
Der zweite Zinsentscheid von Kevin Warsh als Chef der US-Notenbank Fed lässt der Inflation freien Lauf. Schweizer müssen da besonders aufpassen.
Die US-Notenbank, die Federal Reserve Bank Fed, hat eine klare Warnung an die Welt gesendet.
Der US-Zentralbankrat liess den Leitzins in der Spanne bei 3,5 bis 3,75 Prozent unverändert, wie die Fed am Mittwochabend mitteilte.
Strategie völlig im Dunkeln
Damit reagierte der neue Fed-Chef Kevin Warsh, der nach seiner Ernennung durch US-Präsident Donald Trump zum zweiten Mal vor die Weltöffentlichkeit trat, erneut nicht auf die hohe Teuerung.
Er betont zwar immer wieder seinen Willen, die seit fünf Jahren deutlich erhöhte Inflation in den USA zu bekämpfen.
Doch wie? Darüber rätseln immer mehr Ökonomen, denn letztlich helfen dagegen nur Zinserhöhungen.
Spielen auf Zeit
Drei der neun Mitglieder des Zentralbankrates plädierten auch für genau diesen Schritt, wie die Fed in ihrem Communiqué mitteilte.
Sie wollten eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte, was ein klares Zeichen für die Ernsthaftigkeit des Kampfes gegen höhere Preise gewesen wäre.
Die Inflation, die seit Jahren nicht unter dem Zielwert von 2 Prozent liege, könne er nicht innerhalb von 45 Tagen senken, machte der neue starke Mann in der US-Zentralbank vor den Medien klar.
Ökonomen wissen jedoch, dass die Teuerung wie eine Rakete in die Höhe steigt, doch nur langsam, wie eine Feder, sinkt.
Unterstützung für Trump
Für das Jahr 2026 rechnet die Fed nun mit einer Inflationsrate von 3,6 Prozent, was deutlich vom 2-Prozent-Ziel entfernt ist.
Warsh hatte immer wieder betont, eigentlich Preisstabilität garantieren zu wollen.

Der zweite Nicht-Erhöhungsentscheid in Folge lässt allerdings erahnen, dass er eher US-Präsident Trump dienen und den Boom in der US-Volkswirtschaft nicht beeinträchtigen will.
Hinzu kommt, dass sich die USA damit günstiger finanzieren können.
Energiepreise explodieren
Dabei ist das zweite Ziel der US-Notenbank, eine hohe Beschäftigung, quasi voll erfüllt, wie die Fed vor ein paar Tagen selbst bekanntgab.
Damit wird besonders klar, dass es eigentlich keinen Grund für das erneute Aussetzen einer Zinserhöhung gab.
Mit dem US-israelischen Angriffskrieg auf Iran und der damit verbundenen Sperrung der Strasse von Hormus steigen vielerorts die Energiepreise.
Doch eine Zinserhöhung sei kein Mittel dagegen, hiess es lapidar.
Steigender Schweizerfranken
Für die Schweiz ist dies ein deutliches Warnsignal. Wer in den USA investiert, muss mit einer anhaltend hohen Geldentwertung bei seiner Kapitalanlage rechnen.
Für die Schweizer Exporteure heisst dies, ihre Erlöse in den USA so schnell wie möglich in Schweizerfranken umzutauschen und nicht in den USA – etwa in Staatsanleihen – anzulegen.
Dies führt aber über die erhöhte Nachfrage zu einer weiteren Aufwertung des Schweizerfrankens, was die Schweizerische Nationalbank SNB dann bekämpfen muss.
Die Schweizer Notenbank druckt dann Geld und kauft dann US-Assets, damit der Frankenkurs gegenüber dem Dollar wieder sinkt.
SNB-Gewinne sinken
Die Logik folgt dabei wie folgt: Wenn die Firmen und Privaten nicht in den USA investieren wollen, muss die Handelsbilanzschüsse eine andere Stelle in ihre Bücher nehmen. Im Falle der Schweiz ist dies dann die SNB.
Diese trägt dann auch das Risiko einer exorbitant hohen Inflation in den USA.
Doch am Ende landet diese Abwertung der US-Vermögen über die fehlenden SNB-Gewinne ohnehin wieder beim Schweizer Volk.
Das Land muss also aufpassen, dass die Amerikaner die Schweizer nicht über eine Hyperinflation enteignen.
29.07.2026/kut.



