Cathie Woods lehrt Schweiz das Investieren und Kommunizieren

Starinvestorin Cathie Woods
Börsenstar Cathie Woods fällt stets mit unkonventionellen Methoden auf. (Bild: PD)

Starinvestorin Cathie Woods bietet Investoren mehr Innovation und Diversifikation. Zudem zeigt sie, wie gute Kommunikation funktioniert.

«Mein Ziel war es, den Investoren mehr Innovation und Diversifikation zu bieten als die Leitindizes», erklärte die 68-jährige Kultinvestorin Cathie Woods im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Donnerstag.

Dies sei auch der Hintergrund, warum sie vor rund zehn Jahren ihre eigene Investmentfirma gegründet und einen sicheren Arbeitsplatz beim Vermögensverwalter Alliance Bernstein verlassen habe.

Längerer Anlagehorizont

«Ich ahnte, dass das bei meinem damaligen Arbeitgeber nicht möglich sein würde», erklärte sie die Gründung ihres eigenen, aktiv verwalteten, börsengehandelten Aktienfonds ETF, der in disruptive Technologien, wie künstliche Intelligenz KI und Robotik, investiert.

Dabei arbeitet Woods mit einem Anlagehorizont von fünf Jahren, betonte die Investmentmanagerin.

«Das ist mehr als bei den meisten Vermögensverwaltern», erklärte sie.

Signale von Kostenreduktionen

Ihre Prognosemodelle basieren zudem auf dem Wrightschen Gesetz, das aus den Anfängen der Zivilluftfahrt stammt und annimmt, dass die Kosten pro Flugzeug um einen konstanten Prozentsatz sanken, wenn sich die Zahl der produzierten Flugzeuge verdoppelte.

«Bei Elektrofahrzeugen sinken die Kosten nach einer Verdopplung der produzierten Menge um 28 Prozent, bei Industrierobotern um 50 Prozent», erklärte die erfahrene Vermögensverwalterin.

Wirklich beeindruckend sei der Rückgang der Kosten aber bei künstlicher Intelligenz.

Inflation verschwindet weltweit

«Bei einer Verdopplung der Datenmenge pro Einheit Rechenleistung sinken die Kosten für das Training von KI-Modellen um 75 Prozent», hob sie die Entwicklungen in diesem Bereich hervor und verwies darauf, dass dies innerhalb weniger eines Jahres geschehe.

Daran zeige sogar, wie deflationär die technischen Innovationen wirken und sich die weltweiten Inflationssorgen bald in Luft auflösen werden, betonte Woods.

Marktchancen entdecken

Die Frage, ob das Wachstum von Elektroautos, wie Tesla um den Entrepreneur Elon Musk, nicht überschätzt werde, wies sie zurück.

«In den Anfängen des Mobiltelefons gab es auch Vorhersagen, dass es weltweit nie viel mehr als eine Million Geräte geben werde. Heute sind es mehrere Milliarden», hiess es.

Bei ihren Prognosemodellen gehe es darum, ein Gefühl zu bekommen, wie schnell die Kosten sinken werden, wie schnell sich die Technologie verbreiten wird und wie gross die Marktchancen seien, machte Börsenguru Woods die Hintergründe klar.

Verbrennungsmotoren sterben aus

Disruptive Innovation bedeute auch kreative Zerstörung. «Wir sind zum Beispiel überzeugt: Benzinbetriebene Autos werden in etwa fünf Jahren überflüssig sein», mahnte sie.

Für jeden Dollar Kostenrückgang werde die Nachfrage um einen bestimmten Prozentsatz zunehmen, verwies sie in Anlehnung an das Wrightsche Gesetz auf die Zukunft.

Anderer Weg bei Kommunikation

Mit ihren Aussagen eckt Woods regelmässig in der Finanzwelt an, weil sie damit traditionelle Vermögensverwalter unter Druck bringt. Die polarisierende Persönlichkeit zeigt der Schweiz aber auch, wie gute Kommunikation heutzutage funktioniert.

Denn während Schweizer Finanzinstitute negative Berichterstattung oft als hinderlich empfinden und diese entweder ignorieren oder mit sämtlichen Mitteln bekämpfen, geht Woods mit ihrer Firma Ark Invest einen anderen Weg.

Analog zum Tesla-Chef Elon Musk gebe es für die Starinvestorin nämlich so etwas wie negative Publizität nicht, erklärte Woods.

Sie legt beispielsweise ihre Transaktionen auch täglich offen und macht sich damit anders als die traditionelle Finanzwelt jeden Tag angreifbar.

Mit Kritik auseinandersetzen

«Ich vermute, dass die meisten Portfoliomanager nicht den Blicken ausgesetzt sein wollen, denen ich ausgesetzt bin, wenn wir etwas anders machen als der Rest der Branche», sagte sie.

Ark Investments mache dies allerdings nichts aus und die Offenheit sei Teil der Kommunikationsstrategie.

«Wenn jemand anderer Meinung ist, gibt mir das die Chance, unseren Standpunkt erneut zu erläutern», hob sie im Interview mit der «NZZ» hervor.

Da kann die ganze Schweizer Finanzwelt von der 68-jährigen Kultinvestorin, die eine treue Anhängerschaft gerade unter Jugendlichen hat, also noch Einiges lernen.

03.05.2024/kut.

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