
Der Pharmazulieferer Lonza steigert Umsatz und Gewinn deutlich. Einen Beitrag leistet die Straffung der Organisation – zu Lasten der Schweiz.
Der Basler Auftragsfertiger für die Pharmaindustrie, Lonza, hat für das erste Semester gute Geschäftszahlen gemeldet.
Der Umsatz legte um über 11 Prozent auf 3,4 Milliarden Franken zu.
Resultat steigt um 40 Prozent
Der Betriebsgewinn auf Stufe Ebit erhöhte sich sogar um rund 38 Prozent auf 789 Millionen Franken.
Unter dem Strich blieb im ersten Halbjahr unter der Führung von CEO Wolfgang Wienand ein Reingewinn von fast 600 Millionen Franken übrig.
Im Vorjahreszeitraum waren es 426 Millionen Franken gewesen, womit der Konzern auch beim Rein-Ergebnis eine Steigerung von fast 40 Prozent erzielte.
Ganze Schweiz tangiert
Dazu dürfte beigetragen haben, dass Lonza besonders in der teuren Schweiz seine Organisation strafft.
So strich der Auftragsfertiger hierzulande gleich dutzende Stellen und verlagert sie nach Indien, wie mehrere unabhängige Quellen gegenüber muula.ch bestätigten.

Bisher war diesbezüglich in der Öffentlichkeit von ein paar Arbeitsplätzen und dies hauptsächlich am Standort Visp (VS) die Rede gewesen.
In Tat und Wahrheit betrifft es den Hauptsitz in Basel markant, wo gleich Dutzende Stellen in Teams um die IT, im Marketing und selbst in der Personalabteilung gestrichen und nach Indien verlagert werden.
Mindestens 60 Arbeitsplätze weg
Beim Marketing sind von global rund 80 Mitarbeitern zirka 20 von der Verlagerung nach Hyderabad betroffen, wie muula.ch weiter erfuhr.
Dies wären also rund 25 Prozent der entsprechenden Belegschaft und auf die Schweiz bezogen sogar 50 Prozent des Teams.
Im HR seien ebenfalls rund 20 Stellen tangiert, die aus der Schweiz nach Indien gehen.
Hauptfokus der Straffung der Lonza-Organisation liegt aber im IT-Bereich, wo ebenfalls rund 20 Spezialisten in der Schweiz ihren Hut nehmen müssten.
Kleinreden der Auswirkungen
Zwar wollte die Medienstelle die Zahlen gegenüber muula.ch nicht bestätigen.
Es sei jedoch nur ein sehr kleiner Teil an Positionen unter den rund 20.000 Vollzeitstellen betroffen und die Arbeitnehmervertretungen seien frühzeitig konsultiert worden, erklärte eine Lonza-Mediensprecherin.
Ob ein Konsultationsverfahren eingeleitet wurde, wollte die Medienstelle aber nicht verraten.
Lonza sei bestrebt, Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter innerhalb der wachsenden globalen Belegschaft zu finden, hiess es lediglich.
Medien munkeln allerdings, das rigorose Streichen von Homeoffice-Tagen ziele bei Lonza darauf ab, die Mitarbeiterfluktuation zu erhöhen und damit Kündigungen zu umgehen.
Nach Manchester und San José
Der Basler Konzern erweitere sein Servicemodell für die Bereiche Finanzen, Personalwesen, IT und Beschaffung zusätzlich um die Bereiche Qualität, Lieferkettenmanagement und Marketing, machte das Unternehmen zu den Anpassungen klar.
Neben den bestehenden Servicezentren in Manchester in Grossbritannien und San José in Costa Rica sei ein neues Zentrum in Hyderabad eröffnet worden, welches nun mit Leben gefüllt werde.
Dabei fallen auch in der Schweiz eben Stellen weg und in Indien werden genau diese Arbeitsplätze, etwa im digitalen Marketing beziehungsweise für Analysen im Personalbereich, aufgebaut.
Normaler Umzug kaschiert Ausmass
Dies leiste einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der kurz- und langfristigen Finanzziele, erklärte Lonza weiter.
Alles sei Teil des normalen Geschäftsbetriebs.
Und am Hauptsitz merken die Mitarbeiter die Stellenstreichungen tatsächlich kaum, weil derzeit viel Lonza-Personal ohnehin zum Basler Standort Stücki umzieht.
Aktienkurs bricht ein
An der Börse hatten sich Investoren von alldem aber sogar noch mehr versprochen.
Die Aktien von Lonza gaben am heutigen Mittwoch um rund 5 Prozent nach.
Auf Jahressicht liegen die Titel damit aber nur leicht im Minus. Verlierer ist aber auch die Schweiz.
22.07.2026/kut.



