
Viele Menschen zählen Schritte sowie Kalorien und tracken ihren Schlaf. Doch dabei geht Wichtiges vergessen, mahnt nun ein Philosoph.
«Irgendwann kippte es», sagte der Mann, der mit einer App seine Ernährung kontrollieren wollte.
«Ich achtete nicht mehr darauf, ob ich Freude am Essen hatte, ich wollte nur noch meine Werte verbessern», hiess es weiter.
Komplexes einfach reduzieren
Der Mann ist kein Geringerer als ein Philosoph, der sich der Steuerung von Menschen über Punkte und Leistungslevel gewidmet hat.
Dabei geht es um virtuelle Ziele, wie eine Nachtruhe von 8 Stunden, oder das Zählen von Kalorien.
«Die Dinge so zu vermessen, führt dazu, etwas sehr Komplexes wie Gesundheit auf eine einfache Zahl zu reduzieren», erklärte C. Thi Nguyen unlängst gegenüber dem deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel».
Dies sei verlockend, weil das Grosse plötzlich überschaubar werde, sagte er weiter.
Likes, Klicks und Schulnoten
Doch dabei gingen andere Werte verloren, die sich nicht so leicht in Zahlen ausdrücken lassen, mahnte der Philosoph, der ein Buch über die «Scores» geschrieben hat.
So werde in den Sozialen Medien aus echter zwischenmenschlicher Verbindung ein «Like», in der Schule werde aus Neugier eine Note und im Journalismus zähle nur noch Reichweite, statt guter Arbeit, erklärte C. Thi Nguyen weiter.
Nur Zählbares zählt
An vielen Universitäten seien Ranglisten mittlerweile heilig und plötzlich richteten sich die Verwaltung, die Studenten und die Fakultäten danach aus.
«Neugier und Urteilsvermögen dagegen werden fast nie als Kennzahl für Erfolg herangezogen, sie lassen sich nicht gut zählen», hiess es weiter.
Die Menschen dürften ihre Leben aber nicht nur daran ausrichten, was sich leicht messen lasse. Im Vordergrund stehe dann bloss Selbstoptimierung und nicht mehr die Freude am Essen oder das Vergnügen an einem Spaziergang, so die Argumentation.
Am Anfang nützlich
Es sei sogar problematisch, wenn sich automatisch das durchsetze, was sich leichter messen lasse.
«Mindestens so sehr brauchen wir Menschen auch Freude, Gemeinschaft, Schönheit, Tradition oder Genuss», machte der Philosoph die Hintergründe klar.
Anfangs könnten die Metriken zwar schon helfen, den eigenen Zuckerkonsum zu veranschaulichen oder Willkür, wie etwa in der Schule, sichtbar zu machen.
Schöngeistiges zur Abwechslung
Doch wichtig sei gleichzeitig für die Menschen, die Entscheide darüber zu behalten in welchem Ausmass die Kennzahlen das Selbstbild bestimmen lassen.
Genau aus diesem Grund bringt unser Wirtschaftsnews-Portal muula.ch nach vielen Zahlen auch regelmässig Artikel zu den schönen Seiten des Lebens – zu Kunst, Kultur, Reisen, Spitzenweinen, Luxusgütern, Hotels, Gourmetrestaurants, Büchern & Co.
Und dies, ganz ohne Kennzahlen-Wahn.
23.07.2026/kut.



