Zürich stuft Nationalbank als unbedeutend ein

Schriftzug der Schweizerischen Nationalbank am Gebäude in Zürich
Wie viel ist die Schweizer Nationalbank wert? (Bild: muula.ch)

Der Kanton Zürich profitiert stark von der Schweizerischen Nationalbank SNB. Dennoch klassifiziert er die Zentralbank nun auf merkwürdige Art herab.

Der Kanton Zürich hat einen ungewöhnlichen Schritt in seiner Finanzrechnung vorgenommen.

Er stufte urplötzlich seine Beteiligung an der Schweizerischen Nationalbank SNB als unbedeutend ein, wie aus dem Finanzbericht 2025 hervorgeht.

Kompakte Bewertung verschwindet

Dabei gab der bevölkerungsreichste Kanton der Schweiz den seit über einem Jahrzehnt praktizierten Ausweis der SNB auf seiner Beteiligungsliste auf.

Also dort, wo er das Finanz- und Verwaltungsvermögen beispielsweise an der Zürcher Kantonalbank ZKB, am Flughafen Zürich, am Opernhaus Zürich, an der Axpo Holding, an der Gebäudeversicherung GVZ und an den Elektrizitätswerken EKZ aufgeführt und erläutert hat, gibt es die Zentralbank nun nicht mehr.

Bekanntermassen ist die SNB aber eine Aktiengesellschaft, die an der Schweizer Börse SIX kotiert ist.

Bewertung der SNB in der Jahresrechnung des Kantons Zürich 2024
Im Jahr 2024 wies Zürich die SNB noch mit vielen Details aus. (Screenshot: muula.ch)

Die Beteiligung des Kantons an der Schweizer Zentralbank von 5,2 Prozent war im Finanzteil des Zürcher Geschäftsberichts bisher immer gut erklärt und sogar finanziell bewertet.

Selbst die Entlohnung der SNB-Spitze liess sich dort kompakt nachvollziehen, genauso, wie der aktuelle Stand der Goldreserven des Landes.

Vervielfachung des Verkehrswertes

Der Wert des anteiligen Eigenkapitals für den Kanton Zürich an der Nationalbank betrug 2023 rund 3,3 Milliarden Franken.

Ein Jahr später hatte sich die Position schon auf 7,5 Milliarden Franken erhöht, denn die Eigenmittel der Notenbank lagen per Ende 2024 schon bei 143,3 Milliarden Franken.

Übersicht zur SNB-Beteiligung des Kantons Zürich 2014
Der Kanton Zürich gab den Buchwert der SNB teils mit 1,3 Milliarden Franken an. (Screenshot: muula.ch)

Im Jahresbericht des Kantons Zürich für 2025 muss man die Beteiligung nun aber mit der Lupe suchen, obwohl Zürich immerhin 443,5 Millionen Franken als Gewinnanteil erhielt.

Den Verkehrswert der SNB-Aktie gaben die Zürcher gerade noch in einer Zeile an, obwohl er sich binnen eines Jahres von 1,4 auf 16,7 Millionen Franken erhöht hatte.

Neue Risikoeinschätzung

Die Schweizerische Nationalbank werde neu als Beteiligung mit Zuständigkeit Finanzdirektion eingestuft und nicht mehr als bedeutende Beteiligung, hiess es zu den Hintergründen.

Die Kriterien für die Einstufung als bedeutende Beteiligung seien nicht erfüllt, da von der Beteiligung keine bedeutenden Risiken für den Kantonshaushalt ausgehen, erklärte die von Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) geführte Finanzdirektion zum Sinneswandel.

Begründung der SNB-Herabstufung durch den Kanton Zürich
Keine Risiken für den Kantonshaushalt? (Screenshot: muula.ch)

All dies war in den Vorjahren für den Kanton Zürich aber genau gleich gewesen.

Und so rätseln Beobachter über die wahren Gründe für die plötzliche Herabstufung der SNB im bevölkerungsreichsten Kanton Zürich in die Kategorie «unbedeutend».

SNB-Chef Schlegel dementiert

Die Gerüchteküche kocht dabei fast über.

Einige vermuten dahinter sogar ein Komplott mit der Präsidentin des SNB-Bankrates, Barbara Janom Steiner, die analog zu Zürichs Finanzdirektor Stocker eine bekannte Persönlichkeit der SVP ist.

Mit der Herabstufung der SNB auf «unbedeutend» könnte von langer Hand eine Dekotierung der SNB-Aktien von der Schweizer Börse SIX sowie ein Squeeze-Out der wenigen Publikumsaktionäre vorbereitet werden.

Solchen Plänen hatte der aktuelle SNB-Chef Martin Schlegel auf Nachfrage von muula.ch aber offiziell eine Absage erteilt.

Ein Deutscher als Ankeraktionär

Ganz abwegig ist der Gedanke von Änderungen in der Struktur der Schweizerischen Notenbank als börsenkotierte Aktiengesellschaft allerdings nicht.

Denn der grösste Privataktionär der SNB ist mit Theo Siegert ein Deutscher.

Ihm gehören damit immerhin 5 Prozent am Heiligtum der Schweiz, der Schweizer Zentralbank, fast so viel wie dem Kanton Zürich.

Herunterspielen der Bedeutung

Bei einer ordentlichen Unternehmensbewertung der Nationalbank stünden ihm möglicherweise Milliarden zu.

Das Eigenkapital der SNB betrug per Ende 2025 nämlich rund 166,5 Milliarden Franken und 5 Prozent davon wären 8,3 Milliarden Franken.

Da lohnt es sich wohl eher für die konservative Schweiz, die Aktien zunächst als «unbedeutend» herabzustufen, und so zu tun, als hätten sie kaum einen Wert.

18.08.2026/kut.

Zürich stuft Nationalbank als unbedeutend ein

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