Pictet: Mit L-QIF neue Freiheiten des Kapitals nutzen

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Pictet erklärt eine Neuerung am Schweizer Finanzmarkt. (Bild: muula.ch)

Die Schweiz hat in der Kapitalanlage eine stille Revolution vollzogen. Was genau dahintersteckt, erfragte muula.ch bei der Privatbank Pictet.

Lange war es ein offenes Geheimnis am Schweizer Finanzplatz gewesen.

Wer wirklich flexibel strukturieren wollte, ging nach Luxemburg.

Strategisches Signal

Dort entstanden Fondsvehikel, die schneller, freier und pragmatischer waren als das, was das Schweizer Recht zuliess.

Die Schweiz – stolz auf ihre Finanztradition – schaute zu, wie immer mehr Strukturierungsvolumen nach Luxemburg abwanderte.

Mit dem Limited Qualified Investor Fund, kurz L-QIF, besann sich die Schweiz dann aber. Offiziell ist es nur eine neue Fondsstruktur.

In Wahrheit ist es aber ein strategisches Signal.

Regulator weg vom Produkt

Der Kern des Modells ist so einfach wie politisch heikel: Der Fonds selbst wird nicht mehr von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma bewilligt.

Stattdessen bleiben die beteiligten Dienstleister – Fondsleitung, Depotbank, Vermögensverwalter – reguliert.

Die Aufsicht wird auf diese Weise nicht abgeschafft, sondern sie verschiebt sich nur.

Der Regulator kommt weg vom Produkt, hin zu den Akteuren, wie das auch beim luxemburgischen Pendant, dem Raif, der Fall ist.

Institutionelle wollen rasche Lösungen

Was auf dem Papier technisch wirkt, entfaltet in der Realität beträchtliche Wirkung.

Denn wer professionelle Anleger wie Pensionskassen oder Family-Offices betreut, weiss: Geschwindigkeit und Flexibilität sind keine Nebensächlichkeiten.

Sie entscheiden darüber, ob eine Struktur praktikabel ist oder nicht.

muula.ch fragte bei Reto Barbarits von Pictet Asset Services nach, wie sich die neuen Möglichkeiten mittlerweile entfaltet haben.

Kapital im Inland halten

Der L-QIF sei eine intelligente Deregulierung, betont der Experte. Der Staat ziehe sich dort zurück, wo professionelle Marktteilnehmer selbst Verantwortung übernehmen könnten, sagt er.

Genehmigungsprozesse dauern auch in der kleinen Schweiz ihre Zeit und innovative Anlageideen verlieren dabei rasch an Aktualität, bevor sie investierbar sind.

Asset-Services-Experte von Pictet, Reto Barbarits
Asset-Services-Experte von Pictet, Reto Barbarits. (Bild: PD)

Mit dem L-QIF durchbricht das Land dieses Muster und schafft neue Freiheiten für Profiinvestoren.

Die Schweiz halte dabei wieder Kapital im Inland, erklärt der Pictet-Asset-Services-Spezialist weiter.

Über 8 Milliarden an Volumen

Investoren suchten nämlich die Nähe zu ihren Kapitalanlagen und viele trauten auch der überbordenden Regulierung in der EU nicht mehr, betont der Jurist.

Bereits 42 solche Strukturen hätten sich in der Schweiz mit einem Anlagevolumen von über 8 Milliarden Franken etabliert.

Selbst für Nachfolgeregelungen sei das Vehikel attraktiv, macht die Privatbank Pictet klar.

Schweiz holt wieder auf

Für den Schweizer Finanzplatz ist das mehr als eine technische Neuerung.

International konkurriert die Schweiz seit Jahren mit Fondsstandorten wie Luxemburg, Irland oder den Cayman Islands.

Gerade im alternativen Anlagebereich drohte sie an Attraktivität zu verlieren.

Der L-QIF ist eine Antwort darauf, bewusst Schweizerisch, aber global anschlussfähig.

Uhrensammlung als Fonds

Mit dem L-QIF lassen sich illiquide Anlagen, Private Markets, Infrastruktur, Private Debt, thematische Spezialfonds oder komplexe Strategien deutlich einfacher strukturieren.

Gerade institutionelle Investoren, wie Pensionskassen oder Family-Offices, profitieren eben von diesen Neuerungen.

Zwar ist es theoretisch möglich, mit einem L-QIF auch eine Gemäldesammlung oder eine Auswahl an Schweizer Luxusuhren in ein Fondsvehikel zu packen.

Doch viel spannender seien traditionelle Anlageklassen, Private Assets oder Immobilienportfolios, die für mehrere Investoren so attraktiv werden.

Bremsen von Innovationen

Der L-QIF ist kein lauter Umbruch am Kapitalmarkt und fiel daher in der Öffentlichkeit auch nicht so gross auf.

Doch es ist der Versuch, Kapitalstrukturen wieder vermehrt in der Schweiz zu halten und Möglichkeiten zur Gestaltung zu geben.

Eigentlich ist der L-QIF eine leise, aber sehr Schweizerische Antwort auf eine globale Frage: Wie viel Regulierung braucht ein reifer Markt und wo beginnt sie, Innovationen zu bremsen?

Die Antwort ist nicht laut, aber sie wirkt, wie die Entwicklung bei den neuen Anlagemöglichkeiten zeigt.

24.07.2026/Interview: Rico Kutscher

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