
Die Versorgung der Schweiz mit Diesel ist gefährdet. Doch diesmal tragen weder der niedrige Wasserstand auf dem Rhein noch der Iran-Krieg die Schuld.
Die Schweiz muss erneut Pflichtlager von Diesel freigeben.
Der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung, Roland Pfister, habe Dieselbezüge aus den Mineralöl-Pflichtlagern bewilligt.
Ein Monat lang genehmigt
Dies teilte das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) am Freitagabend bezüglich einer temporären Bedarfsdeckungsunterschreitung mit.
Vom 23. Oktober bis zum 22. November 2026 dürften bis zu 45.000 m3 Dieselöl bezogen werden, hiess es weiter.
Dies entspreche knapp vier Prozent der aktuell vorhandenen Pflichtlagermenge an Dieselöl, rechneten die Beamten des BWL vor.
Verzögerungen bei Pumpung
Die internationalen Mineralölmärkte sind seit Beginn des US-israelischen Angriffskrieges auf die Islamische Republik Iran angespannt.
Die logistische Versorgung der Schweiz ist aber auch durch das anhaltende Niedrigwasser am Rhein seit Monaten stark beeinträchtigt.
Doch das waren diesmal nicht die Gründe für den drohenden Engpass.
Beim Dieselöl hätten die Verzögerungen bei der Pumpung von Rohöl und Fertigprodukten wegen Starkregens in Südfrankreich zur Versorgungslücke geführt, erklärte das BWL zur aktuellen Mangellage.
Es kommt also viel zu wenig in der Schweiz an.
Flughafen Zürich ohne Flugpetrol
Erst vor wenigen Wochen hatte der Zeitraum begonnen, in dem die Schweiz ihre Diesel und Benzinvorräte wieder auffüllen muss, welche im September für Lieferengpässe gebraucht worden waren.
Zudem kam der Flughafen Zürich wegen Kerosinmangels in Bredouille, weshalb die Schweiz auch da ihre Pflichtlager für Flugpetrol anzapfen musste.
Ernste Versorgungslage
Wie dramatisch die Lage diesmal eingeschätzt wird, können Externe nur an der freigegebenen Menge ablesen, weil die Behörden keine Transparenz beim Ernst der tatsächlichen Versorgungslage geben.
Im September hatte die Schweiz 30.000 m3 an Diesel freigegeben und 20.000 m3 davon auch gebraucht, um nicht in eine Versorgungskrise zu schlittern.
Diesmal gibt der BWL 50 Prozent mehr als damals vom Pflichtlagerbestand frei. Es ist also durchaus Ernst.
Konsumenten zahlen mehrfach
Die Kosten für das Ganze tragen die Schweizer Verbraucher, wie muula.ch bereits berichtete.
Die Garantiefonds für die Deckung der Pflichtlagerkosten werden von privaten Branchenorganisationen verwaltet. Im Falle von Diesel ist es Carbura.
Die Firmen reichen die Kosten, die nach Subventionen vom Bund übrigbleiben, über die Verkaufspreise an die Konsumenten weiter.
Doch die sind schon durch den Iran-Krieg, wegen des Niedrigwassers auf dem Rhein und nun auch noch Lieferengpässen in Südfrankreich mit höheren Preisen bei Mineralölprodukten konfrontiert.
23.10.2026/kut.




