Neustes Postenkarusell im Zürcher Hochfinanz

Jaques de Vaucleroy
Jaques de Vaucleroy soll Swiss Re weiterhin führen. (Bild: PD)

Swiss Re braucht durch das Entstehen der Monsterbank UBS einen neuen Verwaltungsratspräsidenten. Die gefundene Lösung überrascht.

Der zweitgrösste Rückversicherer der Welt, die Swiss Re, hat einen merkwürdigen Schachzug bei der Besetzung des vakanten Postens vom Verwaltungsratspräsidenten (VRP) vollzogen.

Durch die Fusion der Krisenbank Credit Suisse (CS) mit der UBS war Starbanker Sergio Ermotti zum CEO der Monsterbank aufgestiegen und Swiss Re musste sich einen neuen VRP suchen.

Harter Auswahlprozess?

Die provisorische Lösung war der unbekannte Belgier Jacques de Vaucleroy, wie auch muula.ch berichtete. Doch Swiss Re wäre nicht Swiss Re, wenn die Lösung nicht danach aussehen würde, als hätte Ehrenpräsident Walter B. Kielholz die Fäden gezogen.

Der Belgier ist laut einer Medienmitteilung vom heutigen Mittwoch nämlich nicht nur ein Provisorium, sondern der Verwaltungsrat schlägt ihn nun als Verwaltungsratspräsidenten vor. De Vaucleroy schlägt sich also quasi selbst vor.

Gewiss, der Auswahlprozess sei hart gewesen, versicherte der Rückversicherer im Communiqué.

Doch keiner der mehreren Kandidaten konnte de Vaucleroy offenbar das Wasser reichen. Die Auswahlkriterien passten also perfekt auf den Interimspräsidenten.

Untertanen finden Chef gut

De Vaucleroy solle den Verwaltungsrat weiterführen und sei für die Wahl zum neuen Verwaltungsratspräsidenten an der nächsten Generalversammlung im April 2024 vorgeschlagen worden, hiess es.

«Dies wurde uneingeschränkt von den Mitgliedern des Verwaltungsrates befürwortet», schrieb Swiss Re weiter.

Diese komische Situation muss man sich einmal vorstellen. Swiss Re redet von guter Governance. Doch diese wäre wohl eher erreicht worden, wenn de Vaucleroy nur die Interimslösung geblieben wäre.

Basler Pharma und Zürcher Finanz

«Der Auswahlprozess, welcher mehrere externe Kandidaten umfasste, hat Jacques als den vom Verwaltungsrat bevorzugten Nachfolger hervorgebracht», freute sich der Governance- und Nominierungsausschuss unter der Leitung von Jörg Reinhardt, der schon als Verwaltungsratspräsident beim Pharmakonzern Novartis kein gutes Händchen mit der Auswahl des CEOs bewiesen hatte, wie auch muula.ch zum Mega-Gewinneinbruch berichtete.

Doch eigentlich ist de Vaucleroy der Vorsitzende des Governance- und Nominierungsausschusses. Fast logisch, finden dort alle den Chef des Gremiums geeignet.

Aber die Basler Pharmaindustrie und der Zürcher Hochfinanz waren ja schon immer gut vernetzt.

An das CS-Verwaltungsrat-Debakel während der Coronavirus-Pandemie mit Severin Schwan, dem Konzernchef von Roche, erinnern sich aber sicher noch viele.

Tausch der Positionen

Nun gibt allerdings noch weitere Pöstchenwechsel bei Swiss Re.

De Vaucleroy werde nach nur wenigen Wochen als Lead Independent Director und als Vorsitzender sowie Mitglied des Vergütungsausschusses zurücktreten. Reinhardt werde die Rolle des Lead Independent Directors und Jay Ralph die Leitung des Vergütungsausschusses übernehmen, hiess es.

Beides mit sofortiger Wirkung, teilte der Konzern mit. Alles scheint völlig austauschbar.

Walter B. Kielholz
Swiss-Re-Ehrenpräsident Walter B. Kielholz (Bild: PD)
Jörg Reinhardt
Neuer Lead Independent Direktor bei Swiss Re Jörg Reinhardt (Bild: PD)

De Vaucleroy werde aber auch als Präsident der Verwaltungsräte der Swiss Re Europe S.A. und der Swiss Re International SE später im Jahr zurücktreten, sobald eine Nachfolge ausgewählt wurde, erklärte der Rückversicherer weiter.

Tausendsassa ist Berater

Der alte und neue Verwaltungsratspräsident der Swiss Re ist analog zu Reinhard seit 2017 im Verwaltungsrat des Rückversicherers.

Er ist noch Präsident des Verwaltungs- beziehungsweise Aufsichtsrates zweier anderer Gesellschaften, nämlich der Supermarktkette Kazidomi SRL und der niederländischen Finanzbeteiligungsfirma Heraclius Topco BV.

Gleichzeitig sitzt er als Mitglied im Verwaltungsrat von Everex SA, der Colt Technology Services Group plc, der Fidelity International Limited, der Eight Roads Holdings Limited, der Simõn I. Patiño-Stiftung und der gemeinnützigen Organisation Tada.

Der Tausendsassa ist auch im belgischen Handelsregister mit einer Beratungsfirma registriert, die seinen eigenen Namen trägt, wie Recherchen von muula.ch unlängst ergeben hatten.

Laut der heutigen Mitteilung wolle er aber die Mehrzahl seiner Mandate abgeben und sich auf Swiss Re konzentrieren.

Schlechtestes Übel

Nach dem Banken-Star Ermotti, der ohnehin kaum Ahnung vom Rückversicherungsgeschäft hatte, aber gut zum Zürcher Finanzklüngel passte, kommt nun ein eigentlich farbloser Belgier mit Jahrgang 1961 an die Spitze.

Wenn der Rückversicherer ihn so herausragend findet, wie seine Verantwortlichen nun sagen, hätten sie ihn auch gleich zur Wahl als Nachfolger von Ermotti stellen können.

Aber andere Lösungen waren offensichtlich noch schlechter gewesen.

12.07.2023/kut.

Neustes Postenkarusell im Zürcher Hochfinanz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert