Wirtschaftsprüfer kreiden vermehrt eigene Missstände an

Logo der Revisionsaufsichtsbehörde RAB in Bern
Die RAB erhält mehr Hinweise auf mögliche Missstände. (Bild: muula.ch)

In der Schweiz ist Whistleblowing kaum verbreitet, weil Hinweisgeber nur wenig geschützt sind. Die Revisionsaufsicht RAB findet einen Weg.

Wirtschaftsprüfer kommen meist nur in die Medien, wenn es irgendwo einen Skandal bei ihnen gibt.

Daher ist die Qualität des Personals besonders wichtig, um gar keine Defizite erst aufkommen zu lassen.

Verstösse gegen Regeln

Genau darüber wacht die Eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde RAB und erteilt Schweizer Wirtschaftsprüfern ihre Zulassungen.

Weil die kleine Behörde nicht überall gleichzeitig sein kann, setzt das Berner Amt neben Kontrollen auch auf Whistleblowing, bei dem auf allfällige Missstände gegen Gesetze oder Berufsrecht hingewiesen wird.

Vervielfachung der Fälle

Davon wird auch immer mehr Gebrauch gemacht, wie aus dem neuesten Jahresbericht der Aufsicht hervorgeht.

Im Jahr 2025 nutzten Hinweisgeber 78-mal die Möglichkeit, auf mögliche Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen.

Im Vorjahr waren es 63 und 2021 beispielsweise erst 21-mal gewesen.

Whistleblowing bei der RAB
Mehr Hinweise an die RAB. (Screenshot: muula.ch)

Die Erfahrungen mit der externen Whistleblowing-Plattform zeigten, dass die Hinweisgeber ein zunehmendes Bedürfnis haben, unter Wahrung ihrer Anonymität der RAB da Hinweise auf allfällige Missstände zu geben, hiess es von der Aufsichtsbehörde zur Situation.

Die Daten würden verschlüsselt über eine gesicherte externe Plattform an die RAB übermittelt und eine Rückverfolgung der Meldungen sei technisch nicht möglich.

Beaufsichtigte Firmen betroffen

Damit brauchen die Whistleblower also keine Angst zu haben, dass sie etwa ihren Arbeitsplatz verlieren, wenn sie etwa auf Defizite bei ihren Arbeitgebern aufmerksam machen.

Rund die Hälfte der Hinweise betraf 2025 sogar beaufsichtigte Revisionsunternehmen, wie PwC, EY, KPMG, Deloitte & Co.

Selbst dort sind Auditoren also unzufrieden, dass sich irgendjemand offenbar nicht an die Regeln hält.

Rückfragen möglich

Dabei löst die von Reto Sanwald geführte RAB sogar noch ein Problem, das auch Medien hin und wieder haben.

Oftmals vergessen Hinweisgeber nämlich wichtige Angaben, und es brächte die Möglichkeit, Rückfragen an die Whistleblower zu stellen.

Hinweisgebende Personen können auf der Plattform der RAB ein geschütztes Postfach einrichten, über das sie – auf Wunsch völlig anonym – mit der Aufsichtsbehörde kommunizieren können.

Insofern können beide Seiten zusammenkommen, ohne dass die Identität herauskommt und ein Whistleblower etwa Nachteile fürchten muss.

Deutlich mehr Verweise

Die Zahlen zeigen, dass das Hinweisgebersystem funktioniert. Die RAB habe 2025 in sechs Fällen Enforcement-Verfahren eröffnet, die auf Whistleblowing zurückgehen, hiess es weiter im Jahresbericht.

Ohne solche Hinweise auf mögliche Vergehen, könnten Missstände beziehungsweise «Schwarze Schafe» der Branche also einfach weiter existieren. 

Die Revisionsaufsicht sprach im vergangenen Jahr mit 112 auch deutlich mehr Verweise aus. Im Jahr 2024 waren es erst 80 gewesen. Im Vorjahr verfügte die Behörde zudem fünf Zulassungsentzüge; 2024 waren es erst 2 gewesen.

Qualität dauerhaft verbessern

Obendrein steigt mit dem System die Qualität bei Schweizer Wirtschaftsprüfern automatisch.

Niemand kann sich bei möglichen Verstössen gegen Gesetze oder gegen das Berufsrecht nämlich sicher sein, dass nicht ein Hinweis bei der kleinen Aufsichtsbehörde Rab in Bern landet.

10.07.2026/kut.

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