Holcim bricht fast ein Viertel des Zementumsatzes weg

Holcim-Konzern
Beim Zementkonzern Holcim gab es einen Umsatzeinbruch. (Bild: PD)

Der CEO und Verwaltungsratspräsident des Zementkonzerns Holcim jubelt über die Resultate. Doch die Zahlen sind teils alles andere als rosig.

Es ist für Firmen wahrscheinlich selten eine gute Idee, den Konzernchef und den Verwaltungsratspräsidenten in Personalunion zu haben.

Dies zeigt eindrücklich der Baustoffkonzern Holcim mit Jan Jenisch, denn die Diskrepanz zwischen seinen Jubeltönen über das Erreichte und die Tatsachen klaffen doch zum Teil arg auseinander, wie der jüngste Semesterabschluss verdeutlicht.

Teufel steckt im Detail

«Ich danke allen Mitgliedern der Holcim Familie für die hervorragenden Ergebnisse im ersten Halbjahr. Besonders freue ich mich über die Rekord-Ebit-Marge im zweiten Quartal», sagte Jenisch über die Semesterresultate freudig, wie aus der Medienmitteilung vom heutigen Donnerstag hervorging.

Doch schaut man auf den Zahlenkranz, dürften sich Beobachter die Augen reiben.

Der Umsatz ging in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres um 11 Prozent auf rund 13 Milliarden Franken zurück.

Der Betriebsgewinn sank um 6 Prozent unter die Marke von 2 Milliarden Franken.

Lediglich der Konzerngewinn erhöhte sich um 9 Prozent auf 1,3 Milliarden Franken, wobei dies hauptsächlich auf eine höhere Verzinsung der Cash-Bestände zurückzuführen ist.

Aktienrückkauf wirkt

Bei stark sinkendem Umsatz und leicht sinkendem Betriebsgewinn ist es aber wohl wenig verwunderlich, dass der Quotient aus diesen zwei Werten zulegt und zu einer steigenden operativen Marge führt.

Letzteres hebt der Konzern aber stark hervor und glänzt auch bei vielen adjustierten Kennzahlen, die etwa in einer Präsentation zu den Resultaten ersichtlich sind.

Auch beim Gewinn je Aktie, der stark zugelegt hat, dürfte aber einen Einfluss gehabt haben, dass sich der Gewinn auf viel weniger Titel verteilt.

Holcim kaufte im ersten Halbjahr nämlich in eigene Aktien zurück und vernichtete Papiere im Umfang von 2 Milliarden Franken, wie aus dem Eigenkapitalspiegel im Semesterbericht hervorgeht.

Haupteinnahmen sinken

Ein Blick in die Segmente lässt es auch kalt den Rücken herunterlaufen.

Der Umsatz mit dem Hauptprodukt Zement sank um dramatische 21 Prozent auf nur noch 6,8 Milliarden Franken, wie im Communiqué steht.

Das Management erklärte dies vor den Medien hauptsächlich mit den Verkäufen ihrer Aktivitäten in Indien und Brasilien. Doch auch dafür ist die Holcim-Führung verantwortlich.

Das regelmässig wiederkehrende Betriebsergebnis mit Zement sank zudem um rund 5 Prozent auf 1,5 Milliarden Franken. Logisch steigt bei solchen Entwicklungen die Marge.

Rund eine Milliarde in Asien/Pazifik weg

Regional betrachtet, brachen die Einnahmen in Asien und dem Pazifik-Raum, eigentlich Wachstumsorte, dramatisch ein.

In der Region Asien, Nahost und Afrika ging der Holcim-Umsatz um über 50 Prozent beziehungsweise rund 2 Milliarden Franken auf bloss noch 2 Milliarden Franken zurück.

Besonders in Asien/Pazifik lief es vergleichsweise schlecht; der Umsatz sank um rund 65 Prozent auf noch zirka 1 Milliarde Franken.

Das wiederkehrende Ebit in dieser Region brach um 35 Prozent auf 460 Millionen Franken ein – fast amüsant für Beobachter schnellte die Marge auf Basis dieser Negativentwicklungen von 16,7 auf 21 Prozent in die Höhe.

Viele Akquisitionen

Der Cashflow aus operativer Tätigkeit des Gesamtkonzerns, ein Indikator für die geschäftliche Entwicklung, sank im ersten Halbjahr um fast 200 Millionen Franken beziehungsweise um 11 Prozent auf 1,4 Milliarden Franken.

«Holcim investiert weiterhin in profitables Wachstum und hat in der ersten Jahreshälfte 2023 rund 1,8 Milliarden Franken für 18 wertsteigernde Übernahmen ausgegeben», freute sich der Zementkonzern.

Fast 30 Prozent an Goodwill

Blickt man in den Semesterabschluss, so schlägt sich dies bei den Umsätzen wohl noch nicht so stark nieder. Damit schwillte aber auch der Goodwill im Vergleich zum Jahresende um fast 700 Millionen Franken an.

Solche «Luft» gibt es in der Holcim-Bilanz nunmehr 14,4 Milliarden Franken.

Die Bilanzsumme beträgt knapp 54 Milliarden Franken, was heisst, dass fast 30 Prozent der Vermögensgegenstände des Zementkonzerns auf Goodwill zurückzuführen sind.

Steigen die Zinsen weiter, müssen Firmen allerdings aufpassen, dass bei Aktiva kein Abschreibungsbedarf droht.

Kein Gegengewicht

Zum Jubeln gibt es angesichts all solcher Entwicklungen eigentlich nicht so viel, wie es im Communiqué mit adjustierten Kennzahlen lautet, auch wenn zahlreiche Negativeffekte sicher dem starken Schweizerfranken geschuldet sein dürften.

Doch wenn Konzernchef und Verwaltungsratspräsident dieselbe Person sind, wird all dies bei einer Machtkonzentration kaum jemand kritisch hinterfragen.

Es fehlt einfach ein Gegengewicht im Management, das es andernorts gibt.

27.07.2023/kut.

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