
Der Shell-Konzern wollte von der Spezialchemiefirma Clariant wegen eines Kartells bis zu einer Milliarde Euro haben. Doch daraus wird vorerst nichts.
Der Basellandschaftliche Chemiekonzern Clariant hat vor einem Gericht in den Niederlanden einen Sieg gegen den Mineralölkonzern Shell errungen.
Ein einziger Angestellter
Das Landgericht Amsterdam habe die Schadenersatzklage gegen Clariant und drei weitere Unternehmen abgewiesen, teilte die in Muttenz BL domizilierte Spezialchemiefirma am Mittwochabend mit.
Bei der Klage ging es um den Ethylen-Einkaufsmarkt, den die EU im Juli 2020 sanktioniert hatte und bei dem Clariant schon eine Busse von 155,8 Millionen Euro zahlen musste.
Ein einziger Angestellter von Clariant hatte damals recht gebrochen.
Kartell am Beschaffungsmarkt
Shell wolle im Zusammenhang mit dem Verstoss gegen das Wettbewerbsrecht bis zu einer Milliarde Euro an Schadenersatz erhalten, wie muula.ch damals berichtete.
Betroffen waren neben Clariant noch Orbia, Celanese und Westlake. Die Firmen hatten sich bei der Beschaffung von Ethylen abgesprochen, um tiefstmögliche Preise zu erzielen.
Gar kein Kunde gewesen
Clariant wehrte sich nun erfolgreich mit dem Argument gegen Shell, dass der Mineralölkonzern gar kein Ethylen-Lieferant von Clariant gewesen sei.
Folglich habe das britische Unternehmen auch keinen Schaden erlitten. Die Amsterdamer Richter folgten dieser Sichtweise.
Damit ist die Sache aber noch nicht vom Tisch. Wie Shell reagiert, ist noch nicht klar.
Viele Milliarden gefordert
Auch hat Clariant in der gleichen Sache noch viele weitere Rechtsklagen am Hals, wie muula.ch regelmässig berichtete.
Mitte Januar 2025 hatte der deutsche BASF-Konzern eine Schadensersatzklage eingereicht. Die Deutschen machten bei Gericht gegen die vier Unternehmen einen Schadenersatz von 1,4 Milliarden Euro geltend.
Im Februar 2025 kamen noch Franzosen hinzu. Die Firma TotalEnergies machte 625 Millionen Euro an Schadenersatz geltend. Und so ging das mit Dow, LyondellBasell, MOL, OMV & Co. immer weiter.
Erst vor wenigen Tagen kam ein neuer Rechtsstreit hinzu, wie muula.ch vermeldete. Die Forderungen summieren sich auf viele Milliarden.
Shell-Connection bei Clariant
Doch die Baselbieter hatten bezüglich Shell einen guten Schachzug vorgenommen. Sie hatten den Niederländer Ben Van Beurden zu ihrem Verwaltungsratspräsidenten gekürt.
Er war von 2014 bis 2023 der CEO von Shell und kannte daher die Details der Gegenseite gut.
Nach Schweizer Recht muss ein Verwaltungsrat aber die Gesellschaft schützen – insofern musste er alle Karten auf den Tisch legen.
Dies kam Clariant nun in einem ersten Prozess in Amsterdam sicher zugute.
30.07.2026/kut.



