
Die Lufthansa-Gruppe liess Kunden unlängst hängen, bis der Staat einschritt. Dieter Vranckx bettelt um Buchungen, doch Passagiere lernen auch.
«Unsere Kunden können sich auf uns verlassen.»
Mit dieser frohen Botschaft trat der einstige CEO der Premiumfluggesellschaft Swiss sowie Chief Commercial Officer der Lufthansa-Gruppe, Dieter Vranckx, am heutigen Mittwoch vor die Öffentlichkeit.
Treibstoff vielerorts knapp
An allen europäischen Drehkreuzen der Lufthansa-Gruppe – Frankfurt, München, Zürich, Wien, Brüssel und Rom – sowie an anderen Flughäfen im Ausland gebe es von den Lieferanten keine Anzeichen dafür, dass die Treibstoffversorgung im Sommer gefährdet sei.
Dies erklärte der Manager auf vielen Kanälen, über die Pressestelle bis zu Newslettern an Geschäftskunden.
Wegen des US-israelischen Angriffskrieges auf die Islamische Republik Iran wird weltweit Flugbenzin knapp.
Viele Menschen sind daher mit Reisebuchungen zurückhaltend, um nicht die schönsten Wochen des Jahres (wieder) mit den Problemen der Fluggesellschaften zu verbringen.
So einfach ist das?
Wie chaotisch alles ablaufen kann, mussten viele Passagiere gleich zu Beginn des Angriffskrieges auf Iran erleiden, als die Drehkreuze in Nahost um Dubai, Abu Dhabi, Muskat und Doha ausfielen.
Tagelang mussten sie im Kriegsgebiet ausharren, ohne wirklich eine Ahnung zu haben, wie es weitergeht.

«Sollte es wider Erwarten zu Treibstoffengpässen kommen und deshalb Flüge ausfallen, kann der Kunde wählen: Entweder wird er umgebucht oder er bekommt als ‚Geld zurück‘-Garantie den vollen Ticketpreis erstattet – so einfach ist das», betonte nun der Lufthansa-Topmanager.
Auf Wunsch des Kunden werde der volle Preis des Flugtickets erstattet, sagte der einstige CEO der Swiss gleich noch einmal, wie die Lufthansa-Gruppe im hauseigenen Interview schrieb.
Geld nützt oft wenig
Doch umbuchen heisst oft, langes Warten, weil bei Verkehrschaos ohnehin kaum Sitzplätze auf Alternativen verfügbar sind.
Und eine Erstattung des Flugtickets ist bei der Lufthansa-Gruppe offenbar auch nur auf Verlangen verfügbar, wenn man das Kleingedruckte genau liest.
Doch im Notfall nützt Betroffenen das Geld meist herzlich wenig, weil sie ja entweder zum Zielflughafen oder nach Hause reisen wollten.
Nur Gutscheine gegeben
Schweizer Kunden dürfte bei solch grossen Versprechen gleich die Situation während der Coronavirus-Pandemie wieder in Erinnerung kommen.
An vielen Flughäfen ging nichts mehr und die Airlines, inklusive Swiss und Lufthansa, liessen viele Passagiere einfach hängen. In Notsituationen schauen Firmen nämlich zuerst auf sich und ihre Liquidität.
Statt rasch Geld zurück zu erhalten, sollten sich Swiss- und Lufthansa-Kunden damals sogar nur mit Gutscheinen für künftige Reisen zufrieden geben oder warteten monatelang auf Rückerstattungen, bis die Staaten und der Konsumentenschutz auf die Barrikaden gingen.
Spontane Buchung als Alternative
Wer nun den Chief Commercial Officer der Lufthansa-Gruppe grosse Versprechen abgeben hört, könnte sich daher auch sagen, Sommerferien kann man ja immer noch buchen, wenn sich die Situation mit dem Kerosin normalisiert.
Bis dahin haben Lufthansa und Swiss dann auch nicht das Geld der Kunden schon in der Tasche.
Und eventuell sind aufgrund die Kaufzurückhaltung zu einem späteren Zeitpunkt sogar noch günstigere Tarife für die Ferienflüge als derzeit zu haben.
27.05.2026/kut.





