
Die Bank von England verwahrt Gold für viele Staaten, doch verweigert die Herausgabe für ein Land. Was bedeutet dies für die Schweizer Goldreserven?
Die Schweizerische Nationalbank SNB verfügt noch über etwas mehr als 1000 Tonnen Gold.
Diese sind laut offiziellen Angaben zu 70 Prozent in der Schweiz gelagert.
Ständig liquidierbar halten
Doch 30 Prozent liegen im Ausland – aber nicht, wie oft vermutet, in den USA.
Die Schweizer Goldreserven liegen zu 20 Prozent bei der Bank von England (Bank of England, BoE) und zu 10 Prozent bei der Zentralbank von Kanada, wie die SNB auf ihrer Webseite angibt.
SNB-Chef Martin Schlegel begründete die Lagerung im Ausland unlängst damit, dass die SNB ihre Goldbestände an den wichtigsten Goldhandelsplätzen der Welt halten müsse, um das Edelmetall stets liquide zu haben.
Regierung passt nicht
Doch bei der britischen Zentralbank ist nun eine vertrackte Situation um die Goldreserven eines Landes eingetreten, die auch in der Schweiz für Stirnrunzeln sorgen dürfte.
Die BoE gibt Venezuela die eingelagerten 31 Tonnen Gold nicht zurück.
Hintergrund ist, dass die Zentralbank die Regierung von Nicolás Maduro nicht anerkannt hat.
Auch die Übergangspräsidenten nach dem Kidnapping des venezolanischen Präsidenten durch die Vereinigten Staaten stufen die Briten nicht als rechtmässige Landesführung ein.
Der Willkür ausgeliefert
Über die Blockadehaltung der BoE zu den rund 4 Milliarden Dollar toben in Grossbritannien mehrere Rechtsstreitigkeiten vor Gericht.
Selbst in der Schweiz wurden nach der Absetzung Maduros rund 700 Millionen Franken an Werten eingefroren, die zum Präsidenten Venezuelas und seinem Umfeld gehört haben sollen.
Staaten reagieren also relativ willkürlich, was die Sperrung von Vermögen angeht.
Doch sind dann die rund 200 Tonnen Gold der Schweiz, die bei der BoE eingelagert sind, überhaupt sicher und liquide, wie es sich die SNB vorstellt?
Falls den Briten eine Schweizer Regierung nicht gefällt oder sie sonst ein Druckmittel gegen die Schweiz brauchen, behalten sie offenbar einfach die Schweizer Goldreserven, wie der Fall Venezuelas verdeutlicht.
Beim König interveniert
Zwar geht der Streit zwischen BoE und Venezuela nun wohl doch noch einmal glimpflich aus.
Das südamerikanische Land war unlängst von einem starken Erdbeben heimgesucht worden, bei dem über 6000 Menschen starben.
Quasi als Nothilfe sollen die Goldreserven nunmehr eingesetzt werden, hiess es von der venezolanischen Regierung und von der BoE.
Zuvor hatte sich die Übergangspräsidentin Venezuelas, Delsey Rodrígez, in einem dramatischen Brief an den britischen König Charles gewendet.
Andere Möglichkeiten nutzen
Die Schweizer Zentralbank muss sich da wohl eine andere Lösung überlegen, falls es eine Naturkatastrophe braucht, um in England an die eigenen Goldreserven eines Landes zu kommen.
Und das Argument der ständigen Liquidierbarkeit liesse sich heutzutage auch anders lösen, als physisches Gold in Grossbritannien zu lagern.
14.08.2026/kut.



