Schweizer Bauern wollen bauen

Ein Traktor auf einem Feld
Die Landwirtschaft braucht eine moderne Infrastruktur. (Bild: R. Fath / unsplash)

Die Schweizer Bauern wollen zeitgemässe Gebäude bauen und dies soll dem Land gleich dreifach zugutekommen. Natürlich wollen die Bauern auch etwas dafür.

«Aus eigener Erfahrung kann ich ihnen sagen, dass das Bauen in der Landwirtschaft effektiv immer mehr eine ‹Mission impossible› ist.»

Mit diesen harten Worten brachte der Präsident des Schweizer Bauernverbandes, Markus Ritter, das Problem am Dienstag auf den Punkt.

Bessere Infrastruktur nötig

Nicht nur wegen der vielen Auflagen aufgrund der Raumplanung oder anderen Gesetzen, sondern auch, weil die Kosten dermassen gestiegen seien, dass Bauernfamilien sich neue Gebäude kaum mehr leisten könnten, führte der bekannteste Schweizer Bauer die Situation an der Neujahrsmedienkonferenz in Gerzensee BE weiter aus.

Die Rede ist von allen Formen an Infrastruktur, welche für die Hauptaufgabe der Schweizer Landwirtschaft – der Lebensmittelproduktion – notwendig sind.

Es geht dabei um Ställe, die den stetig steigenden Anforderungen etwa in Bezug auf den Platz für die Tiere gerecht werden und die ein effizientes Arbeiten ermöglichen.

Gewächshäuser und Lagerräume

Es geht laut dem Bauernverband aber auch um Gebäude, für das Unterstellen von landwirtschaftlichen Maschinen.

Weiter soll es den Bauernbetrieben auch möglich sein, unternehmerisch auf die Nachfrageveränderungen zu reagieren und beispielsweise auf Beeren-, Obst-, Gemüse- oder andere pflanzliche Kulturen umzustellen.

Dabei sei dann aber sofort der Witterungsschutz, also Gewächshäuser oder Wasch-, Verpackungs- oder Lagerungsräume, ein Thema.

Attraktiv für Solar- und Bio-Energie

Ebenfalls raumplanungsrelevant seien Infrastrukturen, wie Hofläden, für die Direktvermarktung oder für agrotouristische Angebote.

Und schliesslich könne die Landwirtschaft auch einen nicht unwesentlichen Beitrag für die Energieversorgung und gleichzeitig für den Klimaschutz leisten, wenn möglichst viel Gülle sowie Mist über Biogasanlagen «veredelt» würden, was derzeit erst zu rund fünf Prozent der Fall sei.

Das Potenzial für die energetische Nutzung von Gülle und Mist sei gross – aber eben die raumplanerischen Auflagen für solche Anlagen auch. Dazu kommt das ebenfalls beträchtliche Potenzial der Solar­stromproduktion auf den landwirtschaftlichen Dachflächen.

Drei Fliegen mit einer Klappe

Von alldem würde die Schweiz gleich dreifach profitieren, hiess es im Communiqué des Bauernverbandes weiter.

Die Tiere könnten in grösseren Ställen mit mehr Licht und Luft sowie Bewegungsraum leben. Die Bauernfamilien könnten effizienter arbeiten und erhielten höhere Einkommen.

Und die Schweizer Bevölkerung würde einheimische Lebensmittel zu bezahlbaren Preisen erhalten, malte sich der Bauernverband die Zukunft rosig.

Gestank weit weg

Einzige Haken dabei sind das Raumplanungsgesetz und die anstehende Landwirtschaftsinitiative, welche die bebaute Fläche der Schweiz ausserhalb der Bauzonen einfrieren will. All dies schmeckt den Bauern gar nicht.

Daher machten sie am Dienstag etwas Druck auf das Parlament: Weil die Landschaftsinitiative bei all dem Gesagten keine Lösung sei, brauche es einen sinnvollen indirekten Gegenvorschlag, so die Bauern.

Die Landwirtschaft befindet sich zwar definitionsgemäss in der Landwirtschaftszone, respektive ausserhalb des eigentlichen Baugebiets.

Doch nur schon die geruchs- und lärmintensiven landwirtschaftlichen Tätigkeiten müssten auch einen gewissen Abstand zum Baugebiet aufweisen.

Nahe bei den Tieren

Ausserdem sollten Landwirtschaftsbetriebe ihre Gebäulichkeiten unternehmerisch und innovativ weiterentwickeln können und die raumplanerischen Hürden sollten dabei nicht noch weiter steigen.

Laut dem Verband sei es ohnehin wichtig, dass die Schweizer Landwirte ihre Gebäude in der Landwirtschaftszone und damit nahe bei den Kulturen und Tieren erstellen könnten. 

«Wir Bauern sind Teil der Lösung für die Versorgungsprobleme, mit denen wir kämpfen. Aber damit wir mithelfen können, müssen wir zeitgemässe Infrastruktur und Gebäude erstellen können», sagte Bauernverbandpräsident Ritter zum Schluss seiner Rede.

Damit brachte er die Bedürfnisse der Bauern zum Abwenden der «Mission impossible» wieder schön auf den Punkt.

03.01.2023/kut.

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