragen waren kaum zu stellen beziehungsweise die Antworten nur schwer zu verstehen.

Die Verkaufserlöse sanken im ersten Halbjahr um fast 10 Prozent auf noch 93,7 Millionen Franken.

Für den Berichtszeitraum wies Calida einen Verlust von rund 1 Million Franken aus, während im Vorjahressemester noch ein Minigewinn von 1 Million Franken verzeichnet worden war.

Aktienrückkauf sistiert

Der Befreiungsschlag sollte ein weiterer Verkauf von Unternehmensteilen werden.

Die Calida-Gruppe stellte das US-Lingeriegeschäft Cosabella ins Schaufenster und eine US-Firma kaufte Teile des Verlustbringers.

Der Preis wurde zwar nicht verraten, doch unter dem Strich sollte kein Minus resultieren, erklärte CEO Thomas Stöcklin. Im ersten Halbjahr 2026 hatte der Cosabella-Umsatz rund 4,3 Millionen Franken betragen.

Der Verwaltungsrat sistierte zudem das Aktienrückkaufprogramm, das gerade erst lanciert worden war.

Fast 2000 Mitarbeiter

An der Börse brachen die Calida-Titel am Freitag um fast 10 Prozent ein.

Bei dem Unternehmen stellt sich klar die Frage, wie es nun mit ihm und den rund 2000 Mitarbeitern weitergeht.

Nettoverkaufserlöse der Calida-Gruppe
Calida macht deutlich weniger Umsatz. (Screenshot: muula.ch)

Ein Boom à la Dubai-Schokolade ist für die Unterwäsche nicht in Sicht. An den Filialen steht derzeit «Final Sale», wobei dies eine doppelte Bedeutung haben könnte.

Überleben in Gefahr

Zwar schloss das Management einen vollständigen Verkauf der Rest-Firma aus.

Doch unwahrscheinlich ist das nicht, weil ein Überleben laut Experten allein mit den Marken Calida und Aubade kaum möglich erscheint.

Ihre Umsätze gingen im ersten Semester auch rasant zurück. Bei Calida waren es rund 5 Prozent und bei Aubade sogar fast 10 Prozent.

Overhead-Kosten von 27 Millionen

Der Konzern stellte noch die Rechnungslegung von IFRS auf Swiss-GAAP-FER um, was zahlreiche Sondereffekte einbrachte.

Das Eigenkapital beträgt noch rund 63 Millionen Franken bei einer Bilanzsumme von 107 Millionen Franken.

Die operativen Kosten für den Overhead gab die Firma für das erste Halbjahr mit rund 27 Millionen Franken an.

Tag der Wahrheit im Herbst

Über dem ganzen Unternehmen schweben noch zwei Damoklesschwerter.

Calida verkaufte das Gartenmöbelgeschäft Lafuma Mobilier an den Peugeot-Clan, wie muula.ch berichtete.

Doch der reichte eine Schadensersatzklage für 39 Millionen Euro ein. CEO Stöcklin erklärte, das Verfahren solle im Herbst spruchreif werden.

Rückstellungen habe man dafür aber keine gebildet. Es könnte ein langer Rechtsstreit werden, weil beide Seiten noch in Berufung gehen könnten. Calida erachte aber alles als haltlos, hiess es gebetsmühlenhaft.

Trüber Ausblick

Hinzu kommt eine Schiedsgerichtsklage im Zusammenhang mit Cosabella. Doch auch da gibt sich das Management zuversichtlich und kämpferisch.

Die Schweizer Traditionsfirma Calida geht allerdings für das Geschäft weiterhin von einer verhaltenen Konsumentenstimmung in den Kernmärkten aus.

Das ist ebenfalls kein guter Ausblick.

26.07.2026/kut.

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