
Die Staatspost der Schweiz will den postalischen Grundauftrag rasch loswerden. Doch die Methoden sind da rabiat, wie die Aufsichtsbehörde sagt.
Wenn ein CEO einer Zeitung ein Interview gibt, spielen Probleme nicht selten eine Rolle.
Die Unternehmen wissen ja von kritischen Medienanfragen oder Problemfällen und versuchen, da Gegensteuer zu geben.
Homestory für Konzernchef
So meldete sich der neue Konzernchef der Schweizerischen Post, Pascal Grieder, in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom heutigen Montag zu Wort.
Da die «Alte Tante» von der Zürcher Falkenstrasse ohnehin nur noch wenig Wirtschaftskompetenz hat, wurde der Beitrag mit dem Titel «Mir geht es wie meinem Hund – der ist auch ungern an der Leine» zur reinen Homestory für den Post-CEO.
Vollendete Tatsachen geschaffen
Doch später am Montag wurde klar, warum es das Interview überhaupt gab.
Die Schweizer Aufsichtsbehörde über die postalische Grundversorgung und Finanzierung, PostCom, meldete sich gleichentags mit happigen Vorwürfen.
Demnach hält sich der Staatsbetrieb regelmässig nicht an Schweizer Recht.
Nach der Postverordnung darf die Post geplante Schliessungen von Postagenturen oder Poststellen erst umsetzen, wenn die Eidgenössische Postkommission PostCom ihre Empfehlung dazu abgegeben hat.
Doch die Post habe die Postagentur Riehen Rauracher im Kanton Basel-Stadt schon am 31. Januar 2026 und damit vor Abgabe einer Empfehlung geschlossen, teilte die Aufsichtsbehörde über die postalische Grundversorgung nunmehr mit.
Ökonomie spielt eine Rolle
Nachdem der bisherige Agenturpartner den Vertrag gekündigt hatte, gelang es der Post nicht, einen neuen Partner zu finden.
Nach Auffassung der Post habe daher keine andere Möglichkeit bestanden, als die Postagentur Riehen Rauracher in der Amavita Apotheke nach rund zehn Jahren zu schliessen.
Doch jeder Ökonom weiss, dass hierbei nur der Preis eine Rolle spielt.
Würde die Post etwa für jeden aufgegebenen Brief eine Million Franken zahlen, hätte sie wahrscheinlich sofort hunderte Anbieter, welche dieses Geschäft betreiben wollen.
Wiederholungstäter Post
Doch das illegale Handeln der Schweizerischen Post ist kein Einzelfall.
Dies zeigte sich bereits Ende 2023 beziehungsweise Anfang 2024 im Fall der Postagentur Hellbühl in der Gemeinde Neuenkirch LU, als die Post die Agentur entgegen dem Gesetz ebenfalls vor der Abgabe der Empfehlung der PostCom schloss.
Dasselbe geschah obendrein bei der Postagentur Morges 2 La Gottaz VD, die am 13. Juni 2024 geschlossen wurde.
Der Subventionsbetrug der Post soll bei der Aufzählung von Rechtsbrüchen gar nicht einmal in Erinnerung gerufen werden.
Kompromiss suchen
PostCom empfiehlt nun der Post, gemeinsam mit der Gemeinde Riehen nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen und ihre Bemühungen zu intensivieren, im Quartier Niederholz eine Postagentur zu realisieren, die sämtliche Dienstleistungen einer Postagentur anbietet.
Ausserdem ermahnt der Regulator die Staatspost mit Nachdruck, künftig Zeitpläne für die Schliessung und Verlegung von Postagenturen so auszugestalten, dass die Vorgaben des Gesetzes auch bei Postagenturen eingehalten werden können.
Interviews nur bei öffentlichem Interesse
Mit anderen Worten: Der Staatsbetrieb soll sich, wie jedes andere Unternehmen im Land, gefälligst an die geltenden Gesetze und Verordnungen halten.
Und vielleicht wäre dies das nächste Mal auch eine Frage im Interview bei der «Neuen Zürcher Zeitung». Das Blatt wurde von der Post quasi für PR missbraucht beziehungsweise ist die Zeitung der Staatsfirma auf den Leim gegangen.
Kein Medium bringt nämlich in der Regel zwei Meldungen zu einer Firma an einem Tag.
Doch solche Interviews sind mittlerweile ohnehin inflationär geworden und eine Publikation sollte nur bei wirklichem öffentlichem Interesse erfolgen.
29.06.2026/kut./Meldung ausgebaut



