Schweiz als Burger-Königin der Welt

Filiale von McDonald's in Asien mit Auto davor
McDonald’s-Produkte sind in Asien deutlich günstiger. (Bild: Y. Plasticine / unsplash)

Der Schweizerfranken ist laut dem aktuellen Big-Mac-Index über 45 Prozent überbewertet. Die Kennzahl verrät aber noch viel mehr über die Schweiz.

Die Schweiz hat wieder einmal einen Spitzenplatz belegt.

Doch diesmal ist es nicht der Index für das innovativste oder lebenswerteste Land der Welt, sondern für das teuerste.

Filiale am Basler Barfüsserplatz

Seit 40 Jahren ermittelt das britische Wirtschaftsmagazin «The Economist» mit seinem Big-Mac-Index die Kaufkraftparitäten der Welt.

Es konzentriert sich dabei auf ein mehr oder weniger gleiches Produkt, den Big-Mac-Burger der Fastfood-Kette McDonald’s.

Diesmal kauften die Briten am Basler Barfüsserplatz ihren Big Mac für 7,30 Franken.

In den USA kostete das gleiche Produkt dagegen 6,22 Dollar, was nur 5,02 Franken wären.

9500 Kilometer machen Unterschied

Die Amerikaner hätten damit allerdings nur 70 Prozent an Franken, um in der Schweiz den gleichen Big Mac zu erwerben, rechnete «The Economist» in seiner aktuellen Ausgabe vor.

Der hypothetische Umrechnungskurs beträgt also 1,17 Franken für einen Dollar (7,30 Franken zu 6,22 Dollar).

Während der Burger in der Schweiz umgerechnet 9,04 Dollar kostet, müssten Taiwanesen derzeit nur 2,42 Dollar dafür bezahlen.

Rund 9500 Kilometer von Basel bekommen die Kunden also mehr als zweieinhalb Big Macs für das gleiche Geld.

Mieten dreimal so hoch

Das verglichene Produkt besteht aus rund 60 Zutaten und der Preis verdeutlicht damit auch Unterschiede bei den Arbeitskosten, den Mietaufwänden und den Energiepreisen.

Für Zwiebeln müsse man in der Schweiz rund 20 Prozent mehr als in Taiwan bezahlen, hiess es beispielsweise.

Schweizer Fleisch koste auch 2,7-mal so viel wie Taiwanesisches, weil es strikte Importbeschränkungen gebe und kleinere Ställe als Massentierhaltungen gesetzlich vorgeschrieben seien, erklärte «The Economist».

Zusammensetzung eines Big Macs
Die Zusammensetzung eines Big Macs. (Screenshot: muula.ch)

Dabei stellen rund 45,6 Prozent eines Big-Mac-Preises ungefähr die Arbeitskosten dar. Diese sind aber in der Schweiz mehr als doppelt so hoch als in Taiwan.

Für Mieten muss McDonald’s hierzulande im Schnitt rund dreimal so viel bezahlen.

Es erscheint fast ein Trost, dass die Energiekosten in der Schweiz nur rund 12 Prozent höher liegen wie in Taiwan.

Taiwan deutlich unterbewertet

Da der aktuelle Umrechnungskurs vom Franken zum Dollar nur bei 0,81 Franken je Dollar liegt, besteht zur errechneten Big-Mac-Preisrelation von 1,17 Franken ein Gap, was eine Überbewertung der Schweizer Landeswährung von 45,4 Prozent ergibt.

Bei Taiwan ist es genau umgekehrt – ein Big Mac kostet dort 78 Neue-Taiwan-Dollar, was genau der Kaufkraft von einem Big Mac in den USA zu 6,22 Dollar entspricht.

Der Wechselkurs, der diese Relation verdeutlicht, wäre 12,54 Neue-Taiwan-Dollar. Doch der aktuelle Kurs liegt bei 32, was eine Unterbewertung von rund 61 Prozent ergibt.

Auszüge vom aktuellen Big-Mac-Index vom «The Economist»
Die Schweiz steht laut «The Economist» an der Weltspitze. (Screenshot: muula.ch)

Laut «The Economist» gab es seit der Erstpublikation des Big-Mac-Barometers 1986 durchaus mit Frankreich (+73 Prozent) und Brasilien (-87 Prozent) auch höhere Über- und Unterbewertungen von Landeswährungen.

In Japan kostet ein Big Mac derzeit rund 20 Prozent weniger als in Festland-China. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

16 Millionen für einen Burger

An dieser historischen Burger-Kennzahl liesse sich sogar Geschichte ablesen.

Statt der Sowjetunion gibt es nun Russland im Index und Jugoslawien zerfiel.

In Venezuela kostete ein Big Mac im Juli 2021 über 16 Millionen venezolanische Bolivar, was ein absoluter Rekordwert darstellte.

Schlusslicht Indonesien

Die Schweiz führt nunmehr mit 45,4 Prozent, wie so viele Jahre lang, wieder die Tabelle an.

Gefolgt von Uruguay mit 43,7 Prozent, von Norwegen mit 29,5 Prozent und von Kolumbien mit 28,7 Prozent. Auf Platz 5 landet Israel mit 23,3 Prozent und auf Rang 6 kommt Grossbritannien mit 19 Prozent.

Indonesien ist mit -61,7 Prozent das Land mit der am stärksten unterbewerteten Währung, gefolgt von Taiwan mit besagten -61 Prozent.

Indien landet auf dem drittletzten Rang und hat immerhin 60,5 Prozent an Unterbewertung.

iPhones und Ikea-Regale besser

Kostet ein Big Mac also deutlich mehr oder weniger als in den USA, sind die Währungen tendenziell über- oder unterbewertet.

Es ist ein vereinfachter Massstab für die Kaufkraft und Währungsbewertungen.

Klar ginge die Berechnung auch mit iPhones vom Apple-Konzern oder Billy-Bücherregalen von Ikea, die sogar noch besser handelbar wären als ein Burger von McDonalds.

Doch seit Jahrzehnten zeigen sich dabei auch die Kräfteverhältnisse der Währungen und Imparitäten.

Rasch über 1 Milliarde Umsatz

McDonald’s erklärt für die Schweiz, täglich im Schnitt rund 275.000 Kunden zu haben.

Gibt jeder nur 10 Franken aus, käme die kleine Landesgesellschaft damit schon auf einen stolzen Jahresumsatz von über 1 Milliarde Franken.

Der Big-Mac-Index verdeutlicht, dass McDonald’s hierzulande höhere Löhne, Mieten, Energiekosten und allgemeine Standortkosten hat. Hinzu kommt eine deutlich überbewertete Landeswährung der kleinen Schweiz.

01.08.2026/kut.

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