Falsche Schweizer Hoffnung auf Iran-Deal-Zeremonie

Bürgenstock Resort in der Zentralschweiz
Das Resort Bürgenstock wird doch kein historischer Ort eines Iran-Deals. (Bild: PD)

Die Schweiz will auf internationaler Bühne wieder eine wichtigere Rolle spielen. Doch beim US-israelischen Krieg gegen Iran verspielte sie viele Chancen.

Die Schweiz macht sich am heutigen Donnerstag noch Hoffnung, dass am Freitag auf dem Bürgenstock ein Abkommen zwischen den USA und der Islamischen Republik Iran unterzeichnet wird.

Schloss Versailles gewinnt

Der Kanton Nidwalden, der für die Sicherheit der Delegationen sorgt, dementierte Medienberichte, wonach das ganze Treffen abgesagt sei.

Doch das Memorandum of Understanding (MoU) zwischen den USA und Iran ist längst abgesegnet.

US-Präsident Donald Trump signierte das Abkommen zur vorläufigen Beendigung des US-israelischen Angriffskrieges auf Iran am Mittwoch auf Schloss Versailles nach einem Abendessen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Schweizer Botschaft geschlossen

Auch Iran gab bekannt, dass Präsident Massud Peseschkian dem Deal zugestimmt hat. Pakistan als Garant für die Absichtserklärung jubelte.

Doch die Schweiz stand die ganze Zeit abseits.

Eigentlich hätte sie eine Hauptrolle in dem Konflikt spielen können, schliesslich kennt sie sich seit Jahrzehnten auf beiden Seiten sehr gut auch und leistet für die Amerikaner «gute Dienste» in Iran.

Doch viel zu rasch schloss sie ihre Botschaft in Teheran und wollte von ausserhalb des Landes vermitteln. Dies gefiel weder den Amerikanern noch den Iranern und Pakistan sowie Katar sprangen ein.

Langjähriger Iran-Präsident handelt

Nachdem die G7 bei ihrem Treffen im französischen Évian-les-Bains viele Sicherheitskosten auf die Schweiz abgedrückt hatte, hoffte das Land noch auf den Trostpreis beim Iran-Deal.

Immerhin 4000 Armeeangehörige hatten die zivilen Sicherheitsorgane der Kantone Genf, Waadt und Wallis sowie das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG bei der Gewährleistung der Sicherheit unterstützt, wie der Bund bekanntgab.

Im Resort Bürgenstock in der Zentralschweiz sollten Trump und Peseschkian die Vereinbarung unterzeichnen.

Doch dann wäre auch dem letzten Deppen auf der Welt aufgefallen, dass die USA gar keinen Regimewechsel in Iran erreicht hatten. Das war aber ihr Hauptkriegsziel für den Angriffskrieg gewesen.

Schliesslich ist der iranische Präsident und Koranlehrer seit 2024 im Amt und vertritt das Mullah-Regime.

Keine Fortsetzung des JCPOA

Insofern war es sehr unwahrscheinlich, dass ein Medienspektakel, wie bei der Ukraine-Friedenskonferenz, zustandekommt.

Auch hätte eine neue Vereinbarung, die in der Schweiz unterschrieben worden wäre, als Fortsetzung des alten Genfer Atomabkommens der Westmächte mit Iran JCPOA von 2013 interpretiert werden können.

Eine solche Symbolpolitik der Iraner wollten die Amerikaner unbedingt vermeiden.

Blockade aufheben

Wichtig ist für Trump nur, dass es vorläufig ein Ende des lästigen Themas «Iran-Krieg» gibt.

In den USA stehen Midterm-Wahlen an und die steigende Inflation könnte den US-Präsidenten sowie den Republikanern da Stimmen kosten.

Schliesslich zieht die Teuerung hauptsächlich wegen der Sperrung der Strasse von Hormus an, welche die Iraner blockieren.

Mit dem MoU besteht Hoffnung, dass nun Erdöl-, Erdgas- und Düngemitteltransporte aus dem Nahen Osten wieder funktionieren und das Preisniveau vielerorts zurückgeht.

Blockierte Milliarden freigeben

Eine offizielle Zeremonie zu dem Iran-Deal wäre für die USA auch wie eine Kapitulationserklärung gleichgekommen.

Iran hat auf der ganzen Linie gewonnen und konnte sogar die Freigabe blockierter Gelder in Milliardenhöhe erreichen, welche die Islamische Republik so dringend braucht.

Die iranische Volkswirtschaft liegt am Boden, die Inflation ist explodiert und viele Menschen hungern. Auslandvermögen lindert die Probleme.

Teufel steckt im Detail

Die Schweiz geht nun aber wieder zur Briefträgerfunktion zwischen den USA und Iran über.

Laut den Informationen, welche dem Kanton Nidwalden vorliegen, ist nach wie vor vorgesehen, dass sich die USA und Iran sowie die Mediatoren Pakistan und Katar am Freitag auf dem Bürgenstock zu Verhandlungen über die Umsetzung des Abkommens treffen.

Der Teufel steckt bekanntermassen im Detail.

Die Schweiz darf dann noch die Rechnung bezahlen und hat viele gute Chancen, eine wichtigere Rolle in der Welt zu spielen, förmlich verspielt.

Nur Zahlmeister für die Weltdiplomatie zu sein, ist eben keine gute Position und dürfte die Lehre aus dem Iran-Krieg für die Schweizer Steuerzahler sein.

18.06.2026/kut.

Falsche Schweizer Hoffnung auf Iran-Deal-Zeremonie

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