Kühne+Nagel fällt Kühne in den Rücken

Ein Lastwagen der Firma Kühne+Nagel in Schindellegi
Der Hauptsitz der Firma Kühne+Nagel ist seit Jahrzehnten in Schindellegi SZ. (Bild: PD)

Klaus-Michael Kühne ist noch keinen Monat tot, da kommen schon die Geier. Doch sie wollen nicht nur Geld, sondern auch an sein Vermächtnis.

Am 24. August gab der Logistik-Konzern Kühne+Nagel den Tod von Klaus-Michael Kühne im Alter von 89 Jahren bekannt.

Das Unternehmen in Schindellegi SZ würdigte den Verstorbenen als Visionär, einen grossen Unternehmer und eine eindrucksvolle Persönlichkeit.

Altem Thema annehmen

«Der Verwaltungsrat und das gesamte Unternehmen werden Klaus-Michael Kühne ein hochehrendes Andenken bewahren», sagte Jörg Wolle, der seit 2016 amtierende Präsident des Verwaltungsrats der Kühne+Nagel International, noch.

Doch nicht mal einen Monat nach dem Tod des reichsten Bewohners der Schweiz klingt es schon ganz anders.

«Sicher werden wir uns dieses Themas annehmen müssen. Ich denke, das wäre in Kühnes Sinne», sagte der aus Ostdeutschland stammende Verwaltungsratspräsident Wolle diese Woche gegenüber der Zeitschrift «Bilanz».

Start beim 125. Firmenjubiläum

Der Multimilliardär Klaus-Michael Kühne wollte allerdings nie eine Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit des Logistikunternehmens Kühne+Nagel sowie des Austritts vom jüdischen Teilhaber Adolf Maass im Jahr 1933, wie der Logistikmanager bis zu seinem Tod regelmässig beteuerte.

Verstorbener Unternehmer Klaus-Michael Kühne
Der Unternehmer Klaus-Michael Kühne erarbeitete fast 40 Milliarden Franken an Vermögen. (Bild: PD)

«Wenn die Diskussion kurz nach dem Krieg aufgekommen wäre, hätte ich vollstes Verständnis. Sie begann aber genau 2015 zu unserem 125-jährigen Jubiläum, 70 Jahre nach Kriegsende, und ist seitdem ein Dauerbrenner. Es werden alte Wunden aufgerissen.»

Dies hatte Kühne noch 2025 in einem Interview mit «Der Spiegel» diesbezüglich gesagt.

7-jähriger bei Kriegsende

Eine Aufarbeitung der Situation um seinen Vater Alfred Kühne habe er immer abgelehnt, «weil wir keine eigenen Archive haben, aus denen man schöpfen könnte».

Die sind bei zwei Bränden fast vollständig vernichtet worden.

Klaus-Michael Kühne war zudem bei Kriegsende erst sieben Jahre alt, wie er bezüglich seiner Person immer wieder betonte.

Kein Verbrecher gewesen

«Man kann nicht verleugnen, dass mein Vater in die NSDAP eingetreten ist, sehr früh, weil er daran glaubte, dass Deutschland eine solche Wende brauche. Das hätte er nicht tun sollen», sagte der Sohn Alfred Kühnes weiter.

Aber von seiner inneren Einstellung her sei sein Vater kein Nazi gewesen, keiner von denen, die sich dann als Verbrecher entpuppt haben, hatte er bis zuletzt hervorgehoben, der nie das Schweizer Bürgerrecht beantragt hatte, sondern stets Deutscher geblieben war.

Vertrag mit promoviertem Juristen

Alfred Kühne hatte den Nachkommen des jüdischen Teilhabers Maass, der im Konzentrationslager Auschwitz umgekommen war, versprochen, Dokumente bezüglich der Vereinbarung von 1933 auszuhändigen.

Später hatte er den Vertrag mit dem promovierten Juristen Maass vorgelegt.

Bei Adolf Maass’ Ausscheiden sei alles mit rechten Dingen zugegangen, hatte der Vater von Klaus-Michael Kühne immer wieder beteuert.

Schweizer Milliarden als Entschädigung

Kühne+Nagel hatte wie mehr als 6000 andere deutsche Unternehmen in das Vermögen der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) eingezahlt, um Entschädigungsleistungen an einstige Zwangsarbeiter und Erinnerungsarbeit zu finanzieren.

Auch Schweizer Firmen, wie etwa die Grossbanken UBS und Credit Suisse, hatten Busse getan und fast 2 Milliarden Franken in einen Entschädigungsfonds eingezahlt.

Immer neue Aufarbeitungen

Und dennoch wird das Thema Nazi-Vergangenheit der Firmen und Deutschen ständig von einer regelrechten «Empörungsindustrie» hervorgebracht.

Erst im Juni 2026 nahm «Der Spiegel» die Story mit der Logistik-Dynastie Kühne erneut detailreich auf.

Zuletzt kam auch in den USA die Grossbank UBS wieder unter Druck wegen Holocaust-Vergehen und der Basellandschaftliche Naturkosmetik-Konzern Weleda geriet in den Fokus, wie muula.ch berichtete.

Das Management der Kosmetikfirma knickte ein und gab eine erneute Aufarbeitung der Vergangenheit in Arbeit.

Nach einer Untersuchung kommen dann aber praktisch immer endlose Forderungen nach Wiedergutmachung, egal, was die Aufarbeitung ergab.

Verwaltungsrat will loslegen

Mit den Sätzen «Mein Vater war kein Nazi» hatte Klaus-Michael Kühne einst eine Untersuchung etwa zu Möbeltransporten deportierter Juden aus dem Ausland nach Deutschland sowie zum Austritt des jüdischen Teilhabers Maass gestoppt.

Nun sagen die Firmenverantwortlichen, die über ein Jahrzehnt noch mit ihm zusammengearbeitet haben, es sei im Sinne des Verstorbenen, dieses Thema bald aufzuarbeiten.

Der Verwaltungsrat des Logistik-Imperiums Kühne+Nagel wolle sich innert absehbarer Zeit mit dem Thema befassen, hiess es gegenüber Medien.

Der Multimilliardär Klaus-Michael Kühne wollte aber genau nicht, dass alte Wunden aufgerissen werden. Daher dürfte er sich nun schon im Grabe umdrehen.

26.09.2026/kut.

Kühne+Nagel fällt Kühne in den Rücken

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