Drei Wünsche des Christoph Mäder an die Schweiz

Der scheidende Economiesuisse-Präsident Christoph Mäder an der Messe Luzern
Christoph Mäder hielt zum Abschied als Präsident eine staatsmännische Rede. (Bild: muula.ch)

Economiesuisse-Präsident Christoph Mäder übergibt sein Amt beim Dachverband der Wirtschaft an Silvan Wildhaber. Dabei liest er auch die Leviten.

Nach zwei Amtsperioden hat Christoph Mäder am heutigen Freitag in Luzern das Präsidentenamt des Dachverbandes der Schweizer Wirtschaft, Economiesuisse, an seinen Nachfolger, den KMU-Unternehmer Silvan Wildhaber, übergeben.

Keine Wellnessjahre

Sechs Jahre lang stand Mäder an der Spitze der Schweizer Wirtschaft.

Seit 2020 seien es mit der Pandemie, dem Krieg in Europa, der Energiekrise, der Inflation, geopolitischen Spannungen und Handelskonflikten nicht gerade wirtschaftspolitische Wellnessjahre gewesen, würdigte Bundespräsident Guy Parmelin den scheidenden Economiesuisse-Präsidenten.

Der scheidende Präsident des Dachverbandes der Schweizer Wirtschaft äusserte zum Abschied aber noch drei Wünsche an das Land.

Führung fehlt

Erstens forderte Mäder die Mitglieder des Bundesrates auf, Mut zu haben, zu regieren.

Es sei nicht verboten zu führen, sagte er und forderte Reformen von der Landesregierung, selbst wenn diese noch nicht mehrheitsfähig seien.

Bundespräsident und SVP-Bundesrat Guy Parmelin
Guy Parmelin sprach in Luzern gern zum Staatsfernsehen. (Bild: muula.ch)

Die Regierung dürfe nicht bloss Befehlsempfängerin und Verwalterin parlamentarischer Vorstellungen und Ideen sein, sondern sie müsse Probleme frühzeitig und weitsichtig angehen und ihre Staatsleitungsverantwortung aktiv an die Hand nehmen.

Visionen für das Land

Mäder erinnerte dabei an die visionären Macher der Schweiz im 19. Jahrhundert, welche die Grundsteine für den Aufbau der ETHs oder für den Bau des Gotthardtunnels gelegt hatten.

Angesichts des Durcheinanders, des Kleinkleins und der Führungslosigkeit im Bundesrat ist das Anliegen nicht von der Hand zu weisen.

Fehlende Kompromissbereitschaft

Zweitens wünschte sich der scheidende Economiesuisse-Präsident mehr Anerkennung für den Kompromiss.

Lösungsorientierten Kräften, also sachlichen Debatten, sollte mehr Raum gegeben werden als dem Lärm. Eine Schlagzeile zu produzieren, sei verlockender, als hinter den Kulissen für das Land gute Lösungen zu schmieden, betonte er.

Silvan Wildhaber ist der neue Economiesuisse-Präsident
Silvan Wildhaber ist künftig das Sprachrohr der Schweizer Wirtschaft. (Bild: muula.ch)

Reformen kämen aber hierzulande nur zustande, wenn die politischen Kräfte kompromissbereit seien, was voraussetze, aufeinander zuzugehen, einander zuzuhören und eben nicht in Partikularinteressen zu verharren, sondern das grosse Ganze zu sehen.

Mäder sprach da mit Blick auf die Zuwanderung oder die EU-Annäherung einen extrem wunden Punkt der Schweiz an.

Überall nur noch Mittelmass

Und drittens wünschte sich Mäder in seiner letzten Präsidialrede, dass die Schweiz wieder das Selbstverständnis an den Tag lege, zu den wirklich Besten der Welt gehören zu wollen.

Auch da ist viel Wahres dran, weil sich immer mehr Unternehmer und Politiker mit Mittelmass zufriedengeben.

Das Land solle aber zu den wohlhabendsten weltweit zählen, die besten Bildungschancen bieten, die nachhaltigsten Vorsorgesysteme haben und die stabilste sowie preisgünstigste Energieversorgung sicherstellen, hob Mäder als Beispiele hervor.

Langanhaltender Applaus

Die Schweiz müsse wieder die Fähigkeit erlangen, zu den Besten zählen zu wollen, nicht aus Selbstzweck, sondern aus Verantwortung für das Land und seine Menschen, hiess es.

Mäder schloss mit den Worten «Politik bedeutet nicht, Probleme zu beschreiben, sondern sie zu lösen» und erhielt langanhaltenden Applaus.

Privates hat Priorität?

Der neue Präsident von Economiesuisse, Wildhaber, muss in solch grosse Fussstapfen wohl erst noch hineinwachsen.

Der Textilunternehmer eines ostschweizer KMU sorgte am «Tag der Wirtschaft» in Luzern nämlich für Gesprächsstoff, indem er seine Prioritäten beschrieb und Privates beziehungsweise seine Familie an erster Stelle nannte und dabei immer auf seine anwesende Ehefrau blickte.

Eventuell muss sich Präsident des Wirtschaftsdachverbandes Wildhaber die Wünsche von Mäder und die Bedeutung von Verantwortung nochmal genauer durch den Kopf gehen lassen.

11.09.2026/kut.

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