Die SNB eifert erneut der US-Notenbank nach

SNB-Präsident Thomas Jordan
SNB-Präsident Thomas Jordan schätzt die Wirtschaftsentwicklung als unsicher ein. (Bild: muula.ch)

Die Schweizerische Nationalbank SNB schätzt die Wirtschaftssituation analog zu den USA ein. Hat die Schweiz noch eine eigene Geldpolitik?

Die Schweizerische Nationalbank SNB hat sich zur geldpolitischen Lage geäussert und einen Vernunftentscheid gefällt.

Der SNB-Leitzins verbleibe unverändert bei 1,75 Prozent, teilte die von Thomas Jordan geführte Zentralbank der Schweiz am heutigen Donnerstag mit.

Indirekte Formulierung

«Unsere Geldpolitik, die wir über die letzten Quartale deutliche gestrafft haben, wirkt dem immer noch vorhanden Inflationsdruck entgegen», erklärte Jordan am Donnerstag an einer Medienorientierung, an der auch muula.ch teilnahm.

Es sei aus heutiger Sicht aber nicht auszuschliessen, dass eine weitere Straffung der Geldpolitik nötig werden könnte, um die Preisstabilität in der mittleren Frist zu gewähren, führte Jordan weiter aus.

Wiederholung der Situation

All dies klingt völlig gleich, wie die US-Notenbank Federal Reserve Bank Fed am Vorabend bekanntgegeben hatte. Die indirekte Formulierung ist sogar wörtlich identisch.

Bereits in der Vergangenheit hatte die SNB die Handlungen der Fed analog nachvollzogen, wie auch muula.ch berichtete.

Die Frage, ob das Land überhaupt noch eine eigene Geldpolitik hat, ist dabei berechtigt. Die Schweizer Nationalbank dürfte dies auf jeden Fall so sehen, auch wenn derzeit häufig einzelne Schritte völlig gleich zu den USA verlaufen.

Die Inflation ist über die vergangenen Monate in der Schweiz ganz analog zu den Vereinigten Staaten deutlich zurückgekommen. Die Teuerung lag im August im Inland nur noch bei 1,6 Prozent.

Dieser Rückgang war vor allem auf eine geringere Teuerung bei importierten Waren und Dienstleistungen zurückzuführen. All dies würdigte auch Jordan.

Nur ein Prozent an Wachstum

Zurzeit trügen fast ausschliesslich inländische Waren und Dienstleistungen zur Teuerung bei, hiess es.

Für die kommenden Monate sei aber zu erwarten, dass die Inflation aufgrund von höheren Mieten und Energiepreisen wieder etwas steigen werde, betonte der SNB-Chef.

Für die Wirtschaftsentwicklung ist die Schweizer Zentralbank etwas pessimistischer.

«Dämpfend wirken die verhaltene Nachfrage aus dem Ausland, die teuerungsbedingten Kaufkraftverluste und die restriktiveren Finanzierungsbedingungen», gab die SNB zu bedenken.

Unsicherer Fortgang

Insgesamt dürfte das Bruttoinlandprodukt BIP in der Schweiz dieses Jahr um rund 1 Prozent wachsen, hiess es.

Die Arbeitslosigkeit wird laut den Notenbankern in diesem Umfeld voraussichtlich weiter leicht steigen, und die Auslastung der Produktionskapazitäten dürfte etwas zurückgehen.

Mit dem Zins-Nicht-Anhebungs-Entscheid schwächt die SNB zwar den Franken. Aber aufgrund der sinkenden Inflation im Ausland ist dies für die Schweiz weniger dramatisch.

21.09.2023/kut.

Die SNB eifert erneut der US-Notenbank nach

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