
Viele Schweizer sind trotz steigender Prämien mit ihren Policen für Motorfahrzeuge zufrieden. Doch dies ändert sich und fordert die Assekuranz.
Unternehmen fragen sich, welche Preiserhöhungen bei der Kundschaft zu hoch sind und ab wann die Verbraucher zu einem anderen Anbieter wechseln.
Nespresso und Lindt-Schoggi
Es lässt sich etwa beim Nahrungsmittelriesen Nestlé öffentlich quasi in jedem Supermarkt gut beobachten.
Kunden wenden sich aufgrund exorbitanter Preiserhöhungen bei Nespresso, Senf & Co. anderen Produkten zu und der Lebensmittelhersteller muss mit Preisnachlässen reagieren.
Auch um die Süsswaren des Schokoladenherstellers Lindt & Sprüngli machen Verbraucher derzeit aufgrund der hohen Verkaufspreise einen grossen Bogen.
Daher verordnet der Kilchberger Schoggi-Konzern eine Rabattschlacht nach der anderen.
Tessin stärker betroffen
Doch weniger offensichtlich ist der Prozess, welchen die Ökonomen als Preiselastizität der Nachfrage bezeichnen, in der Assekuranz um Mobiliar, Helvetia Baloise, Axa, Generali, Allianz Suisse, Zurich & Co.
Obwohl die Versicherer bei Motorfahrzeugpolicen in den vergangenen Jahren die Prämien deutlich nach oben geschraubt haben, kommt nur relativ wenig Bewegung in den Markt.

In der Schweiz mussten 69 Prozent der Autofahrer in den vergangenen zwei Jahren eine Erhöhung ihrer Motorfahrzeugversicherung hinnehmen, wie das Westschweizer Vergleichsportal bonus.ch am heutigen Dienstag in einer Marktanalyse schrieb.
In der italienischen Schweiz sei dieser Anteil sogar auf 78 Prozent gestiegen, hiess es weiter.
Servicequalität stimmt für viele
Dennoch wechselten landesweit nur 12 Prozent der Kundschaft im vergangenen Jahr den Autoversicherer. Dies, obwohl 7 von 10 Schweizern eine Preiserhöhung hinnehmen mussten.

Die Gründe sind rasch gefunden. Die Servicequalität sei der wichtigste Faktor für die Kundentreue der Versicherten, erklärte das Vergleichsportal.
Rund 41 Prozent der Befragten hätten den Kundenservice als Ursache genannt, ihre Motorfahrzeugpolice nicht zu wechseln.
Der Service liege damit vor der Höhe der Prämie mit 32 Prozent sowie den angebotenen Dienstleistungen mit 19 Prozent.
Das Verpassen der Kündigungsfrist spielte dabei nicht einmal eine grosse Rolle. Erhöhen Versicherer die Tarife können Kunden ihren Anbieter wechseln.
Steigende Wechselbereitschaft
Die Schweizer sind aber oft mit ihren Versicherern zufrieden, selbst wenn dies ihnen die Preise für die Kraftfahrthaftpflicht- beziehungsweise Kaskopolicen nach oben schrauben.
Allerdings geht aus den Zahlen von bonus.ch noch eine wichtige Entwicklung hervor. Es ist eine steigende Freudigkeit vorhanden, den Anbieter zu wechseln.

Vor der Coronavirus-Pandemie lag die Wechselbereitschaft lediglich zwischen 7 und 9 Prozent der Kunden.
Mittlerweile ist dieser Wert auf 12 Prozent gestiegen, was zeigt, dass die Preissensitivität und Kundentreue durchaus auch bei Schweizern ihren Grenzen haben.
16.06.2026/kut.





