Künstliche Intelligenz wird zum teuren Produktionsfaktor

Eine menschliche Roboterhand mit einem schematischen Gehirn
KI ist vielerorts nicht mehr nur eine helfende Hand. (Bild: ai / pixabay)

Viele Schweizer Firmen glauben, sie könnten mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz KI viel Geld sparen. Doch es drohen Kostenfallen.

Bei Unternehmen macht sich nach einer Anfangseuphorie um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz KI mittlerweile Ernüchterung breit.

Jede Abteilung hat mal ChatGPT, Perplexitiy, Grok, Claude, Gemeni & Co. ausprobiert und sich überlegt, wo die KI-Systeme eingesetzt werden könnten.

Breite Anwendungsmöglichkeiten

Die Personalabteilung durchleuchtet nun Bewerbungsunterlagen mit den neuen Helfern. Kundenanfragen beantworten Firmen mit KI.

Die Medienstellen fluten Redaktionen mit ihren Communiqués und das Marketing automatisiert seine Werbekampagnen.

Selbst die Geschäftsleitungen basteln ihre Präsentationen durch das sogenannte Prompting, also den Anweisungen an die KI-Agenten. Die IT baut mithilfe künstlicher Intelligenz die Firmensoftware um.

Der Vertrieb analysiert, was die Konkurrenz besser macht, und wo noch Marktpotenzial besteht.

Steigende Arbeitseffizienz

Überall in den Unternehmen kommt mittlerweile KI zum Einsatz und spart althergebrachte Ressourcen.

Weniger Personal im HR, bei der Informatikabteilung, bei Assistenztätigkeiten und, und, und, rechneten die Controller vielerorts vor. Die Maschinen machen alles schneller und besser und streiten sich dabei nicht mal. Die Effizienz der Arbeit steigt.

Logisch, traten die Firmenchefs bei Personaleinstellungen auf die Bremse. Doch AI, wie KI auf Englisch abgekürzt heisst, entpuppt sich nunmehr als Kostentreiber und nicht als Kostenbremse.

Teure agentenbasierte Systeme

Diese bittere Erfahrung müssen derzeit viele Unternehmen und Verwaltungen machen. Statt Geld mit KI zu sparen, explodieren vielerorts die Ausgaben.

Dabei ist aber nicht einmal an Kosten für Compliance, Rechtsberatung oder Einführungsaufwand gedacht.

Die Einheit für die Nutzung der KI heisst Token, und je mehr KI genutzt wird, desto mehr werden solche Token verbraucht. Jede Eingabe und Ausgabe kommt über Token zur Kasse.

Läd ein Mitarbeiter ein PDF-File in ChatGPT, Perplexity, Grok, Claude, Gemini & Co. hoch, zahlt der Nutzer für die Analyse je nach Umfang zahlreiche Token.

Einfache Chat-Nutzung, wie sie Privatpersonen meist nutzen, ist günstig. Doch agentenbasierte Systeme, die selbständig mehrstufige Aufgaben erledigen, verbrauchen ein Vielfaches an Geld.

Jahresbudgets schon aufgebraucht

Während der Preis je Token seit der Lancierung von KI deutlich gesunken ist, explodiert mittlerweile der Verbrauch.

Durch exzessive Nutzung der KI in einem Monat soll nun ein Konzern sogar rund 500 Millionen Dollar an Anthropic zahlen, geistert als Mahnung durch die Medien.

Die Firma hatte vergessen, KI-Nutzungslimits für das Personal einzuführen.

Beim Fahranbieter Uber soll das Jahresbudget für KI bereits nach einigen Monaten aufgebraucht worden sein.

Umstellung der Preismodelle

Die Anbieter gehen auch von umfassenden Abos weg und berechnen die konkrete Nutzung.

Klar, die KI-Firmen tätigen Milliardeninvestitionen und verdienen kein Geld.

Da wollen sie auf ihre Kosten kommen, indem sie ihre Preismodelle auf nutzungsbasierte Abrechnungen umstellen.

Paradoxe Situation

Die Anwender von KI haben teils selbst zu solchen Übernutzungen beigetragen.

Um den Einsatz von KI zu forcieren, sollten Mitarbeiter anhand ihres Tokenverbrauchs evaluiert werden. Das Personal nutzt dadurch die KI viel stärker, was nun zum Bumerang über hohe Rechnungen wird.

Nun limitieren auch Schweizer Firmen die Nutzung von KI. Selbst US-Tech-Konzerne wie Meta, Amazon, Alphabet, Microsoft & Co. fahren die Lizenznutzung für AI zurück, berichtete das «Wall Street Journal».

Das Paradoxe daran ist, dass der Einsatz bei komplexen Problemen und langen Dokumenten, wo die Effizienz der KI am grössten ist, gerade limitiert wird.

Managen von Ressourcen

Somit wird der Erfolg von KI gleichzeitig zur Bremse. Während der Preis je Token rapide sinkt, steigt vielerorts der unkontrollierte Volumenverbrauch.

Schweizer Unternehmen realisieren dabei, dass sie nicht nur die Risiken durch KI, sondern auch die Arbeit, Kapital, Energie & Co. stärker managen müssen.

Und klassische Mitarbeiter, wenn auch viele, sind manchmal sogar (noch) die billigere Lösung.

19.06.2026/kut.

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