Berset-Sünde belastet Swissmedic

Ex-Bundesrat und Vorsteher des EDI Alain Berset
Alain Berset brachte seinen langjährigen Generalsekretär bei Swissmedic unter. (Bild: PD)

Das Schweizer Heilmittelinstitut Swissmedic ist in eine gravierende Schieflage geraten. Schuld trägt aber quasi noch der einstige SP-Bundesrat Alain Berset.

Kann ein langjähriger Generalsekretär eines Bundesrats eine wichtige Bundesbehörde mit rund 120 Millionen Franken an Umsatz strategisch führen?

Fundierte Managementkenntnisse?

Die Antwort lautet klar «nein», wenn man auf das Heilmittelinstitut Swissmedic schaut.

Dieses präsidiert seit 2020 Lukas Bruhin, der langjährige Generalsekretär des SP-Bundesrats Alain Berset.

Gleich zum Amtsantritt bescheinigte er sich selbst in einem Interview mit seiner Medienstelle «langjährige Erfahrung im Bereich der Steuerung und Führung von zentralen und dezentralen Einheiten des Bundes sowie über fundierte Managementkenntnisse».

Lukas Bruhin, Swissmedic-Präsident
Auszug aus Interview mit Lukas Bruhin von Swissmedic. (Screenshot: muula.ch)

Sein Credo sollte im Institutsrat von Swissmedic auch in zehn Jahren noch «Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit der Heilmittel» sein.

«Wir halten, was wir versprechen», sagte Bruhin sogar im Titel des Interviews.

Über 50 Millionen an Verlusten

Doch davon ist relativ wenig zu sehen.

Das Schweizerische Heilmittelinstitut habe im Geschäftsjahr 2025 einen Verlust von rund 31,7 Millionen Franken verzeichnet, teilte die Zulassungsbehörde von Medikamenten am vergangenen Freitag überraschend mit.

Bereits im Jahr 2024 hatte der Fehlbetrag bei -23,4 Millionen Franken gelegen.

Damit sind die Reserven nun stark geschmolzen, denn 2023 gab es auch nur gerade eine «schwarze Null» bei Swissmedic.

Providerwechsel auf Swisscom

Der Bundesrat, welcher die Verluste am Freitag zur Kenntnis nahm, erklärte die Schieflage mit einem starken Kostenwachstum.

Die Landesregierung schrieb von substanziellem Mehraufwand bei Betrieb und Personal.

Auch ein Providerwechsel vom Bundesamt für Informatik zur staatlichen Swisscom trug zur Situation bei.

Investitionsstau unvermeidbar

Swissmedic hat jährlich rund 120 Millionen Franken an Einnahmen und gibt jedes Jahr rund 100 Millionen Franken für das Personal aus.

Logisch, sind da nicht noch jährlich 30 Millionen Franken für IT-Aufwand drin, denn Mieten und sonstige Verwaltungskosten müssen auch noch in Millionenhöhe bezahlt werden.

Viel Wissen gehört angesichts dieser Zahlen nicht dazu, dass die Rechnung nicht aufgeht. Ein Investitionsstau ist da sehr wahrscheinlich.

Warten bis Sankt-Nimmerleins-Tag

2022, also schon unter der Verantwortung von Bersets Generalsekretär Bruhin, startete Swissmedic im Rahmen der strategischen Ziele das Programm «Transformation Swissmedic Plattformen» TSP.

Die IT-Landschaft war in die Jahre gekommen und nur noch eingeschränkt wartbar sowie teilweise am Lebenszyklusende, erklärte der Bundesrat zur Situation. Doch die Ablösung der Altsysteme ging schiefer und schiefer.

Nun spricht die Landesregierung davon, dass erst alles bis 2030 erneuert würde.

Rückwirkende Bewilligungen

Der Institutsrat, dem Bruhin vorsteht, gab Budgetprozesse im Jahr 2023 sogar erst rückwirkend im September 2023 frei, wie es in einem Evaluationsbericht nun hiess.

Doch im Jahr 2024 war schon klar, dass weder Budget noch externe Ressourcen sowie Skills für das IT-Projekt ausreichten.

Sowohl die Geschäftsleitung als auch der Institutsrat unter Bruhin bewilligten jedoch einen Budgetnachtrag von 5 Millionen Franken.

IT-Projektkosten bei Swissmedic
Hohe Abweichungen von den Swissmedic-Planwerten. (Screenshot: muula.ch)

Der Scope des ganzen IT-Projekts wurde auch gleich noch auf ein «finanzierbares Mass» abgespeckt. Die Schweiz bekommt also weniger als ursprünglich geplant.

Millionen für Leitung und Konzepte

Im Juli 2025 entschied der Institutsrat noch an einem Strategieworkshop, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Der Ursprungsbetrag von rund 30 Millionen Franken ist mittlerweile fast vollständig ausgegeben und dennoch laufen die neuen Systeme nicht.

IT-Projektplanung und Ausgaben bei Swissmedic
Über 10 Millionen gingen bei Swissmedic für IT-Konzepte und Projektleitungen drauf. (Screenshot: muula.ch)

Über 10 Millionen Franken gingen allein für die Projektleitung und die Erstellung von Konzepten drauf.

Reserven für Investitionen

In der laufenden Strategie für 2023 bis 2026, welche der Bundesrat dem Institutsrat aufgegeben hat, steht, das Heilmittelinstitut habe in der vergangenen Strategieperiode die Reserven auf gut 100 Millionen Franken aufgebaut.

Nun stünden Investitionen in die Erneuerung und Transformation der IT-Infrastruktur im Vordergrund.

«Diese Investitionen werden soweit erforderlich mit den Reserven finanziert», hiess es weiter.

Pharmafirmen hätten profitiert

Nun sind die Reserven fast halbiert und die IT lässt bis 2030 immer noch zu wünschen übrig.

Doch hätte Swissmedic das Geld nicht verbraten, wären ohnehin nur die Gebühren für die Pharmakonzerne gesunken, weil das Institut nicht mehr als ein Jahresbudget auf der hohen Kante haben darf.

Insofern lohnt sich eventuell sogar eine Analyse der Eidgenössischen Finanzkontrolle EFK, wer von den Projektausgaben bei Swissmedic profitiert hat.

Zwei Aufgaben nicht erfüllt

Als Ex-Generalsekretär von Berset, Bruhin, beim Heilmittelinstitut als Präsident anfing, sagte er im Interview, der Institutsrat sei das strategische Organ von Swissmedic und die Aufgabe sei es, die Aufsicht über die Geschäftsleitung auszuüben.

Beides hat der Berset-Vertraute über Jahre nicht erfüllt.

Die Antwort auf die Frage, ob ein Generalsekretär ein guter Stratege für eine Behörde ist, lautet angesichts der zweistelligen Millionenverluste in zwei Jahren und dem fehlenden Ende der Misere klar: «nein».

15.06.2026/kut.

Berset-Sünde belastet Swissmedic

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert