SRG macht Flagship-Gebäude bei Rolex zu Geld

Rolex-Hauptsitz in Genf
Die Rolex-Stiftung kauft den RTS-Turm in Genf. (Bild: PD)

Der Staatssender SRG veräussert das Tafelsilber mit einem Sale-and-Lease-Back-Geschäft. Profitieren soll neben SRG aber auch das Volk.

Brauchen Firmen Geld, machen sie oft merkwürdige Geschäfte.

Dies gilt auch für Staatsbetriebe, wie die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) am Donnerstagabend eindrücklich zeigt.

Zufluss von 150 Millionen

Die SRG verkaufe im Kanton Genf das bekannte RTS-Gebäude, teilte der Staatssender überraschend mit.

Der Kaufpreis für den «La Tour RTS» liege bei 150 Millionen Franken und Käufer sei die Hans-Wilsdorf-Stiftung, die Trägergesellschaft des Genfer Luxusuhrenkonzerns Rolex, hiess es im Communiqué weiter.

RTS als Hauptmieterin

Das Ziel dieser Transaktion sei es, das symbolträchtige Gebäude zu einem Knotenpunkt im Dienste der Demokratie zu machen.

Der Turm solle ein Labor für Ideen und neue Methoden sein, wo Themen wie digitale Transformation und Informationsqualität, aber auch die Frage des gesellschaftlichen Verständnisses weiterentwickelt würden, erklärte die SRG ganz theatralisch.

RTS-Turm in Genf
Aus RTS-Turm wird Rolex-Turm in Genf. (Bild: PD)

RTS sei aber als Hauptmieterin neben anderen Medien wie «Le Temps», «Heidi.news» und dem Think-Tank Prospera ein wichtiger Teil dieser Vision, erklärten die Beteiligten.

Damit wird klar, dass einmalig ein Betrag erhalten wird und dafür lange gemietet wird. Wie lange, sagt die SRG aber nicht.

Neue Stiftung gegründet

Der Kanton Genf, von dem die Initiative für den Deal ausgegangen sein soll, ist Besitzer des Grundstücks und gewährt der Rolex-Stiftung ein unentgeltliches Baurecht.

Dafür musste aber eigens eine separate privatrechtliche Stiftung für die Verwaltung der Immobilie gegründet werden.

Der Vorteil von Stiftungen nach Schweizer Recht ist, dass sie niemandem gehören, sondern quasi in der Luft schweben und nur ihren Stiftungszweck erfüllen müssen.

Geldverbraten im Tagesgeschäft

Für den Staatssender SRG lohnt sich das Geschäft allemal, denn noch in diesem Geschäftsjahr fällt ein Buchgewinn von 100 Millionen Franken an.

Mit diesem Erlös könne die SRG die Restrukturierungskosten tragen, die in den kommenden Jahren auf das Unternehmen zukämen, hiess es weiter.

Der Verkaufserlös könne aber auch für künftige Investitionen oder die Rückzahlung von Fremdkapital verwendet werden, so die Vorstellungen des Verwaltungsrats.

Somit muss der Staatsbetrieb sein Sparprogramm nicht mehr so rigoros umsetzen und das Volk bekommt ein dubioses Begegnungszentrum.

Bieterverfahren oder unter Hand vergeben

Bekanntermassen können Private und Firmen ihre Assets aber immer nur einmal «verfrühstücken».

Auch wenn die Lösung im Kanton Genf gut klingt, hätte das Volk eigentlich über die Verwendung seines Vermögens entscheiden müssen.

Es ist nicht einmal klar, ob es eine Ausschreibung zu dem Verkauf gab – eventuell hätte es viel bessere Bieter gegeben, welche noch mehr für das Gebäude gezahlt und den gleichen Stiftungszweck erfüllt hätten.

Alle Verträge offenlegen

Rolex muss die Gewinne aus dem Uhrengeschäft im Kanton Genf einsetzen, und da gibt es kaum noch etwas zu fördern.

Daher konnte der Hersteller von Luxuszeitmessern der Marken Rolex und Tudor wohl grosszügig beim Kaufpreis sein. Doch sicher ist das nicht.

Alle Verträge gehören an die Öffentlichkeit, wenn sich klamme Staatsfirmen über Deals neues Geld besorgen.

28.05.2026/kut.

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