Gigantischer Gewinneinbruch bei Nestlé

Nestlé-Logo an einem Gebäude in Vevey
Nestlé erzielt schlechte Geschäftszahlen im ersten Semester. (Bild: PD)

Beim Nahrungsmittelriesen Nestlé gehen die Geschäfte zurück und die Profitabilität implodiert. Für das Wasser fand er auch nur eine halbe Lösung.

Wer die Probleme vom Nahrungsmittelkonzern Nestlé verstehen will, braucht nur durch Schweizer Supermärkte zu laufen.

Schoggi als Ladenhüter

Thomy-Senf und Thomy-Mayonnaise von Nestlé sind bei Coop bis unter die Decke gestapelt.

Beim Konkurrenten Migros fehlen die Produkte dagegen. Die Preisverhandlungen hatten zu einer Aussortierung geführt und Nestlé blieb quasi auf viel Ware sitzen und muss sie andernorts verramschen.

Nestlé-Senf und Nestlé-Mayo bei Coop
Nestlé-Produkte als Ladenhüter. (Bild: muula.ch)
Nestlé-Schokolade Cailler bei Manor in Aktion
Stapel von Cailler-Schoggi bei Manor trotz Rabatten. (Bild: muula.ch)

Nestlé-Schokolade, wie Cailler, ist selbst mit 50 Prozent Rabatt vielerorts ein Ladenhüter.

Hoher Aufwand für Marketing

Nespresso-Kaffee wird mittlerweile als Massenware beim Discounter Denner vertrieben, statt den Verkauf in edlen Boutiquen zu zelebrieren.

Neue Kaffeemaschinen oder Milchaufschäumer wirft Nestlé den Kunden förmlich hinterher, wenn sie nur ein paar Stangen an Nespresso-Kapseln kaufen.

Die Kunden decken sich mit Mineralwasser auch praktisch nur noch ein, wenn es in Aktion ist. Dann nehmen sie aber gleich mehrere 6er Packs.

Viele Minuszeichen

Der Hintergrund des Geschehens ist praktisch immer gleich.

Die Preiserhöhungen des Konzerns aus Vevey waren so unverschämt, dass sich die Kunden nach Alternativen umschauten.

Nun versucht Nestlé, die Kundschaft zurückzugewinnen, ohne aber auf zu viel Umsatz beziehungsweise Marge verzichten zu müssen.

Nestlé-Umsatzentwicklung
In allen Regionen sinken die Umsätze eigentlich. (Screenshot: muula.ch)

Der Umsatz sank im ersten Halbjahr um 2,5 Prozent auf 43,1 Milliarden Franken, wie Nestlé am heutigen Donnerstag bekanntgab.

Der Konzerngewinn brach regelrecht ein und ging um rund 30 Prozent auf noch 3,5 Milliarden Franken zurück.

Dabei ist zu bedenken, dass Nestlé bereits 2025 sichtbare Bremsspuren verzeichnet hatte.

Viele Kostensteigerungen

Rund 2,1 Prozent hätten die fortgeführten Preisanpassungen aus dem Jahr 2025 sowie zusätzliche Preisanpassungsmassnahmen in diesem Jahr betragen, erklärte Nestlé zu den Entwicklungen.

Beim Gewinn hätten höhere Kaffee- und Kakaopreise sowie die Folgen des Rückrufs von Säuglingsnahrung und negative Zolleffekte belastet, hiess es zu den Negativentwicklungen.

Obendrein wirkten Wechselkurseffekte negativ, so Nestlé weiter.

Sparprogramm als Gegenwehr

Doch die Vertriebskosten in Prozent des Umsatzes betrugen 8,4 Prozent gegenüber 8,3 Prozent im Vorjahr, was eine Verschlechterung bedeutet.

Die Ausgaben für Werbung und Marketing in Prozent des Umsatzes stiegen zudem um 30 Basispunkte auf 8,9 Prozent.

Den Kostensteigerungen setzt Nestlé unter dem neuen CEO Philipp Navratil ein Sparprogramm entgegen. Doch das ist nur ein Tropfen auf einen heissen Stein. Der Gewinn brach erneut deutlich ein.

Wassergeschäft teils ausgegliedert

Gleichzeitig wird ein Compliance-Problem bei Nestlé deutlich.

Am heutigen Donnerstag gaben Nestlé und Platinum Equity einen Plan zur Gründung von Peranel bekannt, einem 50:50-Joint-Venture für das Wasser- und Premiumgetränkegeschäft von Nestlé.

Doch bereits am Vortag vermeldete die «Financial Times» genaue Details zu dem Deal, mit dem Nestlé versucht, seine Probleme im Wassergeschäft um Perrier, Henniez, Vittel, San Pellegrino, & Co. in den Griff zu bekommen. 

Der Deal, der im ersten Halbjahr 2027 vollzogen werden solle, stehe noch unter dem Vorbehalt von Konsultationsverfahren mit Arbeitnehmervertretungen, hiess es weiter.

Somit sind die Personalvertretungen, die normalerweise als Leaks für solche Informationen fungieren, praktisch ausgeschlossen.

Schwierigere Managemententscheide

Die Transaktion bewerte Peranel mit einem Unternehmenswert von rund 4,5 Milliarden Franken, rechnete Nestlé vor.

Daraus ergebe sich bei Abschluss ein Mittelzufluss für Nestlé von rund 2,8 Milliarden Franken, weil künftig 50 Prozent ausserhalb des Konzerns liegen. Doch bis dahin braucht es noch viel.

Es ist also im wahrsten Sinne des Wortes nur eine halbherzige Lösung. Künftig hat Nestlé nicht einmal mehr allein beim Wasser-Geschäft das Sagen.

Rosige Zukunft?

Für die Zukunft ist der Nahrungsmittelriese Nestlé zuversichtlich, dass alles besser wird.

Doch so richtig glauben darf man das wohl erst, wenn sich das Bild im Heimmarkt in Schweizer Supermärkten ändert.

An der Börse nahmen Investoren sofort Reisauss. Die Nestlé-Titel verloren fast 10 Prozent.

23.07.2026/kut./Börsenreaktion ergänzt

Gigantischer Gewinneinbruch bei Nestlé

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