Kleine Schweizer Firma sorgt weltweit für Aufsehen

Solarpanel-Hersteller Meyer Burger

Schweizer Unternehmen agieren meist unter jeglichem politischen Radar. Nun geht eine Thuner Firma aber zum Angriff über und rüttelt Europa wach.

«Wir sehen im Moment viele Initiativen in vielen Regionen, die den dort ansässigen Unternehmen viel Förderung und industriepolitische Unterstützung anbieten, wenn sie Technologien für die Energiewende produzieren.»

Dies sagte Gunter Erfurt, Chef des Thuner Solarpanel-Herstellers Meyer Burger gegenüber dem deutschen «Handelsblatt».

Bestes Produkt der Welt

Es seien Länder wie China, Indien und die USA. Europa tue hingegen bisher gar nichts, um diese umweltfreundlichen Industrien wirklich zu fördern, kritisierte der Manager.

Die Logik hinter dem Geschäftsmodell, des schon öfters in Finanzschwierigkeiten geratenen Solarpanel-Produzenten, ist relativ einfach.

«Wir haben Technologieführerschaft, das bedeutet, unser Produkt ist besser als das des Wettbewerbs», sagte Erfurt weiter. Deshalb habe sich die Firma getraut, etwa im teuren Industriestandort Deutschland zu produzieren.

Produktionsstandort egal

«Wenn es den aktuellen Subventionswettlauf nicht gäbe, dann wären die Herstellungskosten überall ungefähr gleich», erklärte der CEO von Meyer Burger weiter.

Der Anteil der Personalkosten sei so gering, dass man eine Produktion mit hoher Automatisierung praktisch überall darstellen kann.

«China kann Solarmodule also nicht einfach günstiger produzieren, sondern der Staat subventioniert die Produktion massiv. Und jetzt geht das Ganze auch in den USA los», kritisierte er.

Anschubfinanzierung nötig

Die USA hätten aber grundsätzlich erkannt, dass sie die Solarindustrie zumindest für eine temporäre Phase unterstützen müsse – und zwar in der Flächenproduktion. Dies seien bis zum Jahr 2029 bei Solarzellen und Solarmodulen pro Jahr und Gigawatt rund 110 Millionen Franken.

«Ab dann wird die Förderung jährlich um 25 Prozent reduziert, und ab 2033 läuft die Förderung komplett aus», hiess es zur Systematik.

Weisses Haus offen

«Wenn Sie heute als europäisches Technologieunternehmen in den USA vorsprechen, dann öffnen sich innerhalb weniger Tage die Türen – selbst ins Weisse Haus», sagte er zudem. Bei der Finanzierung von Fabrikprojekten hätten die Amerikaner erkannt, dass sie es den Chinesen gleichtun müssten, betonte Manager Erfurt.

Doch in Europa passiere nichts. Die EU müsse den schönen Ankündigungen zu Klimaschutz und Industriepolitik nun auch Taten folgen lassen, forderte Meyer Burger die europäische Staatengemeinschaft heraus.

Meyer-Burger-Konzernchef Gunter Erfurt
Meyer-Burger-CEO Gunter Erfurt (Bild: PD)

Der Konzern habe eine Milliarde Franken an privaten Geldern aufgenommen und da fielen die 7,5 Millionen Franken an Staatsförderung kaum ins Gewicht. Jedoch sei ein Beitrag wichtig.

Me-Too-Problem geschaffen

Klar sind Subventionen nicht unumstritten. Doch wenn es andere Länder so massiv tun, hat Europa fast keine andere Chance.

Nun hat der Schweizer Solarpanel-Betrieb sogar einen Brief an den deutschen Finanzminister Christian Lindner geschrieben.

Seither stünden die Telefone in Thun kaum noch still. Damit hat das Unternehmen offenbar einen wunden Punkt Europas offengelegt.

Attraktive Rahmenbedingungen

Doch eine Antwort hat er vom deutschen Finanzminister noch keine bekommen. Lässt sich die europäische Politik noch mehr Monate oder gar Jahre an Zeit, ist Meyer Burger als letzter Solarpanel-Hersteller Europas aber auch bald weg.

Europäer müssten entweder auch attraktive Rahmenbedingungen für Zukunftsindustrien schaffen, so die Meinung zum internationalen Subventionswettbewerb. Oder aber die Politik muss das Problem auf andere Weise mit den USA, China & Co. lösen.

Die Firmen dürften sich jedenfalls so entscheiden, wo sich ihre Produktionen am besten rechnen.

20.06.2023/kut.

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