Auf die Schweiz wächst Druck beim Zins

Ein Pflänzchen auf einem Berg an Münzen
Ersparnisse gedeihen im Ausland. (Bild: M. Henderson / unsplash)

Die ganze Welt muss die Leitzinsen aufgrund der Inflation erhöhen. Damit kommt die Schweiz aber bald bei ihrer Nullzinspolitik an das Ende des Lateins.

Die Europäische Zentralbank EZB hat am Donnerstag bereits zum 2. Mal in diesem Jahr ihre Leitzinsen erhöht.

Die Notenbank des Euro-Raumes hob ihre Rate von 2,25 auf 2,5 Prozent an, wie die EZB unter der Leitung von Christine Lagarde bekanntgab.

Hohe Teuerung

Der US-israelische Angriffskrieg auf Iran erzeuge einen so starken Inflationsschub, dass die Teuerung noch länger über dem Zielwert der EZB bleibe, hiess es zur Begründung für den Zinsschritt.

Im August war die Teuerung in der Euro-Zone auf rund 3,3 Prozent in die Höhe geschnellt.

In neuen Projektionen gehen die Fachleute der EZB davon aus, dass die durchschnittliche Gesamtinflation 2026 bei 3,0 Prozent, 2027 bei 2,5 Prozent und 2028 bei 2,1 Prozent liegen werde, erklärte Lagarde.

Mehrere Folgewirkungen

Die EZB hatte bereits im Juni nach rund 3 Jahren wegen des Inflationsschubes durch den Iran-Krieg erstmals ihre Leitzinsen erhöht. Damit wird es attraktiver, im Euro-Raum das Geld anzulegen, und die Nachfrage nach Euro steigt dadurch, was ihn im Wert steigen lässt.

Über den erhöhten Sparanreiz sinkt aber auch der Konsum, weshalb sich Firmen künftige Preiserhöhungen zweimal überlegen.

Gleichzeitig werden Importe günstiger, weil der Euro stärker wird, und dadurch sinkt auch die Teuerung innerhalb der Euro-Zone.

Amerika unter Zugzwang

Die USA sind an einem ähnlichen Punkt. Die Inflation liegt in den Vereinigten Staaten von Amerika aufgrund des Energiepreisanstiegs bereits bei fast 4 Prozent, wie muula.ch berichtete.

Daher erwarten Finanzmarktexperten noch in diesem Jahr 2 Leitzinserhöhungen durch die US-Notenbank Federal Reserve Bank Fed.

Auch damit wird das Anlegen in den USA attraktiver. Importe verbilligen sich über die gestiegene Nachfrage nach dem Dollar und drücken die Teuerung.

Inflation schwappt über

In der Schweiz führen diese Zinsdifferenzen zu umgekehrten Überlegungen. Wenn es attraktiver wird, im Euro- oder Dollar-Raum anzulegen, werden Schweizer Sparer ihre Nullzinsen im Inland irgendwann als nicht mehr attraktiv genug empfinden.

Irgendwann wird die Zinsdifferenz zu gross.

Damit fliesst dann aber mehr Geld ins Ausland und Verkäufe des Schweizerfranken lassen ihn im Wert sinken.

Damit kommt aber auch Auslands-Inflation verstärkt ins Inland, denn mit einem schwächeren Franken schwappt die Teuerung in die Schweiz über.

Zentralbank unter Druck

Damit kommt aber die Schweizerische Nationalbank SNB unter Zugzwang, Gegensteuer zu geben.

Sie will dann einen stärkeren Franken und dies erreicht sie, indem sie ihre Nullzinspolitik aufgibt und die Leitzinsen anhebt.

Noch ist das Szenario wahrscheinlich etwas entfernt. Doch innerhalb eines Monats verdoppelte sich die Teuerung auf 0,8 Prozent – geht dies so weiter, muss die SNB unter der Leitung von Martin Schlegel handeln.

10.09.2026/kut.

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