Saudiarabien soll Julius Bär helfen

Ein Firmenschild von Julius Bär
Das Bankhaus Julius Bär soll hohe Kredite bei der angeschlagenen Signa-Holding haben. (Bild: muula.ch)

Das Immobilien- und Handelsimperium Signa des Investors René Benko wankt und bringt Banken sowie Staaten unter Druck. Kommt nun Rettung aus der Wüste?

Der Tausendsassa René Benko, tätig im weltweiten Detailhandel, im Medienbereich und bei Immobilien, hat sein Signa-Imperium formell verlassen, doch er soll hinter den Kulissen immer noch die Fäden ziehen.

Eine dieser Strippen, die Benko offenbar mit seiner Macht bei der Signa-Holding begründet, führt in die Wüste nach Saudiarabien, wie zahlreiche Medien dieser Tage berichten. Und diese Massnahme soll einer Schweizer Bank zugutekommen.

PIF soll Geld geben

Die Rede ist vom Bankhaus Juilus Bär, die beim Benko-Geschäftemacher laut Insidern mit rund 500 Millionen Franken involviert ist.

Das Kreditinstitut gibt sich zwar zugeknöpft, jedoch soll der windige Investor aus Österreich den Staatsfonds Saudiarabiens PIF, ein Milliarden-Vehikel um das Erdöl-Königreich, um Hilfe gebeten haben und in konkreten Gesprächen um eine Kapitalspritze sein.

Skeptische Saudi

Saudiarabien hatte mit Benko bereits Geschäfte um das Londoner Luxuswarenhaus Selfridges und Signa Sports United beim Online-Handel mit Sportwaren gemacht. Insofern ist der Österreicher für die Golfaraber kein Unbekannter.

Allerdings fliesst das Geld vom PIF auch nicht mehr so naiv und üppig als auch schon, weil sich viele Investitionen als Flops entpuppt haben. Signa Sports United hat schon vor längerer Zeit Insolvenz angemeldet. Es könnte also schwierig um die Staatshilfe aus Saudiarabien werden.

Anfragen von muula.ch an den PIF mit der Bitte um Stellungnahme blieben bisher unbeantwortet.

Warnung von der EZB

Benko hat ein intransparentes Imperium um Warenhäuser, wie Galeria Kaufhof oder Globus, aufgebaut, wo das operative Detailhandelsgeschäft von den Immobilien getrennt geführt wird.

Die Warenhäuser und Grundstücke sind dann oftmals bei verschiedenen Banken beliehen worden und wie genau alles aussieht, versucht derzeit der eingesetzte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz zu klären.

Der deutsche Sanierungsexperte war beauftragt worden, Licht ins Dunkel bei der angeschlagenen Signa-Gruppe zu bringen.

Auslöser war das Nicht-Bedienen von Krediten, was die Geldgeber aber als Geheimsache erklärten, bis es aber schliesslich doch an die Öffentlichkeit kam.

Die Europäische Zentralbank EZB warnte zudem bereits vor Risiken bei Kreditgeschäften mit Signa.

Vorzeigeprojekte in der Luft

Wie schwierig die Situation ist, zeigt etwa Deutschland, wo der Wirtschaftsminister zugeben musste, dass Hunderte von Millionen Euro an Subventionen wahrscheinlich bei windigen Geschäften um Benko verlorengegangen sind. 

Der Investor wollte zum Beispiel den Warenhauskonzern Galeria Kaufhof sanieren und die Deutschen stützten die Idee wegen der Arbeitsplätze mit viel Geld.

Als Sicherheiten bekamen die Beamten laut dem normalerweise gut unterrichteten «Spiegel» aber bloss wertlose Schlussverkaufswaren; die guten Innenstadt-Lagen bei den Immobilien verpfändeten Benko & Co. woanders.

Die Zukunft von Vorzeigeobjekten, wie den Hamburger Elbtower, den Benko bauen wollte, steht in den Sternen.

Unklarheit herrscht über Luxushotels, wie dem Park Hyatt in der Wiener Innenstadt, oder über Gebäude, wie dem New Yorker Crysler Building, bei dem Benko zu 50 Prozent eingestiegen war.

Komplexität als Masche

Der Österreicher schaffte es, mit seinen Ideen und Projekten immer wieder auch seriöse Geschäftsleute zu überzeugen. Der reichste Bewohner der Schweiz, Klaus-Michael Kühne, oder Lindt-Schokoladen-König Ernst Tanner, ja selbst clevere Unternehmensberater, wie Roland Berger, gingen mit Benko ins Risiko.

Nicht im Risiko soll Benko dagegen selbst sein. Der Vater von vier Kindern trat zwar als Beiratsvorsitzender bei der Signa Holding zurück und soll auch seine Stimmrechte an den Insolvenzverwalter übertragen haben.

Doch niemand weiss so wirklich, wie die Benko-Maschine konkret funktioniert. Auch die Haftungsverhältnisse sind momentan völlig unklar. Die Geschäfte sind mehrfach geschachtelt und verzweigt

Es heisst aber, Benko selbst sei aus dem Schneider.

Credit Suisse als Mahnmal

In der Schweiz bangen Globus-Liebhaber genauso wie Banker um die Signa-Holding. Auf der Grossbaustelle bei Globus in Basel wird zwar dieser Tage noch rege gebaut. Doch die Zukunft ist ungewiss.

Bei Julius Bär dürften die Nerven ebenfalls blank liegen, denn ein grosses Loch droht im Kreditbuch.

Hilfe könnte aus der Wüste kommen, wenn sich der saudische Staatsfonds tatsächlich entscheidet, Geld in das Benko-System zu geben. Dann würde die Signa-Maschine zumindest wieder ein Stückchen weiterlaufen.

Mit ein wenig Glück käme das Königreich, Inshallah, vielleicht an Schnäppchendeals. Bei der Krisenbank Credit Suisse war dieses Ansinnen aber für die Golfaraber vollkommen schiefgegangen.

14.11.2023/kut.

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