
Die Wettbewerbsbehörden weiten Razzien in der Baubranche im Kanton Jura aus. Nicht mehr nur 6, sondern 20 Firmen sollen sich abgesprochen haben.
Nach dem Bündner Baukartell, das vor ein paar Jahren aufgeflogen ist, macht derzeit ein mögliches weiteres Baukartell im Kanton Jura von sich Reden.
Nun 20 Baufirmen im Visier
Im November 2025 eröffnete die Wettbewerbskommission Weko bereits gegen sechs Unternehmen ein Verfahren wegen Beteiligung an möglichen Submissionsabreden, wie muula.ch berichtete.
Doch die Sache ist offenbar viel grösser als gedacht.
Aufgrund der bisherigen Ermittlungen weite die Weko ihre Untersuchung auf insgesamt 20 Unternehmen aus, teilten die Wettbewerbshüter am heutigen Dienstag überraschend mit.
Eine Dekade lang kooperiert
Es bestehe der Verdacht, dass die Firmen ihre Offerten und Preise während mehrerer Jahre für Beschaffungen der öffentlichen Hand und Privaten koordinierten, hiess es zur Begründung.
Potenziell betroffen seien mehr als 150 Ausschreibungen im Hoch- und Tiefbau aus den Jahren 2016 bis 2025. Im Rahmen der Untersuchung sei zu prüfen, ob tatsächlich kartellrechtlich unzulässige Wettbewerbsbeschränkungen vorliegen.
Bis dahin gelte die Unschuldsvermutung. Doch wer die Kartellwächter kennt, weiss, dass sie nur bei tausendprozentigem Verdacht überhaupt mit Polizeieinsätzen aktiv wird.
Eine solche Untersuchung dauert in der Regel auch drei Jahre. Das machen die Behörden nur, wenn sie sich ziemlich sicher sind.
Verschwendung von Steuern
Sprechen sich Anbieter an Märkten untereinander ab, zu welchem Preis sie offerieren und wem sie einen Beschaffungsauftrag zuteilen wollen, treffen sie kartellrechtlich unzulässige Submissionsabreden.
Diese erhöhten die Preise, machten Unternehmen ineffizient und wirkten innovationshemmend, mahnten die Wettbewerbshüter die Mängel an.
Solche Abreden belasteten die Wirtschaft und die öffentliche Hand. So muss etwa der Staat mehr Steuergeld ausgeben, als er bei vollständigem Wettbewerb müsste.
Viele Aktiengesellschaften
Die Untersuchung betrifft laut den Behörden folgende Unternehmen.
Es sind André Chaignat et Fils SA, Bieri et Grisoni S.A., Comte Construction SA e Germain Comte S.A., Fernand Perrin S.A. e Perrin Holding Sàrl, Marti Arc Jura SA e Marti Holding AG, PMB Construction SA e PMB Holding SA und Louis Vernier SA.
Die Weko nannte aber auch Baume constructions SA, Entreprise Lovis SA, F. Hänzi S.A., FMGC SA, Francis Beuchat Sàrl e Benjamin Chaignat Holding Sàrl, G. Cuenat S.A., GCB S.A., Georges Chételat SA, Guy Choulat S.A., Laurent Membrez SA (succursale de Delémont), Les Fils de Marc Joliat S.A., Mendez Constructions Sàrl, René Seuret S.A.
17.02.2026/kut.




