
Die Geopolitik und die Unsicherheit beim Erdölpreis belasten derzeit stark. Doch für die Schweiz gibt es durchaus auch positive Entwicklungen.
Der Dachverband der Schweizer Wirtschaft, Economiesuisse, hat zwar die Wachstumsprognose für dieses Jahr bei 1,0 Prozent belassen.
Doch unter der Oberfläche bei den einzelnen Treibern gab es schon Änderungen, wie Chefökonom Rudolf Minsch am Mittwoch vor den Medien klarmachte.
Exporte gehen zurück
Zwar schwäche sich der Welthandel ab, Deutschland komme immer noch nicht auf die Beine und China schwitze weiterhin die jüngste Immobilienkrise aus, erklärte der Wirtschaftsexperte zur Situation.
Auch die Geopolitik sowie der Erdölpreis befeuerten die Unsicherheiten für die Schweizer Unternehmen weiter.

Für die Uhrenindustrie um Patek Philippe, Rolex, Tissot, Omega, Audemars Piguet & Co. sowie die Nahrungsmittelbranche dürfte es im Export schwierig werden, so Minsch.
Für die Waren- und Dienstleistungsexporte 2026 würde ein Minus von 2,5 Prozent resultieren, erklärte der Economiesuisse-Ökonom.
Staaten konsumieren kräftig
Doch ganz so düster sieht die Welt für die Schweizer Volkswirtschaft nicht aus. Es gebe durchaus auch positive Entwicklungen, die für eine Besserung sprächen, hiess es.
Da wäre, erstens, der Umstand, dass Staaten vielerorts bereit sind, ihre Verschuldung auszuweiten.
Dies erhöhe den Konsum der öffentlichen Hand. Selbst für die fiskalpolitisch disziplinierte Schweiz sieht Economiesuisse in diesem Jahr ein Wachstum von 1,2 Prozent in diesem Bereich.

Die zweite positive Wirtschaftsentwicklung resultiert laut Minsch von den steigenden Verteidigungsausgaben.
Drittens sei weltweit auch ein Investitionsboom in Künstliche Intelligenz KI mit grossen Datenzentren zu verzeichnen. Viele Schweizer Unternehmen profitierten dabei, weil sie etwa elektronische Komponenten zulieferten.
Warenlager aufstocken
Last, but not least, gibt es auch beachtliche Nachholeffekte, welche der Schweizer Volkswirtschaft als viertes Element deutlichen Rückenwind geben.
Die Rede ist von Ersatzinvestitionen, welche über Jahre aufgeschoben worden waren und nun dringend vorgenommen werden müssten.
Hinzu komme noch die Aufstockung der Lagerbestände, etwa weil die Lieferketten nicht mehr so sicher sind.
Strompreise reduzieren
Der Schweizer Franken bleibt laut Economiesuisse zwar stark. Doch dies halte die Inflation im Inland tief und dürfte die Schweizerische Nationalbank SNB zum Halten der Nullzinsphase bewegen, so Wirtschaftsexperte Minsch weiter.
Die Schweiz sollte an der Verbesserung der Standortqualität feilen, also Regulierungen abbauen oder die Strompreise reduzieren. Letztere seien immerhin einige der höchsten in Europa.
Fifa generiert Milliarden
In der konstant gehaltenen Wirtschaftsprognose von 1,0 Prozent ist die Fussball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko nicht enthalten.
Der gigantische Sport-Event führt aber bekanntermassen zu Milliardeneinnahmen beim Weltfussballverband Fifa.
Und dies kommt als positiver Effekt für die Schweiz in diesem Jahr quasi noch obendrauf. Von einer Wirtschaftskrise ist die Welt ohnehin weit entfernt.
03.06.2026/kut.





