
Die Bank J. Safra Sarasin ist öffentlich mit Milliardenverlusten gar nicht in Erscheinung getreten. Dennoch tauchen sie steuerlich in den Büchern auf.
Wer Jahresabschlüsse eingehend studiert, kann spannende Entdeckungen machen.
So springt Lesern der Jahresrechnung des Basler Bankhauses J. Safra Sarasin gleich eine merkwürdige Zahl ins Auge.
Halbe Milliarde an Gewinn
Die Verlustvorträge in Luxemburg erhöhten sich von null auf über 1,8 Milliarden Franken.
Doch wie kann das Geldhaus auf solche Werte kommen, wo es doch für das Geschäftsjahr 2025 einen Gewinnanstieg um rund 4 Prozent auf 522 Millionen Franken ausweist?

J. Safra Sarasin will selbst nicht zur Aufklärung beitragen.
Über die Angaben im Geschäftsbericht 2025 hinaus wolle die Bank keine Erklärungen zu den neuen Verlustvorträgen in Milliardenhöhe abgeben.
Dies sagte ein Mediensprecher der Bank auf eine entsprechende Anfrage von muula.ch. Tippfehler sind es allerdings keine.
Online-Shop-Business gefloppt
Bilanzexperten erklärten dagegen, dass solche Verlustvorträge auf zweierlei Arten in die Bücher von Firmen gelangen könnten.
Die eine ist, es gab tatsächlich solch hohe Verluste. Doch die wären sicher in diesen Grössenordnungen irgendwo aufgefallen, ein paar Liquidationen, wie sie die Bank ausweist, reichen da wohl nicht.
Da wäre aber allenfalls die Meldung vom deutschen «Handelsblatt», dass sich J. Safra Sarasin beim Investment mit dem Onlinehändler Thrasio verhoben habe.
Es betrifft Private-Equity-Deals, die aber im Desaster endeten, weil Thrasio in den USA Gläubigerschutz beantragte.
Organigramm geändert
Das Bankhaus hatte dabei Kunden informiert, dass sie einen Grossteil ihres Kapitals nicht wiedersehen würden, obwohl im Vorfeld dreistellige Renditen innerhalb von 12 bis 18 Monaten in Aussicht gestellt worden waren.
Für diese Richtung spricht auch, dass J. Safra Sarasin im Jahr 2025 Private-Equity-Investments von der Schweizer Mutter unter die Luxemburger Einheit gehängt hat.

Offen bleibt allerdings, ob ein Initiator von solchen Investments die steuerlichen Verluste für sich in Anspruch nehmen kann.
Uralt-Verluste aktivieren?
Doch die zweite Möglichkeit, die Experten ins Spiel bringen, wäre die Akquisition einer Firma, welche solch hohe Verlustvorträge hat.
J. Safra Sarasin übernahm die dänische Saxo-Bank im Jahr 2025 mehrheitlich. Verkauft worden war das 70-Prozentige Anteilspaket von Zhejiang Gelly Holding aus China und Mandatum aus Finnland.

Die Saxo-Bank war aber zuletzt viele Jahre lang profitabel, weshalb Altverluste in solch gigantischer Höhe wohl kaum noch aktivierbar sind.
Doch unmöglich wäre es nicht und hat vielleicht genau deshalb zu den organisatorischen Umstrukturierungen im Firmengeflecht geführt.
Hunderte Millionen an Steuern sparen
Die Basler Bankengruppe könnte allerdings eine andere Firma mit solchen Verlustvorträgen akquiriert haben und nun künftig kaum noch Steuern auf Gewinne zahlen, sofern sie in Luxemburg anfallen.
Das Potenzial für Steuerersparnisse liegt gemäss den Firmenangaben ja bei über 436 Millionen Franken.
Das wäre eventuell ein Super-Geschäftsmodell, was auch für andere Firmen interessant wäre.
Die Lektüre von Jahresabschlüssen kann also durchaus lohnend sein. Leser müssen dabei gar nicht so tief eintauchen, denn die Milliarden springen bei J. Safra Sarasin sofort ins Auge.
08.06.2026/kut.





