Romeo Lacher setzt sich bei Desaster-Bank Julius Bär durch

Verwaltungsratspräsident von Julius Bär, Romeo Lacher
Romeo Lacher ist der Sieger im Machtkampf bei Julius Bär. (Bild: PD)

Die Bank Julius Bär muss ihr Engagement um Signa in den Wind streichen. Das hat nun Konsequenzen.

Die Privatbank Julius Bär will bei ihrem Engagement um den österreichischen Immobilien- und Detailhandelskonzern Signa reinen Tisch machen.

Die Privatbank berichtigt das gesamte Kreditengagement von 606 Millionen Franken an der Signa-Gruppe ab, wie das Geldhaus am heutigen Donnerstag mitteilte.

Stellvertreter übernimmt

Was bereits die Spatzen von den Dächern pfiffen, bewahrheitete sich ebenfalls. Julius-Bär-CEO Philipp Rickenbacher trete im gegenseitigen Einvernehmen mit der Privatbank zurück.

Das nicht funktionierende Risikomanagement um den Grosskunden René Benko ist offenbar seine Schuld.

Philipp Rickenbacher
Philipp Rickenbacher tritt als CEO bei Julius Bär zurück. (Bild: PD)

Ob und gegebenenfalls wie viel Geld zu Rickenbachers Abgang beigetragen hat, geht aus den Unterlagen nicht hervor.

Den CEO-Posten übernehme ad interim Rickenbachers Stellvertreter Nic Dreckmann.

Unklare Schuldigkeit

Im Verwaltungsrat gibt es zudem bei David Nicol, Vorsitzender des Governance- und Risikoausschusses des Verwaltungsrats, gewisse Konsequenzen. Er werde sich an der Generalversammlung 2024 nicht zur Wiederwahl stellen, hiess es am heutigen Donnerstag.

Es ist somit nicht klar, ob die Verantwortung rein operativer Natur oder auch auf Mängel in der Aufsichtstätigkeit zurückzuführen ist.

Zückerli für Aktionäre

Wegen der hohen Abschreibung halbierte sich der Konzerngewinn 2023 im Vergleich mit dem Vorjahr auf nur noch 454 Millionen Franken. Im Rahmen der Kapitalausschüttungspolitik der Gruppe werde der Verwaltungsrat für das Geschäftsjahr 2023 eine unveränderte ordentliche Dividende von 2.60 pro Aktie beantragen, hiess es weiter.

Somit sollen die Aktionäre zumindest bei der Ausschüttung nicht unter dem Debakel weiter leiden. Die Kapitalquoten seien ohnehin komfortabel mehr als im Lot.

Demonstration der Macht

Romeo Lacher, Verwaltungsratspräsident (VRP) der Julius Bär Gruppe, ist der eigentliche Gewinner der ganzen Situation.

«Im Namen des gesamten Verwaltungsrats drücke ich mein tiefes Bedauern aus, dass die vollständige Wertberichtigung des grössten Engagements in unserem Private Debt Geschäft unseren Konzerngewinn für 2023 signifikant beeinträchtigt hat», lässt sich der Manager im Communiqué gleich im ersten Satz zitieren.

Das ist wahrscheinlich auch eine Machtdemonstration.

Lacher stets mit von der Partie

So klar sind die Verantwortlichkeiten allerdings nicht im Hause Julius Bär zu sehen. Denn im Geschäftsbericht 2022 gibt es Übersichten zu den Kompetenzen der einzelnen Mitglieder des Verwaltungsrates, und VRP Lacher steht dort bei Risikomanagement und Banking im Vordergrund.

Zudem gibt es Angaben über die damals abgehaltenen Sitzungen der einzelnen Ausschüsse des Verwaltungsrates.

Dabei sticht ins Auge, wie viel VRP Lacher um die Signa-Engagements zumindest gewusst haben müsste. Und damit ist dieser Manager eigentlich für die Privatbank auch untragbar.

01.02.2024/kut.

Romeo Lacher setzt sich bei Desaster-Bank Julius Bär durch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert