Art Basel vollbringt selbst ein Kunststück

Art Basel Eingang ohne grossen Andrang
An die Art Basel 2026 ging es teils ohne grossen Andrang. (Bild: muula.ch)

Die Art Basel 2026 hat ihre Tore geschlossen und die Organisatoren ziehen positive Bilanz. Doch Galerien und Besucher zeichnen teils andere Bilder.

Die Kunstmesse Art Basel hat an ihrem Hauptort Basel diesmal rund 90.000 Besucher angezogen.

Dies teilte die MCH Group am heutigen Sonntagabend nach Abschluss der 56. Ausgabe der Art Basel in Basel mit.

Interesse bei Museen steigt

Im vergangenen Jahr hatte die Messeleitung an den VIP- und Öffentlichkeitstagen rund 88.000 Besucher gezählt, was heisst, dass die Eintritte nach Rückgängen in der Vergangenheit diesmal wieder leicht gestiegen sind.

An der Art Basel 2026 waren 290 Galerien aus 43 Ländern vertreten, wie muula.ch berichtete. Im Vorjahr waren es 289 Galerien aus 42 Ländern gewesen.

Die Zahl der anwesenden Museen und Kunststiftungen sei um 8 Prozent auf 270 gestiegen, hiess es. Insofern legten die Zahlen auch da etwas zu.

Viele Millionendeals

Die Veranstalter der Art Basel um CEO Noah Horowitz und Art-Basel-Basel-Direktorin Maike Cruse hoben die guten Verkäufe an der diesjährigen Ausgabe der berühmten Kunstmesse hervor.

Bereits in der Messewoche war der Verkauf eines Picassos bei der Galerie Hauser & Wirth für 35 Millionen Dollar bekanntgeworden.

Picasso bei Hauser & Wirth
Ein Picasso brachte 35 Millionen Dollar. (Bild: muula.ch)
Holzfigur von Künstler Stephan Balkenhol
Der Künstler Stephan Balkenhol fertigt auffällige Holzfiguren. (Bild: muula.ch)

Doch die MCH Group berichtete noch von weiteren Verkaufserfolgen. So wechselte ein Bild von Gerhard Richter für 20 Millionen Dollar den Besitz.

Ein Kunstwerk von Willem de Koonings ging gleich in der ersten Stunde der Messe bei der berühmten Galerie Gagosian für einen hohen siebenstelligen Betrag an eine Privatsammlung in Asien.

Andrang wegen Gratiseintritt?

Erstmals wurde in Europa die «Zero 10 Art Basel» für künstlerische Praktiken im digitalen Zeitalter lanciert.

Die Eintritte waren hierbei teils gratis, was angesichts der hohen Basler Eintrittspreise zeitweise zu einem Massenandrang führte.

Auch die Qatar Lounge fand wieder mit einem neuen Sternekoch aus Doha grossen Anklang, nachdem dieses Konzept im Vorjahr bereits als Vorgeschmack auf die Art Basel Qatar initiiert worden war.

Giacometti bei Landau Fine Art
Diesen «Giacometti» gibt es praktisch jedes Jahr. (Bild: muula.ch)
Eingang von «Zero 10» für digitale Kunst
Digitale Kunst an der «Zero 10» lockte viele Besucher. (Bild: muula.ch)

An der Art Basel 2026 gab es viele Kunst-Highlights zu sehen, auch wenn sie in der Masse an fragwürdigen Kunstobjekten schwieriger zu finden waren.

Seien es neue Figuren von Stephan Balkenhol bei der Zürcher Galerie M36, seien es Fotografien von Andreas Gursky bei der Galerie Sprüth Magers, seien es klassische Gemälde oder Skulpturen bei Landau Fine Art oder sei es auch Gefragtes, wie die Werke der britischen Künstlerin Jenny Saville bei Gagosian.

Auch Althergebrachtes, wie eine Skulptur von Alberto Giacometti, gehört bei Landau Fine Art schon fast zum Inventar und wird praktisch jedes Jahr ausgestellt.

Es ist also nicht alles neu, was es zu bestaunen gibt.

Rückläufige Einnahmen

An der Art Basel gab es aber auch nicht wenige Stimmen mit Kritik, die sagten, es seien deutlich weniger Besucher als in den Vorjahren verzeichnet worden.

Vom Hauptsponsor UBS war hinter vorgehaltener Hand zu hören, diesmal sogar weniger VIPs in die eigene Lounge eingeladen zu haben, weil es im Vorjahr zu voll gewesen sei.

Kunst an der Art Basel 2026 in Basel
Beeindruckende Kunstwerke an der Art Basel 2026 in Basel (Bild: muula.ch)
Kunst an der Art Basel 2026 in Basel
Beeindruckende Kunstwerke an der Art Basel 2026 in Basel (Bild: muula.ch)

Zahlreiche Messebesucher erklärten zudem öffentlich, Gratiseintritte bekommen zu haben, was die Einnahmen der Messegesellschaft geschmälert haben dürfte.

Auch seien angesichts der ganzen Krisen in der Welt und des Generationenwechsels unter Sammlern nicht die kaufkräftigen Kunden gekommen, hiess es von Galeristen.

Die VIPs mit den grossen Brieftaschen sind aber gerade für die Art Basel in Basel besonders wichtig. Bereits im Vorjahr hatten kauffreudige Amerikaner gefehlt.

Bedeutungsverlust am Hauptort

Letztlich führen die vielen Ausgaben der Art Basel von Paris über Miami bis Hongkong und nun auch noch in Katar dazu, dass eine Regionalisierung der jeweiligen Messe stattfindet.

Doch damit geht auch ein gewisser Bedeutungsverlust der eigentlichen Hauptmesse in Basel einher, die im Jahr 1970 von Basler Galeristen ins Leben gerufen worden war und sich im Laufe der Jahre einen hervorragenden Weltruf erarbeitet hatte.

Wiederbelebung der BaselWorld

Mit all diesen Entwicklungen ist die Angst durchaus berechtigt, dass die Art Basel den gleichen Tod stirbt, wie einst die Basler Uhren- und Schmuckmesse BaselWorld.

Daher machte diese Woche wohl nicht zufällig die «Big News» die Runde, die MCH Group wolle mit der «Basilia Jewellery & Watch Fair» wieder eine Uhren- und Schmuckmesse lancieren und erstmals im April 2027 mit 400 Ausstellern durchführen.

Das Konzept soll ohne eigentliche Messestände funktionieren und solle als Ergänzung zur Genfer «Watches and Wonders» fungieren.

Journalisten abservieren

Vielleicht sollte die Messe Basel auch ihr Kommunikationskonzept überarbeiten und mal überlegen, wie sie die Medienschaffenden aus aller Welt mittlerweile in Basel behandelt.

Journalisten müssen statt wie früher in einem voll ausgestatteten Pressezentrum nunmehr mit ein paar Barhockern in einer Hallenecke auskommen und erhalten auch die üblichen Eintritts-Badges nicht mehr, was ihre Arbeit deutlich erschwert.

Ein Besucher der Art Basel schläft auf einer Bank
So mancher Besucher schlief sogar auf der Art Basel ein. (Bild: muula.ch)
Leere Gänge an der Art Basel
Teils herrschte gähnende Leere an der diesjährigen Art Basel. (Bild: muula.ch)

Eine Auftaktmedienkonferenz findet ebenfalls nicht mehr statt, weshalb es für die Öffentlichkeit auch kaum noch einen richtigen Startpunkt für die Kunstmesse gibt.

Und Art-Basel-CEO Horowitz beantwortet Medienfragen auch praktisch nur genervt.

Doch gerade ein medialer «Hype» wäre im Zeitalter von Tiktok, Instagram & Co. wichtig. Die Kunst lebt schliesslich davon, dass man darüber redet und berichtet.

Wiederbeleben nach Ableben

Die nächste Ausgabe der Art Basel in Basel ist vom 17. bis 20. Juni 2027 mit Preview-Tagen am 15. und 16. Juni 2027 geplant.

Es bleibt spannend, wie das Konzept, die Besucher- und Kundenzahlen, die Verkäufe und letztlich die Zufriedenheit der Galeristen dann sein werden.

Denn eigentlich ist ein langsames Sterben und dann doch Wiederbeleben, wie bei der Uhren- und Schmuckmesse BaselWorld, unnötig.

21.06.2026/kut.

Art Basel vollbringt selbst ein Kunststück

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert