
Einst war die Schweiz der Motor für Finanzinnovationen gewesen. Doch das Land gerät ins Hintertreffen, wie das Point Zero Forum in Zürich verdeutlicht.
Noch vor wenigen Jahren galt die Schweiz als «Krypto-Nation».
Zug, Zürich und Genf zogen Start-ups, Entwickler und Investoren an.
Vorreiterrolle eingebüsst
Die regulatorische Offenheit, kombiniert mit politischer Stabilität und einem starken Finanzplatz, schuf ein Umfeld, das international als Referenz galt.
Doch diese Dynamik kippt derzeit, wie auf dem diesjährigen Point Zero Forums klar wurde, welches diese Woche in Zürich stattfand.
Die Schweiz droht nun sogar, den Anschluss an das Finanzsystem der Zukunft zu verlieren.
Was einst als Vorreiterrolle galt, also einen innovationsfreundlichen Rahmen für Finanztechnologie, Blockchain-Anwendungen und digitale Vermögenswerte zu haben, gerät immer mehr unter Druck.
Instant-Zahlung für 5 Franken
Statt sich an den Innovatoren in Asien, in der Golfregion und Amerika zu orientieren, rennt die Schweiz der EU und der Europäischen Zentralbank EZB hinterher.
Doch die versuchen nur, die alte Finanzwelt zwischen Aufsichtsbehörden, Nationalbanken und traditionellen Kreditinstituten so lange, wie möglich, in die Zukunft zu retten.
Auch der digitale Euro wird immer wieder nur hinausgeschoben, weil die EZB eigentlich gar keinen offiziellen Stablecoin will.
Instant-Zahlungen gelten als die Schweizer Finanzinnovation der vergangenen Jahre und kosten hierzulande wohlgemerkt 5 Franken pro Transaktion – in der Kryptowelt wären sie fast gratis.
Schweizer Krypto-Firmen unterwerfen sich der EU-Regulierung, wie muula.ch berichtete.
Lernen von beiden Seiten
Die ersten Point Zero Foren, welche die Schweiz mit Singapur seit ein paar Jahren veranstaltet, waren noch eine Symbiose aus Krypto-Koryphäen und Regulatoren sowie Zentral- beziehungsweise Privatbankern.
Beide Seiten wollten voneinander lernen und für die Zukunft das Beste aus beiden Welten vereinen.
Mittlerweile hat sich Vieles verändert.
Teilnahmegebühr in Euro
Diesmal fand die Veranstaltung im viel kleineren Rahmen im Kongresshaus Zürich und nicht mehr im Circle am Zürcher Flughafen statt.
Die Themen wurden auch nicht mehr an den Entwicklungen der Fintech-Szene oder dem Bedarf, sondern hauptsächlich anhand der Sponsoren ausgerichtet.
Teilnahmegebühren müssen sogar in Euro gezahlt werden, obwohl dies weder in der Schweiz noch in Singapur ein offizielles Zahlungsmittel ist.
Auch die Krypto-Experten in Shorts und langen Haaren sucht man mittlerweile unter den vielen Krawattenträgern vergeblich.
Zweistufiges Geldsystem erhalten
Die Regulatoren und Zentralbanken haben dagegen gemeinsam mit den Geschäftsbanken die Oberhand in der Finanzwelt der Zukunft übernommen.
Doch sie zementieren bloss das zweistufige Geldsystem mit «Wholesale CBDC» und der Tokenisierung von Assets auf ein paar Blockchains. Mehr ist es nicht.

Bitcoin hatte wohlgemerkt eine Möglichkeit für Geldtransfers geschaffen, bei der es keine vertrauenswürdige Instanz mehr braucht.
Geld wird damit problemlos über Landesgrenzen transportiert, ohne dass es überhaupt noch einer Bank bedarf.
Von solchen Ideen war in Zürich kaum noch etwas zu spüren. Klar, für die traditionelle Finanzwelt ist das alles ein Graus.
Dänemark schreitet voran
Selbst die einstige Blockchain-Vorreiterin bei der Schweizerischen Nationalbank SNB, Andréa Maechler, die nun bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ in Basel agiert, sprach auf dem diesjährigen Point Zero Forum von der Tokenisierung der Zentralbank-Reserven.
Doch damit wird nur die alte Finanzwelt festgezurrt und nichts Neues gebaut.

Dass es auch anderen gehen kann, bewies der Chef der dänischen Notenbank, Ulrik Nodgaard.
Digitale Zahlungen seien in dem nordischen Land längst der Standard und Bargeld sei gar keine Option für Dänemark mehr, betonte er.
Statt den Bürgern und Firmen jedoch die Banknoten sowie Münzen der dänischen Krone aufzuzwingen, baut die Zentralbank Dänemarks resiliente Systeme auf, die digitale Zahlungen selbst dann ermöglichen, wenn die Systeme ausfallen.
Bisher war so etwas nur mit Bargeld möglich.
Kryptofeindliche Regulierung
Von solch modernen Dingen kann die Schweiz nur träumen. Sie schreibt das Bargeld sogar noch in ihre Verfassung und glaubt, sich damit in die Zukunft gerettet zu haben.

Parallel zum Point Zero Forum lud das Bretton-Woods-Committee ins Luxushotel «Mandarin Oriental» am Zürcher Paradeplatz ein, wohl um zu sehen, dass beim Finanzsystem ja alles beim Alten bleibt.
Welch fatale Situation in der Schweiz mittlerweile herrscht, macht die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma klar.
Sie vertreibt Finanzinnovationen und verfolgt eine kryptofeindliche Regulierung. Einen digitalen Franken macht der Regulator quasi unmöglich.
Märchenstunde der Finma
Und Finma-Präsidentin Marlene Amstad sorgte auf dem diesjährigen Point Zero Forum wieder für Gesprächsstoff.
Sie wollte der Welt allen Ernstes weismachen, sie habe die Krisenbank Credit Suisse (CS) «nur geerbt» und habe «das Problem» lösen müssen.
In Tat und Wahrheit sitzt Amstad seit 2016 im Finma-Verwaltungsrat, seit 2021 ist sie Präsidentin, hat selbst bei CS gearbeitet und ist quasi die Hauptverantwortliche für den Untergang der systemrelevanten Schweizer Grossbank im Jahr 2023.
Asiaten digitalisieren Handel
Vor Jahren war die Schweiz im Finanzbereich noch innovativ gewesen. Davon zeugen Projekte, wie Libra um Geldtransfers für Facebook, welche hierzulande lanciert wurden.
Mittlerweile spielt die Musik in Asien, in Nahost und in den USA. Die Asiaten versuchen, das gesamte Handelsgeschäft über Blockchains und Smart-Contracts abzuwickeln.
Geld fliesst automatisch zum Produzenten, sobald ein Kunde die Ware in Übersee erhalten hat.
Dollar auf Blockchains festzurren
Die Golfaraber versuchen über die Tokenisierung, ihre Immobilien sowie Grossprojekte für die Welt investierbar zu machen.
Die USA finden mit dem Genius Act neue Wege, den Dollar im Zahlungsverkehr weiterhin fest zu verankern und den amerikanischen Staat bei den Zinszahlungen zu entlasten.
Und Europa, inklusive der Schweiz, freut sich, dass die ganzen Risiken der Krypto- und Fintech-Welt erfolgreich abgewehrt wurden.
28.06.2026/kut.



