Richemont spart sich reich

Luxusgüterkonzern Richemont in Genf
Der Richemont-Konzern fährt seine Investitionen zurück. (Bild: PD)

Der Luxusgüterkonzern Richemont steigert im abgelaufenen Geschäftsjahr den Gewinn deutlich. Doch richtig gut läuft es nicht mehr.

So ungehalten hat die Öffentlichkeit den Verwaltungsratspräsidenten (VRP) von Richemont, Johann Rupert, wohl selten gesehen.

«Sie müssten sich schon bessere Fragen überlegen», schallte der gestandene Manager immer und immer wieder den Finanzanalysen sowie Medienvertretern zur Vorstellung der Resultate für das abgelaufene Geschäftsjahr entgegen.

Barsche Antworten

Wie Rupert die Entwicklung der Geschäfte in China einschätze, wollte jemand wissen.

«Woher solle ich das wissen?», entgegnete der Richemont-VRP barsch.

Einen Vergleich zur Konkurrenz, wo der Luxusgüterkonzern angeblich Marktanteile gewonnen hat, wollte Rupert auch nicht liefern. «Das sei Ihre Arbeit», sagte er lediglich.

Champagner-Laune verflogen

Normalerweise ist der gestandene Manager aus Südafrika gesprächig und erklärt gerne die Welt.

Schliesslich hat er auch einen guten Draht zu US-Präsident Donald Trump und kennt sich gut in Asien aus.

Angesichts eines um 27 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro gestiegenen Reingewinns hätte es durchaus beim Richemont-Management auch Champagnerlaune geben können.

Umsatz nach Regionen
Asien ist für Richemont keine Boomregion mehr. (Screenshot: muula.ch)

Der Umsatz legte um 5 Prozent auf 22,4 Milliarden Euro zu.

Zu konstanten Wechselkursen hätte das Plus sogar 11 Prozent betragen, rechnete der Genfer Konzern vor.

Dollarschwäche belastet

Doch der Teufel steckt, wie immer, im Detail.

Der Boom, wie er nach der Coronavirus-Pandemie bestand, ist verflogen. Die Region Americas wuchs zwar recht gut.

Doch der schwache Dollar machte dem Konzern, der in Euro rechnet, gleich wieder einen Strich durch die Rechnung.

In Asien kommt China nicht auf die Beine, auch wenn es leichte Aufwärtsbewegungen geben soll.

Mini-Gewinn wird noch kleiner

Schmuck um die Hauptmarken Cartier und Van Cleef & Arpels läuft weltweit gut.

Doch ins Uhrensegment um IWC, Jaeger LeCoultre, Piaget, Vacheron Constantin, Panerei & Co. mag man schon kaum noch blicken.

Die Umsätze gingen um 4 Prozent zurück und der operative Gewinn brach um 40 Prozent auf gerade noch etwas mehr als 100 Millionen Euro ein.

VRP von Richemont Johann Rupert
Richemont-VRP Rupert reagierte auf Fragen oft gereizt. (Bild: muula.ch)

Wie es da weitergeht, wollte auch Rupert nicht verraten.

Man habe von Uhren eben keine richtige Ahnung und sei bekanntermassen nur durch Akquisitionen dazu gekommen, hiess es.

Von einem strategischen Denker hätte man da wohl mehr erwartet.

Investitionen sinken um 11 Prozent

In solch unsicheren Zeiten sparen Firmen normalerweise kräftig. Das ist auch bei Richemont so.

Der Marketingaufwand ging spürbar von 10 Prozent des Umsatzes auf 9 Prozent zurück.

Die Investitionsausgaben fuhr der Luxusgüterkonzern zudem um 11 Prozent auf nur noch rund 1 Milliarde Euro herunter.

Die Lagerbestände steigen, was die Rendite auf das gebundene Kapital von 31 auf 28 Prozent sinken lässt.

Dividendenentwicklung bei Richemont
Die Ausschüttungen sollen kräftig steigen. (Screenshot: muula.ch)

Das Aktionariat soll angesichts der hohen Gewinnsteigerung, die auf den Verkauf eines Milliardenverlustbringers zurückzuführen ist, dennoch nicht darben.

Börsenhype verfliegt

Der Generalversammlung werde eine Dividendenerhöhung von 10 Prozent vorgeschlagen.

An der Börse herrschte erst Euphorie und die Titel legten über 5 Prozent zu.

Doch nach dem merkwürdigen Auftritt von Rupert und ohne Angaben über den Geschäftsfortgang nahmen Investoren lieber Reissaus.

Die Richemont-Titel schlossen letztlich sogar im Minus.

22.05.2026/kut.

Richemont spart sich reich

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