Nationalbank hält seit über einem Jahr still

Logo der SNB am Gebäude in Bern
Die SNB zeigt über einen längeren Zeitraum ihre Markteingriffe. (Bild: muula.ch)

Die Schweizerische Nationalbank macht ein grosses Geheimnis daraus, wann und wie sie am Devisenmarkt interveniert. Nun gibt die SNB aber einen Einblick.

Die Schweizerische Nationalbank SNB steht seit einiger Zeit in der Kritik, sie würde zu wenig für die Schweizer Volkswirtschaft tun.

Swatch und Breitling jammern

Insbesondere die Uhrenbranche jammert über den starken Schweizerfranken und kritisiert daher immer wieder die Zentralbank unter der Führung von SNB-Chef Martin Schlegel.

Swatch-Patron Nick Hayek zog gleich mehrfach über die Notenbank her. Sie solle den Schweizerfranken stärker schwächen, damit es die Exportindustrie nicht so schwer habe.

Auch Breitling-CEO Georges Kern meldete sich dieser Tage von der Genfer Uhrenmesse «Watches and Wonders» mit einem ähnlichen Appell.

Schwächen der Landeswährung

Doch wer die Rede von SNB-Präsident Schlegel diese Woche in Washington verfolgte, versteht die ganze Diskussion viel besser.

Neben den Zinsen interveniert die Schweizer Zentralbank nämlich an den Devisenmärkten, um ihr Mandat erfüllen zu können. Mit der raschen Senkung der Leitzinsen auf 0 Prozent hatte die SNB ihr Pulver relativ schnell verschossen.

Es bleibt praktisch nur noch das Eingreifen am Devisenmarkt, um die Landeswährung zu schwächen. Dann hätten es Exporteure leichter, denn ein starker Franken verteuert Schweizer Produkte im Ausland ohne das Zutun der Unternehmer.

Vortragsslide von Martin Schlegel in Washington
SNB-Interventionen laut Schlegel (Screenshot: muula.ch)

Die Nationalbank verteilt das Geld über die Interventionen von allen Nutzern des Frankens zugunsten der Schweizer Exportwirtschaft um.

Die Notenbanker nehmen jedem Schweizer und jeder Schweizerin quasi etwas Geld weg, das sie etwa bei Auslandsferien oder Einkaufstourismus ausgeben könnten, und geben es der Swatch Group oder Breitling.

Bescheidene Devisenkäufe

Nun hat SNB-Chef Schlegel in Washington gezeigt, dass die Nationalbank seit dem 2. Quartal 2025 nicht mehr für einen schwächeren Franken sorgt.

Sie lässt den Franken also ungehindert aufwerten – trotz US-israelischem Angriffkrieg auf die Islamische Republik Iran.

Die Interventionen waren damals mit 5,2 Milliarden Franken auch nur relativ bescheiden gewesen.

Die Devisenmärkte, die Hunderte Milliarden umfassenden, lassen sich mit solchen Minibeträgen, die auf der Grafik kaum zu erkennen sind, wohl nur wenig beeindrucken.

Verkauf selbstgeschaffener Franken

Die jüngste SNB-Intervention geschah um den «Liberation Day», den US-Präsident Donald Trump mit der Verhängung von Strafzöllen beim Warenimport in die Vereinigten Staaten ausrief.

Damals wurde der Franken stärker und mit ein paar Devisenmarktinterventionen erzog die Nationalbank dann allerdings den Markt.

Sie verkaufte selbstgedruckte Franken beziehungsweise kaufte Fremdwährung und sorgte mit dem höheren Angebot für einen tieferen Preis.

Das reichte dann offenbar alles schon aus, denn die SNB versank im Schlaf.

Inflation im Ausland lassen

Ganz anders verhielt es sich dagegen im Jahr 2023, denn da verkaufte die SNB ihre Fremdwährungen in grossem Stil.

Ein Quartal kam dabei sogar auf 40 Milliarden Franken, wie aus der Grafik weiter hervorgeht.

Damals wollte die SNB unbedingt, dass der Franken stark wird und über die Verknappung des Franken-Angebots erreichte sie die «Preissteigerung».

Damit schwappte aber die hohe Inflation nach der Coronavirus-Pandemie sowie der Energiepreisanstieg aufgrund des Ukraine-Krieges nicht in die Schweiz herüber.

Höhere Bereitschaft

Die Teuerung ist im Ausland aber mittlerweile deutlich zurückgegangen und die geopolitischen Unsicherheiten lassen den Franken automatisch stärker werden, ohne dass die SNB interveniert.

Bisher sah die Zentralbank auch keine Veranlassung, ins Geschehen einzugreifen. Der Vorwurf von den USA, ein Währungsmanipulator zu sein, gilt also schon geraume Zeit für die Schweiz nicht mehr.

Schlegel sagte an der jüngsten Medienkonferenz aber, die Nationalbank stünde nun für Eingriffe an den Kapitalmärkten stärker bereit.

«Eine rasche und übermässige Aufwertung des Frankens stellt ein Risiko für die Preisstabilität dar. Um diesem Risiko entgegenzutreten, ist unsere Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, erhöht», sagte Schlegel.

Deindustrialisierung im Gang

Dies hätte sich die Schweizer Uhrenbranche aber wohl schon viel früher gewünscht.

Langfristig überlegen die Unternehmen nämlich, ob es für ihre Produktionsstätten günstigere Standorte als die Schweiz gibt.

Und so erzeugt das lange Stillhalten der SNB eine Deindustrialisierung der Schweiz – klammheimlich. 

17.04.2026/kut.

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